14.07.2021

„So eine klitzekleine Wallfahrt“

An der Autobahn 23 in Dithmarschen liegen die Brahmkampsgärten mit ihren „Gartenzimmern“. Pfarrer Joachim Kirchhoff hat sie für sich entdeckt.

Pfarrer Joachim Kirchhoff und Marianne Ortner am See

Pfarrer Joachim Kirchhoff und Marianne Ortner am See, an dessen anderem Ufer die Gärten beginnen. Foto: Marco Chwalek

Sie heißen „Garten der Kindheit“, „Garten der Liebe“, „Garten der Weisheit“ und „Abrahams Schoß“: Auf dem Gelände einer ehemaligen Schuttkuhle bei Albersdorf im Kreis Dithmarschen, findet sich direkt an der Autobahn 23 mit den „Brahmkampsgärten“ ein ganz besonderer Park. Auf dessen 7000 Quadratmetern Fläche wurden 23 „Gartenzimmer“ gestaltet. Jedes einzelne Zimmer ist einem bestimmten Thema gewidmet und in sich abgeschlossen. „Die einzelnen Räume bringen auf mannigfaltige Art durch charakteristische Bäume und Blumen wie auch Figuren und in Stein gemeißelte Sprüche das Wesentliche des Lebens zum Ausdruck“, verspricht die Internetseite ­(www.brahmkampsgaerten.de).

Die Frau hinter dieser Idee ist Dr. Dr. Marianne Ortner, die fast 30 Jahre als Allgemeinmedizinerin in Paderborn praktizierte, bevor sie in den Ruhestand ging und sich ihrem Projekt in Dith­marschen widmete. Ortner wollte Räume schaffen für Themen, die sie in der Praxis nicht zufriedenstellend behandeln konnte wie zum Beispiel die Trauer. „Wenn einer trauert und kann es nicht sein lassen, dann ist das für einen Doktor ein echtes Problem“, erzählt sie. Aus ihrer Sicht ist es für die Besucher stets „so eine klitze­kleine Wallfahrt“, wenn sie die letzten Meter zum Park gehen. Spätestens wenn die Besucher dann den See sähen und dort am Ufer stünden, hätten sie alles vergessen und könnten sich öffnen. 

„Die Trauer überrollt einen. Sie können nicht sagen: Ich will nicht trauern. Das geht nicht. Und wenn sie gar nicht trauern, dann haben sie auch nicht geliebt, denke ich.“ In den Brahmkampsgärten können Menschen durch ein Tor in den Garten der Trauer gehen, wo sie einen Baum sehen, dessen weiße Rinde sich jedes Jahr pellt.“ Für Marianne Ortner ein Sinnbild für den Prozess des Trauerns.

Eine Ahnung von der Fülle des Lebens

In jedem einzelnen Gartenzimmer sind die Pflanzen so ausgesucht, dass sie zum Thema passen. Im Garten des Todes etwa wächst ein Teufelskrückstock, dessen Dornen sehr schmerzhaft sein können. Und wo hält sie sich selbst am liebsten auf? Marianne Ortner: „Der wichtigste Garten ist mir der Garten der Liebe. Denn ohne Liebe läuft nichts“, sagt sie. Es ist auch das Thema, das sie den Menschen nahebringen will, was gar nicht so leicht ist. Was ist Liebe? Mit dieser Frage direkt konfrontiert, würden manche Besucher geradezu entsetzt schauen, erzählt die Ärztin.

Zu den Fans der Brahmskampsgärten gehört übrigens auch Pfarrer Joachim Kirchhoff aus Itzehoe. Es sei schwer zu beschreiben, wie es hier überall dufte und wie viele Bienen und Hummeln hier unterwegs seien. „Der liebe Gott hat uns die Fülle des Lebens zugesprochen und versprochen. Und hier kriegen wir eine kleine Ahnung davon“, sagt er. Der Pfarrer will zum Beispiel mal die Vorbereitung auf die Erstkommunion in den Garten verlegen, wo es sogar eine eigene kleine Kapelle in Form eines Walfisches gibt. Am Sonntag, 18. Juli feiert er dort um 17 Uhr einen Gottesdienst. Pfarrer Kirchhoff: „Hier in diesem Garten kann ich mir die wesentlichen Fragen meines Lebens stellen. Und ich bekomme eine Ahnung davon, dass es für diese wesentlichen Fragen auch gute Antworten gibt. Deswegen auch hier am Ende die Kapelle, dass am Ende nicht das Nichts steht, sondern die Hoffnung steht, dass Gott uns umschließt und in seine Herrlichkeit hineinnimmt.“

Der Eintritt zu den Brahmkampsgärten kostet 9 Euro, Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre zahlen nichts. Auf dem Gelände gibt es das Hofcafé Sophienlust für kleine Stärkungen. Bis September sind die Gärten täglich von 11 bis 18 Uhr geöffnet.

Text: Marco Chwalek u. Marco Heinen