11.03.2020

„Das positive Bild der Kirche“

Rund 20 Jahre hat Susanne Germann-Behrens den Sozialdienst katholischer Frauen Hamburg geleitet. Nun tritt sie in den Ruhestand und gibt den Staffelstab weiter an Elisabeth Kriegel.

Das Führungstrio vom Sozialdienst katholischer Frauen (v. l.): Geschäftsführerin Daria Schönfeld, die scheidende Leiterin Susanne Germann-Behrens und ihre Nachfolgerin Elisabeth Kriegel.

Das Führungstrio vom Sozialdienst katholischer Frauen (v. l.): Geschäftsführerin Daria Schönfeld, die scheidende Leiterin Susanne Germann-Behrens und ihre Nachfolgerin Elisabeth Kriegel. Foto: Matthias Schatz

In kräftigem Rosa, der Farbe der Weiblichkeit und der Kinder, strahlt die Eingangstür dem Besucher an der Wartenau 5 entgegen. „Bei uns ist auch drin was draufsteht. Das hat mich hier gerne arbeiten lassen“, sagt Su­sanne Germann-Behrens. Und tatsächlich: in den lichten Räumen hinter der Tür, die sich über drei Stockwerke verteilen, geht es um Frauen und Kinder, vornehmlich um schwangere Frauen. Denn dort ist der Sozialdienst katholischer Frauen Hamburg, kurz SkF, untergebracht. Fast 20 Jahre hat Germann-Behrens die Institution geleitet. Nun tritt die 63-Jährige in den Ruhestand und übergibt das Zepter an ihre bisherige Stellvertreterin Elisabeth Kriegel. 

Mehr als Beratung schwangerer Frauen

Bundesweit ist die Organisation ein Fachverband der Caritas und bietet Schwangerschaftsberatung nach den bischöflichen Richtlinien. Praktisch umfasst die Arbeit jedoch mehr, zielt „gesellschaftspolitisch auf eine Verbesserung der Lebenssituation von Frauen und Familien“, wie es im Jahresbericht der Hamburger Dienststelle heißt. „Wir haben hier mit Frauen zu tun, von denen 90 Prozent in Altersarmut enden werden“, berichtet Germann-Behrens. „Wir versuchen, dass sie wenigstens die Zeit mit ihren Kindern genießen können.“ 

Armut sei unter Frauen noch immer weiter verbreitet als bei Männern. Keineswegs alle Ratsuchenden hingen von Hartz IV ab, rund ein Drittel habe eine Arbeit im Mindestlohnbereich, könne davon aber nicht die Familie ernähren. In den vergangenen Jahren sei der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund deutlich gestiegen, berichtet Germann-Behrens. „Viele kamen aber bereits als Kleinkinder nach Deutschland oder sind hier geboren.“

Der SkF hilft nicht nur, etwa wenn es um Amtsgänge geht, und bietet Trauerberatung, sie hält auch eine sehr begehrte Broschüre mit Tipps zum sparsamen Wirtschaften bereit. In besonderen Notfällen wird auch mit kleineren Geldbeträgen ausgeholfen. Diese Spontanhilfe wird durch Kleinspenden finanziert. Künftig will sich Germann-Behrens darum kümmern, dass der Topf stets gefüllt ist.

Vor 16 Jahren erreichte Germann-Behrens der bestürzende Brief einer Studentin. Sie hatte ihr Baby verloren, weil die städtische Versorgung keine ausreichende pränatale Betreuung erlaubte. „Da haben wir uns gesagt: „Das darf nicht wieder vorkommen.“ Seitdem bietet der SkF über die Beratung durch sieben Mitarbeiterinnen, meist Sozialpädagoginnen, hinaus die Betreuung durch Hebammen an. Sie machen die Mehrzahl der acht ehrenamtlich Tätigen aus.

Hilfe auch vor Ort in sozialen Brennpunkten

2019 suchten rund 2 000 Frauen den SkF Hamburg auf, wo sie knapp 2 600 persönliche Gespräche führten. Hinzu kommen noch gut 1 100 Beratungen am Telefon oder per E-Mail. Und zwar auch in den sieben Außenstellen, die Kriegel in den vergangenen Jahren mit aufgebaut hat. Sie befinden sich in einkommensschwachen Gegenden mit vielen Kindern, wie etwa Neuallermöhe

Elisabeth Kriegel will die Arbeit des SkF im Sinne ihrer Vorgängerin fortsetzen. Die 55-jährige Volkswirtin, die auch Sozialarbeit studiert hat, möchte aber darüber hinaus die Online-Beratung ausweiten. Religion und Nationalität spielen dabei natürlich auch weiterhin keine Rolle. Germann-Behrens selbst ist evangelisch. „Manche verstehen kaum, dass wir hier eine katholische Einrichtung sind“, sagt Kriegel. „Wir sind das positive Bild der Kirche“, ergänzt Geschäftsführerin Daria Schönfeld.

Text u. Foto: Matthias Schatz