31.07.2019

Klimawandel und Reisen

Das schlechte Gewissen fliegt mit

Seit Monaten kämpfen Jugendliche bei Fridays for future für mehr Klimaschutz weltweit. Auch in Deutschland hat die Diskussion durch die Schülerproteste neuen Schwung bekommen. Gerade in der Urlaubszeit fragen sich nun viele: Dürfen wir eigentlich noch fliegen?

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Muss es Mallorca sein? „Jeder Flug muss gut überlegt sein“, sagt Olivia Henke von der Klima-Kollekte. Foto: Getty Images/Istockphoto/Vasyl Dolmato


Langsam wächst das Bewusstsein für mehr Klimaschutz in der Bevölkerung. „Es gibt mittlerweile eine breitere Bewegung, die sich Gedanken über den Klimawandel macht“, sagt Olivia Henke, Geschäftsführerin des christlichen Kompensationsfonds Klima-Kollekte. Wenn sie sich heute mit Menschen unterhält, die wissen, dass sie im Klimaschutz aktiv ist, rechtfertigen sie sich oft für ihre Flugreisen. „Diese Flugscham gab es 2011, als die Klima-Kollekte gegründet wurde, noch nicht. Solche Gespräche habe ich damals nicht geführt“, sagt sie. 

Das schlechte Gewissen allein reicht aber nicht, um den Klimawandel zu stoppen. „Die Politik muss eingreifen. Das ist die einzige Möglichkeit, um massiv etwas zu bewirken“, sagt Henke. Denn keine andere Art der Fortbewegung verbrennt so viel Energie wie eine Flugreise. Studien zeigen, dass das Fliegen bis zu fünf Prozent zur Erderhitzung beiträgt – verursacht von nur rund drei Prozent der Weltbevölkerung. Vor allem eine CO2- und eine Kerosinsteuer seien nötig: „Wir brauchen politische Maßnahmen, die dafür sorgen, dass wir vor allem Kurzreisen per Flieger nicht mehr machen können.“

Solche Wochenendreisen nach Barcelona oder London oder Flüge innerhalb Deutschlands hält sie für absolut vermeidbar. „Die Kunden sind vor allem vom Preis überzeugt. Es kann nicht sein, dass es diese unglaublich billigen Flugreisen gibt und im Gegensatz dazu das Reisen mit der Bahn recht teuer ist.“ Henke ist sich bewusst, dass diese Einschnitte manche als schmerzhaft empfinden. „Aber dauerhaft 40 Grad im Schatten tun auch weh. Wir können nicht so weitermachen. Ich denke, das werden auch die Politiker einsehen.“

Klima-Kollekte ist kein Pflaster für das schlechte Gewissen

Sie kann nachvollziehen, wenn eine Familie gerne nach Mallorca reist, sie sagt aber auch: „Jeder Flug muss gut überlegt sein. Die beste Möglichkeit, das Klima zu schützen, ist den Flug nicht anzutreten.“ 

Wer doch unbedingt fliegen will oder es aus beruflichen Gründen muss, kann seinen CO2-Ausstoß über die Klima-Kollekte finanziell kompensieren. Mit dem Geld werden Projekte in Entwicklungsländern unterstützt, die Kohlenstoffdioxid einsparen und das Leben der Menschen verbessern. „Es geht zum Beispiel darum, durch bessere Öfen und Biogasanlagen Holz einzusparen und so die Entwaldung und Bodenerosion aufzuhalten“, sagt Henke. Als ein Pflaster für das schlechte Gewissen funktioniert die Spende aber nicht. Henke hat die Erfahrung gemacht, dass vor allem die Menschen spenden, die sich ohnehin schon mit dem Thema Klimaschutz auseinandersetzen. „Wir müssen mit unserer Arbeit aber gerade die erreichen, die sich noch keine Gedanken darüber machen.“

Aber wie sieht ein klimafreundlicher Urlaub aus? Henke, die selbst seit Jahren ihre Ferien an der Nordsee verbringt, empfiehlt Urlaub in Deutschland oder in den europäischen Nachbarländern: „Es gibt viele schöne Ziele, die man mit der Bahn erreichen kann“.

Kerstin Ostendorf