03.06.2019

Anfrage

Wie heißt der Name richtig: Mose oder Moses?

Seit meiner Kindheit und Messdienerzeit kenne ich nur den Namen „Moses“. Heute wird er meist „Mose“ genannt. Wer hat wann diesen Namen geändert? A. W., Frankfurt

Mose, Moses, Mosche, Moische, Musa oder Moises – all dies sind Formen ein und desselben Namens. Ihre Unterschiedlichkeit ergibt sich vor allem daraus, dass der Name durch Übersetzungen in verschiedenen Sprachen gewandert ist und sich diesen und ihren Lautmöglichkeiten angepasst hat. 

Der Name Mose erscheint im Alten Testament zum ersten Mal so: „Als der Knabe größer geworden war, brachte sie ihn der Tochter des Pharao. Diese nahm ihn als Sohn an, nannte ihn Mose und sagte: Ich habe ihn aus dem Wasser gezogen.“ (Exodus 2,10) 

Im Hebräischen steht dort Moschäh, was man von dem Verb maschah (= herausziehen) herleiten kann. Problematisch ist allerdings, dass es sich hier um eine Verbform im Aktiv handelt. Mose wäre also nicht der, der herausgezogen wurde, sondern der Namensbedeutung nach eigentlich der, der herauszieht. Zudem muss man sich fragen, warum die Pharaonentochter einen Namen mit hebräischer Bedeutung wählte. 

Wahrscheinlicher ist deshalb, dass der Name ursprünglich nicht im Hebräischen, sondern im Ägyptischen eine Bedeutung hatte. Und tatsächlich findet sich das ägyptische Verb msj (= gebären; im Ägyptischen werden keine Vokale geschrieben), das in so berühmten Namen wie Ramses (= der von Re – dem Sonnengott – Geborene) oder Tutmosis (= der von Thot – dem Mondgott – Geborene) vorkommt. 

Als nun der hebräisch geschriebene Name Moschäh ins Altgriechische übertragen wurde, verwandelte er sich in einen Moüses, in der lateinischen Übersetzung der Vulgata anschließend in einen Moyses. Und damit ist das „s“ am Ende im Spiel. Die deutschen Übersetzungen formten daraus zunächst Moses oder Mosis und ahmten so die altgriechische Form nach, wie dies auch bei den Propheten Isaias (Jesaja) oder Ieremias (Jeremia) geschah. 

Heute dagegen lehnt man sich wieder am hebräischen Urtext an und hat somit das „s“ am Ende fallen gelassen. Daher findet man in den meisten deutschen Übersetzungen die Form Mose.

Christoph Buysch