09.06.2021

„Wir sind, was wir feiern!“

Weihbischof Horst Eberlein hat am vergangenen Sonntag in Glückstadt die neue Pfarrei St. Nikolaus errichtet. Über eine Feier in besonderen Zeiten.

Weihbischof Horst Eberlein predigt bei der Pfarreigründung von St. Nikolaus in St. Marien Glückstadt
Weihbischof Horst Eberlein sprach unter anderem über einen Satz aus einer Predigtmitschrift aus dem 7. Jahrhundert. Foto: Marco Heinen

Gerade einmal 50 geladene Gottesdienstbesucher fanden sich am vergangenen Sonntagnachmittag zur Pfarreigründung in St. Marien in Glückstadt ein. Denn die Feier war geplant worden, als noch die strengeren Corona-Auflagen galten. So ging es vor allem darum, Vertreter aus allen acht beteiligten Kirchengemeinden der neuen Pfarrei dabei zu haben. Mitglieder der Lenkungsgruppe, des neuen und des alten Kirchenvorstands, Pfarrgemeinderatsvorsitzende, Gemeindeteams und Gruppenvertreter wie etwa zwei Pfadfinder waren gekommen. Wer nicht zum Kreis der Geladenen gehörte, konnte im Internet zuschauen. Das Erzbistum hatte einen Live­stream eingerichtet.

Dr. Bernward Schröder, stellvertretender Vorsitzender des neuen Kirchenvorstands, verwies auf den Namenspatron der neuen Pfarrei, den heiligen Nikolaus, der ja auch der Schutzpatron der Seeleute ist: „Heute nun ist der Stapellauf für unser Schiff, das sich Gemeinde nennt. Wir stechen gemeinsam in See“, sagte Schröder, der „Kapitän Kirchhoff“ dankte, der ja schon bei den beiden nun vereinten Pfarreien von Heide und Itzehoe quasi auf der Brücke gestanden hatte.

Weihbischof Horst Eberlein griff in seiner Predigt ein Wort aus einer Predigtmitschrift aus dem 7. Jahrhundert auf, das ihn beeindruckt hatte: „Ihr seid, was ihr feiert“, heißt es da. Und er zitierte den früheren Bundespräsidenten Johannes Rau: „Der Glaube lässt uns feiern, auch in schweren Zeiten.“ Kirche und Gesellschaft befänden sich gerade in solch schweren Zeiten. „Aber wehe dem, wir würden aufhören zu feiern“, so Eberlein, der zu folgendem Schluss kam: „Wir sind, was wir feiern. Wir sind, was wir feiern gerade heute. Wir sind, was wir feiern, wenn wir Christus und seine, unsere neue Pfarrei feiern.“ 

Die Stimmung unter den Anwesenden war trotz der gebremsten Feiermöglichkeiten positiv. Was wohl damit zusammenhing, dass die Gemeinden von Büsum, Heide, Meldorf, Marne, Brunsbüttel, Itzehoe, Hohenlockstedt und Glückstadt den Vereinigungsprozess letztlich recht geräuschlos über die Bühne gebracht haben. 

Gemeindereferent Manfred Pleus jedenfalls, Moderator für den Pastoralen Raum, sprach von „drei schönen Jahren“. Er habe „sehr nette und sehr offene Menschen kennengelernt“, sagte er am Rande des Gottesdienstes. Pleus sieht eine besondere Herausforderung in den großen Entfernungen: „Ich glaube, dieser Pastorale Raum wird sich dadurch auszeichnen, dass die einzelnen Gemeinden einzelne Schwerpunkte bilden.“ Man dürfe nicht erwarten, dass bei den Entfernungen viel gemeinschaftlich getan werde könne.

Winfried Lehmann aus Marne sprach ebenfalls von einer guten Entwicklung. „Obwohl wir ja zunächst einmal so ein paar Fragen hatten, was das Ganze überhaupt soll.“ Martin Reich aus Brokdorf  meinte zur neuen Pfarrei: „Ich sehe es so, dass wir quasi einen riesengroßen Teil dazubekommen. Und nicht, dass wir irgendetwas abgeben oder verlieren.“

Keren Bolzenius aus Heide sagte, sie hoffe, „dass wir mehr zusammenwachsen“ und dass  wir „die inneren Blockaden und Hemmnisse, die wir noch haben, mehr überwinden.“ Dies sei wichtig, um den ganzen Prozess annehmen und akzeptieren zu können. Dies gelte auch mit Blick auf unangenehme Entscheidungen, die vielleicht noch anstünden.

Text u. Foto: Marco Heinen