06.03.2019

Fastenzeit

Zeit für neues Denken

Die Fastenzeit ist eine Zeit der Buße und der Vergebung. Als Christen können wir unser Leben und unsere Gottesbeziehung überprüfen: Was läuft gut? Was muss sich ändern? Die Umkehr beginnt im Kopf – wenn wir uns darauf einlassen.

Wenn wir zu einem Fest eingeladen sind, putzen wir uns heraus. Wir haben vielleicht neue Kleidung gekauft und benutzen ein gutes Parfüm. Wir haben überlegt, womit wir dem Gastgeber eine Freude machen können, haben ein Geschenk gekauft oder ein Lied eingeübt. Wir freuen uns, zu seinem Fest gehen zu dürfen – und bereiten uns darauf intensiv vor.

„Lassen wir diese günstige Zeit nicht nutzlos verstreichen!“, schreibt Papst Franziskus in seiner Fastenbotschaft und meint auch, dass wir uns gut auf ein Fest vorbereiten sollen: auf Ostern. Die 40 Fastentage von Aschermittwoch bis Karsamstag laden uns Christen ein, das eigene Leben zu überprüfen: Was ist gut? Was ist schlecht in meinem Leben? Wo habe ich versagt? Was bedeutet mir Gott? Was kann ich ändern? Die Fastenzeit ist die Zeit, das eigene Leben im Licht Gottes zu betrachten und sich innerlich für Ostern herauszuputzen. 

Die Sünde drücke sich in der Begierde, im Verlangen nach unmäßigem Wohlstand und in der Gleichgültigkeit gegenüber mir selbst und anderen aus, schreibt Papst Franziskus. Der Mensch beute die Schöpfung, die Umwelt und seine Mitmenschen aus, um seine Gier zu stillen, warnt er. „Jeder Wunsch wird zu einem Recht und früher oder später wird die Sünde den zerstören, der von ihr beherrscht wird.“ Auch unsere kleinen Nachlässigkeiten, unser schlechtes Reden über andere und unsere verurteilenden Gedanken sind sündhaft.

Wovon das Herz voll ist, davon spricht der Mund, heißt es in der Bibel. Wahre Umkehr beginnt also im Kopf. Wir müssen neu denken, umdenken. Und genau das ist die schwierige Aufgabe. Wir müssen nicht nur unsere Handlungen überprüfen, sondern bei unseren Gedanken anfangen. Entspricht unser Denken  dem Geist Gottes und Jesu? Oder sind wir der Logik des Alles-und-Sofort und des Immer-mehr-haben-Wollens verfallen, wie Papst Franziskus schreibt?

Die Fastenserie möchte Sie auf dem Weg der Umkehr begleiten. Vielleicht helfen Ihnen die Texte zu erkennen, wo Sie persönlich umkehren müssen: Wie leben Sie Ihre Beziehung zu Gott? Wo sind Sie anderen gegenüber schuldig geworden? Wo haben Sie den Armen und Bedürftigen nicht geholfen? Wie gehen Sie mit sich selbst, mit Ihrer Familie und mit der Schöpfung um? Diese Fragen können unbequem werden – wenn Sie ehrlich darüber nachdenken, was Sie in Ihrem Leben ändern können, und dann danach handeln.

Jesu Vorschlag: fasten, beten und Almosen geben 

Im Evangelium am Aschermittwoch nennt Jesus das klassische Programm für die Fastenzeit: Fasten, Gebet und Almosen geben. So können wir lernen, den Egoismus hinter uns zu lassen und frei zu werden: für eine neue Beziehung zu Gott, zu uns und zu unseren Mitmenschen. Wir können alte Gewohnheiten aufgeben und neue Haltungen einüben. 

Wenn wir die Fastenzeit intensiv nutzen, um unseren Lebensstil zu überdenken, dann sind wir wie Gäste, die sich auf ein Fest freuen: Dann sind wir nicht nur gut gekleidet und haben ein Geschenk in der Hand, sondern sind innerlich bereit, sich auf Gott und sein Wirken einzulassen.

Kerstin Ostendorf