20.02.2019

„Ich bin der, der nicht rennt“

Es gibt sie noch: Eremiten, also Einsiedler. Der Brandenburger Pater Jürgen Knobel gibt Meditationsexerzitien in Parchim und setzt einer Welt voll Trubel etwas entgegen: Stille, Ruhe und Gebet. 

Eremit und Pater: Jürgen Knobel aus Lindow
Pater Jürgen Knobel im Garten seiner Klause in Lindow (Brandenburg).  Foto: privat

Er ist eine Urform spirituellen Lebens: der Eremit. Seit Jahrtausenden gibt es Menschen, die sich zum Leben in der Einsamkeit berufen fühlen. Selbst in vielen Filmen unserer Zeit taucht er immer wieder auf, wie etwa Zauberer Gandalf in „Herr der Ringe“ oder Obi-Wan Kenobi aus „Star Wars“. Pater Jürgen Knobel ist katholischer Eremit nach kirchlichem Recht. Er lebt in einem kleinen Backsteinhäuschen Wand an Wand zur St. Josephskirche in Lindow (Mark) in Brandenburg. Der 56-jährige ist Priester und Künstler. Als Eremit sieht er sich selbst als Botschafter dafür, dass es auch anders geht. Immer wieder hält er im Edith-Stein-Haus in Parchim Meditationsexerzitien. 

Gab es für Sie einen entscheidenden Impuls, ein Leben als Eremit zu beginnen?

Nein, ich denke nicht. Wie bei allen geistlichen Lebensformen, die es in unserer Kirche gibt, hat sich meine Berufung über eine längere Zeit vorbereitet. Es ist sicherlich eine Gabe, die Gott hineingelegt hat und sich auf meinem geistlichen Weg entfaltet hat. Ich habe gelernt, hinzuhören auf das Wort Gottes. Sicherlich war ein entscheidender Punkt, dass ich immer zur Stille geneigt habe. Ich erinnere mich an ein Erlebnis aus meiner Kindheit, als ich etwa zwölf Jahre war. Ich stand in einem Wald auf einer Lichtung und mich überkam das Gefühl: wenn ich jetzt hier bleibe, dann werde ich alles finden. 

Wie sieht der Alltag eines Eremiten aus?

Es ist ein umfassendes kontemplatives Lebenskonzept, das heißt es dient dem Rückzug, der Stille und dem Hören auf Gott. Der Alltag orientiert sich am Leben eines Mönchs und ist ein Rhythmus aus Arbeit und Gebet. Es sind lebenslange Exerzitien. Wobei man dabei natürlich auch immer in der Welt bleibt – auch als Eremit muss man mit der Welt umgehen können. Sonst würde man abdrehen.

Es ist die Zeit von Smartphone und Internet – nutzen Sie diese Kommunikationsmittel?

Ich minimiere die Kontakte und den Zugang ins Internet und habe weder Fernseher und Radio noch Tageszeitungen. Das ist für mich aber kein Verzicht, sondern eine Befreiung und ein Loslassen. Ich habe etwas Wesentliches gefunden, etwas Höheres und möchte meine Konzentration auf das Geistliche richten. Ich kann also nicht mit diesem Verzicht prahlen. Denn es geht als Eremit nicht darum, wer weniger hat – im Sinn einer Olympiade: Jetzt trage ich nur noch eine Unterhose und schlafe unter einem Baum. Das hat mit dem seriösen geistlichen Programm des Eremitenlebens nichts zu tun. 

Ist das Leben als Eremit noch zeitgemäß? 

Ja, denn der Eremit ist nicht nur für sich selbst da. Viele Menschen haben heute ihre Mitte verloren. Ständige Stimulanz muss dann dafür sorgen, dass die Frage, nach dem „wer bin ich wirklich?“ verdrängt wird. Das Heil wird im Konsum gesucht. Der Eremit gibt mit seinem Weg Zeugnis von Gott und Orientierung. Alle die rennen, merken: da ist einer, der rennt nicht. Das ist wie ein Hoffnungsschimmer. 

Interview: Katja Schmid

 

Veranstaltungen:

Die nächsten Meditationsexerzitien in Mecklenburg mit Pater Jürgen Knobel sind vom 1. bis 3. März und vom 24. bis 26. Mai im Edith-Stein-Haus, Invalidenstraße 20 in Parchim. Gesamtpreis: 200 Euro. 
Anmeldung bei Pater Jürgen Knobel, Eremitage St. Bernhard, Am Wutzsee 14, Lindow (Mark) unter Telefon 0151 / 56 19 41 95 oder E-Mail: Juergen.Knobel@gmx.de