30.04.2018

Kommunionstreit: Deutsche Bischöfe reisen nach Rom

Ende in Sicht?

Am Donnerstag reisen deutsche Bischöfe nach Rom: Ist der Streit um die Zulassung evangelischer Partner zu Eucharistie also bald erledigt?

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Am Donnerstag reisen sechs Bischöfe nach Rom, um dort über die Handreichung zur Zulassung evangelischer Ehepartner zur Eucharistie zu sprechen. Foto: kna


"Roma locuta, causa finita" - Rom hat entschieden, die Sache ist erledigt. Ganz so einfach dürfte es diesmal wohl nicht sein, wenn am Donnerstag sechs deutsche Bischöfe und der Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz in den Vatikan reisen, um die Frage zu klären, ob nichtkatholische Ehepartner in Einzelfällen zur Kommunion zugelassen werden können. Die Bischofskonferenz hatte dafür in einer noch nicht veröffentlichten "Handreichung" per Mehrheitsbeschluss Regelungen formuliert, was aber bei einer Minderheit auf Vorbehalte stieß.

Nach dem geltenden Kirchenrecht können Christen anderer Konfessionen nur in Notlagen und nur, wenn sie den katholischen Glauben an die Eucharistie teilen, zum Kommunionempfang zugelassen werden. Die neue Handreichung legt den Begriff der Notlage theologisch eher weit aus.

Im Raum steht letztlich die Frage, ob die deutschen Bischöfe hier aus eigenem Recht tätig werden können. Sieben von ihnen, an der Spitze der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki, wandten sich in einem Brief an den Vatikan mit Bitte um Klärung. Als bekannt wurde, dass ein Gespräch im Vatikan stattfinden soll, stand Woelki neben dem Konferenz-Vorsitzenden, Kardinal Reinhard Marx, und Münsters Bischof Felix Genn als Teilnehmer rasch fest.

Als nächstes wurde bekannt, dass auch die Bischöfe Gerhard Feige und Karl-Heinz Wiesemann sowie der Sekretär der Bischofskonferenz, Jesuitenpater Hans Langendörfer, nach Rom reisen. Die Bischöfe von Magdeburg und Speyer waren als Vorsitzende der Ökumene- und der Glaubenskommission neben Marx federführend an der Handreichung beteiligt.

Damit war Woelki aber der einzige Kritiker der Handreichung in der Delegation. Denn auch Genn bekannte sich zur Mehrheitsposition. Fachleute spekulierten, er solle eine vermittelnde Haltung einnehmen. Genn selbst betonte, er wisse nicht, warum er eingeladen sei.

 

Auch der Regensburger Bischof Voderholzer reist nach Rom

Offenbar gab es weitere Gespräche hinter den Kulissen. Jedenfalls wurde am Montag bekannt, dass auch der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer mitreisen wird, einer der sieben Briefeschreiber, der zugleich Mitglied der Glaubenskongregation ist.

Deren Präfekt, Erzbischof Luis Ladaria, ist Gastgeber und einer der römischen Gesprächspartner. Dazu kommen der Präsident des päpstlichen Ökumenerats, Kardinal Kurt Koch, der Untersekretär des Rats für die Auslegung der Gesetzestexte, Pater Markus Graulich, sowie Pater Hermann Geißler, der Amtschef der Lehrabteilung in der Glaubenskongregation. Papst Franziskus wird also nicht dabei sein - es sei denn, er käme spontan dazu.

Dass eine Klärung nottut, scheint offensichtlich nach den Debatten der letzten Wochen. So machte Feige in einem Gastbeitrag für die "Zeit"-Beilage "Christ & Welt" seinem Ärger Luft. "Unsere Handreichung bewegt sich im Rahmen der gegenwärtigen theologischen und kirchenrechtlichen Möglichkeiten", betonte er. Die Diskussion dauere nun schon über 15 Jahre. Und es sei auch klar, dass nicht jede konfessionsverschiedene Ehe unter dem Konstrukt der "schweren Notlage" gesehen werden könne. Aus Rom liege aber bis heute keine konkrete Definition für den vielstrapazierten Begriff vor. Daher könne sehr wohl eine Bischofskonferenz oder sogar ein einzelner Bischof verantwortlich darüber urteilen.

Kritikern der Handreichung warf Feige vor, es habe sich der Eindruck aufgedrängt, dass nicht "die mühevolle Suche nach einer verantwortbaren seelsorglichen Lösung für Einzelne" entscheidend gewesen sei, sondern "die grundsätzliche Befürchtung, nicht mehr wahrhaft katholisch zu sein".

Der Görlitzer Bischof Wolfgang Ipolt, einer der Absender des Briefes, erhofft sich nun "eine tragfähige und praktikable Lösung". Es gehe nicht allein darum, dass ein evangelischer Christ in seiner Heimatgemeinde zur Kommunion gehen könne, mahnte Ipolt. Er müsse es "dann auch zum Beispiel in Polen oder Italien tun dürfen".

Genn äußerte sich am Sonntag zwar "traurig" über den Streit, aber auch zuversichtlich, dass es in Rom zu einer guten Lösung kommen könne. Denn er sei "sehr froh über die Art und Weise", wie die Bischöfe in der vergangenen Woche in Würzburg über das Thema diskutiert hätten.

Der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller kommentierte die Debatte in "Christ & Welt" mit den Worten: "Im Land der Reformation sind sich die Bischöfe nicht einig darüber, wie man in einer wichtigen ökumenischen Frage mit den Protestanten umgehen soll. Das ist kein gutes Signal." Der Papst müsse nun generelle Fragen der "Interkommunion" klären und zugleich als Vermittler auftreten. Dabei werde sich Franziskus darum bemühen, dass keine Seite das Gesicht verliere. Der Brückenbauer ist also gefragt - ganz egal, ob er beim Gespräch am Donnerstag selbst dabei sein wird oder nicht.

kna