30.10.2018

Eine CO2-Steuer für Klimasünder

Klimasünden müssen teuer werden

Um die Erderhitzung endlich zu bremsen, muss die Menschheit umdenken. Sagt der Weltklimarat. Aber viele denken nicht um. Wie lässt sich das ändern? Klima-Ökonom Ottmar Edenhofer glaubt: durch eine CO2-Steuer. Sie würde den Menschen zeigen, welche Auswirkungen ihr Konsum hat

Foto: imago
Qualmendes Problem: Kohlekraftwerke tragen massiv zur Erderhitzung und damit zum Klimawandel bei. Foto: imago


Gibt’s ein Problem? Offenbar nicht. Viele Menschen jedenfalls machen so weiter wie immer: fliegen mehrmals im Jahr in den Urlaub, essen fast jeden Tag Fleisch, fahren bei Sonnenschein mit dem Auto zum Brötchenholen. Der Weltklimarat hat in seinem jüngsten Bericht eindringlich wie nie gewarnt, dass wir unser Leben und unsere Welt radikal ändern müssen – weil die Erderhitzung sonst katastrophale Konsequenzen hat. Für uns. Und erst recht für unsere Nachkommen. Warum also tun so viele Staaten, so viele Unternehmen, so viele Bürger nichts?


Ottmar Edenhofer glaubt, den meisten Menschen sei bewusst, „dass da mit dem Klimawandel gerade ein riesiges Problem auf uns zukommt“. Sie müssten aber von der Politik besser geführt werden – und Anreize bekommen, ihren Lebensstil zu ändern. Ziel der Politik müsse es sein, dass es für jeden Einzelnen „einfacher ist, nachhaltig zu leben als nicht nachhaltig“, sagt Edenhofer, der Chefökonom des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung. Wie das gehen soll? Edenhofer glaubt: durch die Einführung einer CO2-Steuer; durch eine Steuer also auf jenes Gas, das maßgeblich für die Erderhitzung verantwortlich ist.


Diese Steuer würde sich auf den Preis jedes Produkts auswirken, vom Heizöl über die Flugreise bis zum Apfel im Supermarkt. Sie würde jedem Menschen zeigen, welche Auswirkungen sein Konsum auf den Klimawandel hat. Ein CO2-intensives Produkt wäre teurer, ein CO2-armes Produkt günstiger. „Eine CO2-Bepreisung würde den Verbrauchern erleichtern, informierte Entscheidungen zu treffen“, sagt Edenhofer. Heute fällt das schwer. Im Supermarkt können die Menschen kaum erkennen, wie CO2-intensiv ein Produkt ist. 


Teurer, glaubt der Klimaökonom Edenhofer, müsse das Leben durch die neue Steuer nicht werden. Der Staat könne die Einnahmen schließlich an die Menschen zurückgeben – indem er in Infrastruktur investiert, die allen nützt, oder jedem Haushalt direkt etwas zahlt. Profitieren würden unterm Strich die, die CO2-arm leben. Aber wenn sie so sinnvoll ist, warum gibt es die Steuer dann nicht schon? „Weil sich die Politiker hinter den Wählern verstecken, die eine CO2-Bepreisung angeblich nicht akzeptieren“, sagt Edenhofer. Untersuchungen zeigten aber, dass die Wähler sie sehr wohl unterstützen würden – wenn sie ihren Sinn verstehen. In der kanadischen Provinz British Columbia funktioniert die Steuer längst. Die Menschen dort heizen jetzt sparsamer, fahren effizienter, leben nachhaltiger.


„Wir stehen vor einer gigantischen Herausforderung“

Sie müssen halt den Eindruck bekommen, dass ihre Verhaltensänderung etwas bewirkt. Dass sie Teil einer weltweiten Anstrengung ist. Denn natürlich müssen nicht nur die Menschen umdenken, sondern auch Staaten und Unternehmen. Kohle, Öl und Gas dürfen nicht ihre Energieträger von übermorgen sein. 
„Wir stehen vor einer gigantischen internationalen Herausforderung“, sagt Edenhofer. „Wir sind jetzt in einer ganz entscheidenden Phase, in der wir handeln müssen.“ Auch wenn es noch keine CO2-Steuer gibt, kann jeder was tun. Er kann Klimaschützer sein. Und Vorbild für andere.

Andreas Lesch