30.01.2019

„Wir suchten schnell das Weite!“

Wo immer Jesus auftrat, geschahen erstaunliche Dinge. Wie haben die Menschen das erlebt? Albert Sprock lässt sie reden. In seinem neuen Buch erzählt er aus Sicht der Haupt- und Nebenpersonen das Markus-Evangelium nach. 

Simon Petrus schläft ein im Garten Getsemani; Bild aus dem Hortus Deliciarum der Äbtissin Herrad von Landsberg, Elsass 12. Jahrhundert

„Ich habe mich fürchterlich geschämt“, sagt Simon Petrus nachher. Er gehörte zu denen, die im Garten Getsemani eingeschlafen sind. Bild aus dem „Hortus Deliciarum“ der Äbtissin Herrad von Landsberg, Elsass 12. Jahrhundert  Foto: wikipedia

„Wisst ihr eigentlich, wie es ist, nicht dazugehören? Ausgeschlossen zu sein? Glaubt es mir, es ist hart. Als ich 15 Jahre alt war, ereilte mich dieses Schicksal. Urplötzlich merkte ich. Mit meiner Haut stimmt was nicht.“ Hier spricht ein Mensch, den niemand kennt. Bekannt ist nur seine Geschichte. Sie steht im Markus­evangelium (Markus 1,40–45) unter der Überschrift „Heilung eines Aussätzigen“. Wie dieser Kranke, den Jesus heilte, hieß, verrät der Evangelist nicht. Vielleicht hieß er Eljada. Albert Sprock hat ihm diesen Namen gegeben. Er lässt Eljada erzählen: Wie ihm als Aussätziger zumute war. Welche Vorschriften er zu beachten hatte. Und wie er reagierte, als in sein Dorf ein noch wenig bekannter Wanderprediger und Wunderheiler kam. „Nichts hielt mich mehr. Ich rannte los, ihm entgegen.“ 

Albert Sprock, Pfarrer im Ruhestand, hat sich für sein Buch in die Rolle von Personen aus dem Markusevangelium hineinversetzt. Er lässt die Nebenfiguren sprechen. Den geheilten Aussätzigen; den Bauern, der das Gleichnis vom Sämann hört. Simon von Cyrene, die Apostel, Pontius Pilatus treten auf, aber auch Personen, von denen bisher niemand wusste. Etwa Debora, Enkeltochter der armen Witwe, die nicht mehr als einen Groschen spenden kann – und damit ihre Armut kundtut. Jesus zeigt auf sie, alle sehen es. „Wie peinlich für uns!“, erzählt die Enkelin. „Wir suchten schnell das Weite.“ Aber zu Hause lässt sie der Vorfall nicht los. Als sie später hört, dass ein bekannter Mann mit zwei anderen gekreuzigt wurde, wird Debora stutzig: „Das war derselbe, dem wir beim Opferkasten begegnet waren!“ 

„Unter dem Kreuz fehlten die Männer!“

Die ersten Augenzeugenberichte hat Albert Sprock schon vor 12 Jahren geschrieben, als er noch Pfarrer auf Sylt war, ohne Gedaken an eine Veröffentlichung. „Es hat mir Spaß gemacht, mir die Situationen vorzustellen und zu überlegen: Welche Person will ich hier sprechen lassen?“, sagt er. Am Ende waren 96 Augenzeugenberichte zusammengekommen. Das Ganze ist nicht nur Phantasie. Der Geistliche hat vorher nach den historischen Hintergründen geforscht. „Ich wollte das Konkrete, Menschliche hineinnehmen. Unter welchen Umständen lebten die Menschen um Jesus?“ Und aus der Perspektive dieser Menschen lassen sich verborgen schlummernde Botschaften aus dem Evangelium herauslesen. Im Evangelium steht, wer bei der Kreuzigung Christi dabei war. Die Jüngerin Salome sagt, wer nicht da war: „Ich sagte schon, unter dem Kreuz fehlten die Männer!“

Wissenschaftlichen Anspruch haben die Berichte nicht. Das Buch mit „Zeitzeugen-Aussagen“ ist keine wissenschaftliche Arbeit. Aber am Anfang und Ende schlägt Albert Sprock die Brücke zur historisch-kritischen Exegese. Der Evangelist Markus und Maria Magdalena erzählen, wie aus den direkten Erlebnissen und ersten Augenzeugenberichten das erste umfassende Evangelium wurde.

Das Buch „Jesu Leben und Botschaft – das Zeugnis der Zeitzeugen“ ist beim Autor für 9.90 Euro (zzgl. Versand) zu haben.
Kontakt: Albert Sprock, Lüdemannstr. 20 24114 Kiel, E-Mail: albertsprock@aol.com

Text: Andreas Hüser