08.05.2018

Bischöfe sollen Streit um Kommunion selbst lösen

Zurück auf Los

Papst Franziskus lobt die ökumenische Initiative, aber fordert Einmütigkeit: Die deutschen Bischöfe sollen den Streit um die Kommunion selbst lösen.

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Die deutschen Bischöfe sollen über die Zulassung evangelischer Ehepartner zur Eucharistie neu verhandeln. Papst Franziskus fordert mehr Einmütigkeit. Foto: kna


Es war ein denkwürdiges Treffen, zu dem sechs Bischöfe aus Deutschland, der Sekretär der Bischofskonferenz und vier hochrangige Vertreter der vatikanischen Kurie in Rom zusammenkamen. Dreieinhalb Stunden lang debattierten sie auf Deutsch in der Römischen Glaubenskongregation - dort, wo einst Galileo Galilei und Jahrhunderte später der Befreiungstheologe Leonardo Boff ihre umstrittenen Thesen verteidigen mussten. Doch diesmal saß niemand auf dem Anklagestuhl. Es war eher ein runder Tisch, an dem jeder Gelegenheit hatte, seinen Standpunkt vorzubringen.

In der Sache waren die Fronten seit langem klar. Auf der einen Seite war da der Wortführer der Mehrheit, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx. Er hatte vor gut zwei Monaten bei der Vollversammlung der Bischöfe in Ingolstadt einen Beschluss zur gemeinsamen Kommunion gemischtkonfessioneller Ehepaare durchgesetzt. Dies geschah, wie der Vatikan nun mit leicht kritischem Unterton feststellte, gegen den Widerstand einer "nicht unbeträchtlichen Zahl von Bischöfen". Diese Minderheit wurde in Rom angeführt von dem anderen deutschen Kardinal, Rainer Maria Woelki, dem Erzbischof von Köln.

Beide Diskutanten hatten Unterstützer und theologische Erklärer mit nach Rom gebracht, die sich in den vergangenen Wochen ebenfalls klar positioniert hatten. Die Bischöfe Gerhard Feige (Magdeburg) und Karl-Heinz Wiesemann (Speyer) auf Seiten des Mehrheitsbeschlusses, Bischof Felix Genn (Münster) desgleichen - aber mit öffentlich bekundetem Verständnis für die Bedenken der Minderheit. Diese wiederum hatten ihren Vordenker in Gestalt des Regensburger Bischofs Rudolf Voderholzer mit nach Rom geschickt.

 

Franziskus nimmt beide Seiten in die Pflicht

Aus der römischen Kurie waren die drei Behörden vertreten, an die vor sechs Wochen ein Beschwerdeschreiben der Minderheit mit der Bitte um rechtliche und dogmatische Prüfung gegangen war: Die Römische Glaubenskongregation, der Rat für die Auslegung kirchlicher Gesetzestexte und der Rat für die Ökumene. Schon diese Auswahl stellte für die Minderheit eine gewisse Genugtuung dar - hatte doch die Mehrheit der Bischöfe einst mit Marx argumentiert, dass es sich um eine bloß seelsorgerische Frage handle, die folglich von einer einzelnen Bischofskonferenz per Mehrheitsbeschluss entschieden werden könne.

Nach dreieinhalbstündiger Debatte verwies die Römische Glaubenskongregation den Konflikt an die deutschen Bischöfe zurück. Papst Franziskus ersuche sie, "im Geist kirchlicher Gemeinschaft eine möglichst einmütige Regelung zu finden", teilte der Vatikan mit. Zugleich wurde betont, Franziskus würdige das ökumenische Engagement der deutschen Bischöfe. Dies war offenbar ein Lob für das Ansinnen der Mehrheit. Weiter hieß es in der Mitteilung, in dem Gespräch seien auch "die Beziehung der Frage zum Glauben und zur Seelsorge, ihre weltkirchliche Relevanz sowie ihre rechtliche Dimension" erörtert worden. In diesen Worten konnte sich die Minderheit bestätigt fühlen. Mit dem Aufruf zu einer einmütigen Lösung hat Papst Franziskus beide Seiten in die Pflicht genommen. Und er hat klar gemacht, dass Einmütigkeit in der Kirche mehr erfordert als eine Dreiviertelmehrheit.

Es ist ein erhellender Zufall, dass just an dem Nachmittag, als die Deutschen in Rom über die Kommunionfrage debattierten, die Internationale Theologenkommission des Papstes ein umfangreiches Grundsatzpapier zum Thema Synodalität veröffentlichte. Darin wird betont, wie wichtig für Franziskus die Diskussion in synodalen Gremien ist - zu denen er ausdrücklich auch die Bischofskonferenzen zählt.

Zugleich aber wird in dem Papier betont, dass es in kirchlichen Debatten anders zugehen soll als in Parlamenten. Es gehe nicht darum, den Vertreter der anderen Meinung niederzuringen und ihn mit "schlagenden Argumenten" zu besiegen. Sondern darum, das im Meinungsaustausch herauszuarbeiten, was am Ende zu einer "gemeinsamen Unterscheidung" führt. "Die Einheit ist wichtiger als der Konflikt" und "der Dialog macht eine Gemeinschaft in Verschiedenheit möglich", heißt es in dem druckfrischen Grundsatzdokument. Falls es bis dahin auf Deutsch vorliegt, könnte dieser Text der Debatte der deutschen Bischöfe bei ihrer nächsten Versammlung im Ständigen Rat im Juni vielleicht eine neue Qualität geben.

kna