03.04.2019

„Setzt etwas aufs Spiel!“

Keine Bischofssynode ohne „Nachsynodales Schreiben“. Auch nach der Jugendsynode von 2018 hat Papst Franziskus ein solches verfasst. Es heißt „Christus vivit“. Erzbischof Stefan Heße hofft auf gute Impulse für das Erzbistum. 

Papst Franziskus während des Abschlussgottesdientes der Jugendsynode
Papst Franziskus während des Abschlussgottesdientes der Jugendsynode. Foto: kna

Das „Nachsynodale Schreiben“ ist mit 76 Seiten etwas lang für die Lesegewohnheiten der Jugend, aber es birgt einige Perlen. Dort nämlich, wo nicht nur Ergebnisse einer Weltkonferenz zusammengefasst werden, sondern eindeutig Papst Franziskus spricht. „Lasst von euch hören! Werft die Ängste, die euch lähmen, über Bord! Lebt!“ Der Papst verzichtet auf fromme Ermahnungen. Sexualität kommt wenig vor, auch keine Warnungen vor atheistischen Weltanschauungen. Die Gefahr für die Jugend sieht Papst Franziskus eher dort, wo sie auf Sicherheit setzt, ihre Träume verliert und sich heraushalten will aus dem Leben. „Liebe junge Menschen, verzichtet nicht auf das Beste an eurer Jugend, beobachtet das Leben nicht von einem Balkon aus. Verwechselt das Glück nicht mit einem Sofa und verbringt nicht euer ganzes Leben vor einem Bildschirm!“

Papst an junge Christen: Keine Angst haben!

Viel ist von Ängsten die Rede: der Angst vor den Armen und den Fremden, vor Entscheidungen, der Angst, Fehler zu machen. „Die Liebe, die sich hingibt und tätig ist, macht oftmals Fehler. Derjenige, der handelt, der aufs Spiel setzt, begeht häufig Fehler“, heißt es an einer Stelle. Und einige Seiten zuvor: „Setzt etwas aufs Spiel, auch wenn ihr Fehler machen werdet!“ 

Es gibt in diesem Papier auch Selbstkritik, an einer „übertrieben ängstlichen und starr strukturierten Kirche“, etwa wenn es um die Debatte um Frauenrechte geht. Angst und Abschottung passt nicht zusammen mit dem christlichen Leben, das Papst Franziskus als „Freundschaft mit Jesus“ beschreibt. „So viel du auch lebst und erlebst“, schreibt der Papst, „du wirst nicht zum Grund der Jugend vorstoßen, du wirst nicht die wirkliche Fülle des Jungseins erkennen, wenn du nicht jeden Tag dem großen Freund begegnest, wenn du nicht in Freundschaft mit Jesus lebst.“

Soweit das Schreiben. Wird es auch bei jungen Katholiken im Norden ankommen? Erzbischof Stefan Heße hofft darauf. „Ich wünsche mir, dass wir hier im Erzbistum Hamburg überlegen, was die Impulse des Papstes für uns für die Verbände, für die Jugendarbeit in den Pfarreien und in den Schulen im ganzen Erzbistum bedeuten können“, sagte er am Dienstag, kurz nach dem Erscheinen des Schreibens. 

„Die Jugendlichen sind schnell, sie geben Schwung, Dynamik in die Kirche rein“, glaubt der Erzbischof. „Sie rennen ein bisschen vorweg und deswegen müssen sie vielleicht am Ende auch mal auf die Langsameren warten. Aber ich bitte euch, gebt diesen Schwung in die Kirche herein!“ 

Text: Andreas Hüser