14.01.2019

Anfrage

Warum wollte Gott den Mose töten?

In Exodus 4,24 heißt es: „Unterwegs am Rastplatz trat der Herr dem Mose entgegen und wollte ihn töten.“ Wie ist diese Stelle zu erklären? R. S., Stadtroda

Es gibt Abschnitte in der Bibel, die sperren sich dagegen, verstanden zu werden. So wie diese Stelle, in der Gott offensichtlich Mose töten will, obwohl er ihn gerade erst beauftragt hat, nach Ägypten zurückzukehren, um sein Volk von dort herauszuführen. 

Ähnlich rätselhaft ist die Rettungstat von Moses Frau Zippora, die an ihrem Sohn die Beschneidung durchführt und mit der abgeschnittenen Vorhaut die Beine ihres Mannes berührt und ihn Blutbräutigam nennt. Merkwürdig.
Viele Theologen haben versucht, diese Stelle zu deuten. So meint der Bischof und Kirchenhistoriker Theodoret von Kyrrhos im 5. Jh. n. Chr., dass Gott Mose in so große Furcht versetzen wollte, dass er danach keine Furcht mehr vor dem Pharao haben würde. 

Heutige Erklärungsansätze schauen eher auf drei andere Aspekte: Der erste ist das Thema „Gefährdung und Rettung“, wie es schon in Exodus 2 vorkommt, als Moses Leben als Kind gefährdet ist, er aber durch die Aufnahme in das Volk der Ägypter durch die Pharaonentochter gerettet wird. Ähnlich wird Mose hier durch die Beschneidung seines Sohnes und die dadurch vollzogene Aufnahme in das Volk Israel gerettet. 

Die Einführung der Beschneidung ist der zweite Aspekt, da an einer frühen Stelle das Ritual als Bundeszeichen zwischen Gott und dem Volk Israel in der Lebensgeschichte des Mose begründet wird und Mose durch das Blut der Beschneidung seines Sohnes verschont wird. Ähnliches bewirkt später das Blut der Lämmer für das ganze Volk Israel während der letzten Plage gegen Ägypten.

Der dritte Aspekt, der den Text verständlicher machen könnte, ist die in der Bibel immer wieder vorkommende Erfahrung, dass Gott nicht nur das Gute schenkt, sondern auch dunkle, zerstörerische Seiten hat. Wie das Leiden Ijobs nicht wirklich erklärt werden kann, kann auch die Bedrohung des Mose mit dem Tode nicht wirklich zufriedenstellend mit einem nur barmherzigen Gottesbild erklärt werden – zumindest nicht aus dieser kurzen Textstelle heraus. So kann der Sinn dieser Textstelle auch sein, Gott als grundsätzlich unbegreifbar darzustellen.

Christoph Buysch