18.04.2018

Ausweg aus der Angst

Angst? Nicht unterkriegen lassen!

Jeder hat seine Ängste. Kleine und große. Wir Christen sind mit unseren Ängsten nicht allein. Wir haben Gott an unserer Seite. Er löst die Ängste nicht auf. Aber er kann uns helfen, mit ihnen umzugehen. Und manchmal zeigt er uns einen Ausweg, mit dem wir nicht gerechnet haben.

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Was da wohl wieder alles auf mich zukommt! Es gibt viele Dinge, die Menschen Angst machen können. Foto: Jeannine Jirak / photocase.de


Natürlich habe er Ängste, sagt Thomas Dienberg. Immer wieder mal. Er hat kleine Alltagsängste – etwa, dass ihm ein Seminar misslingt, in seinem Job als Professor an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Münster. Und er hat große, existenzielle Ängste: vor Krankheiten, Unfällen, Tod. Manchmal betet er, wenn die Ängste ihn sehr bedrängen. Er hat erfahren, dass ihm das hilft. Manchmal hilft Gott ihm dabei zu erkennen, dass seine Ängste unbegründet sind. Manchmal sagt Dienberg sich aber auch einfach nur: „Komm, pack den Gedanken weg! Hilft nichts! Ist müßig, sich damit jetzt weiter zu beschäftigen.“

Wir haben alle unsere Ängste. Zu den größten Ängsten der Deutschen 2017, so sagt eine Studie, zählten die Angst vor Terrorismus und politischem Extremismus, die Angst vor Spannungen durch den Zuzug von Ausländern, vor Schadstoffen in Nahrungsmitteln und davor, im Alter zum Pflegefall zu werden.

Der Theologe Dienberg hat sich intensiv mit der Frage beschäftigt, wie wir als Christen mit unseren Ängsten leben können. Wie uns der Glaube hilft, mit ihnen umzugehen. Dienberg betont erst mal: „Als Christ darf man Angst haben.“ Klar, Jesus hat gesagt „Fürchtet euch nicht!“ Aber das heißt nicht, dass wir keine Angst haben dürfen. Sondern dass wir uns von der Angst nicht unterkriegen lassen sollen. Wie das geht? Dienberg sagt: Indem wir unerschrocken sind. Das ist für ihn ein wichtiges Wort. Unerschrocken, das bedeutet: Ich nehme meine Angst wahr, ich schaue sie an, ganz nüchtern, und dann hole ich Gott mit ins Spiel. Dadurch weiß ich: Ich muss nicht alles selbst hinkriegen und lösen. Da ist jemand, der mitgeht und der mir hilft. Er sorgt dafür, dass meine Ängste mich nicht lähmen und überwältigen.

Wie diese Unerschrockenheit konkret funktionieren kann? Dienberg sagt, da sei Jesus sein Vorbild. Auch Jesus hat mal Angst gehabt – und wie! Er hat vor seiner Kreuzigung zu Gott gebetet. Er hat ihn angefleht: „Lass diesen Kelch an mir vorübergehen!“ Aber er hat es nicht dabei belassen. Er hat auf Gott vertraut und sein Schicksal in Gottes Hände gelegt. Dienberg sagt: „Er hat sich trotz seiner Angst der Situation gestellt. Er hat gesagt: Ich habe eine Berufung, der versuche ich treu zu bleiben.“


„Ängste können durchaus ein Motor sein“

Existenzielle Ängste wie die vor dem Tod fordern auch uns heraus. Sie fragen: Glaubst du an Gott? Ist dein Vertrauen wirklich so stark? „Ängste werfen mich zurück auf das, was mein Leben eigentlich ausmacht“, sagt Dienberg. Sie zeigen uns, was wirklich wichtig ist. Und worauf wir mehr Wert legen sollten: Zeit für liebe Menschen, Zeit für Gott, Zeit für uns. Der Theologe Dienberg glaubt: „Ängste können durchaus ein Motor sein: Holla, da musst du was tun!“

Manchmal sind wir, wenn wir Angst haben, aber auch einfach hilflos. Wissen nicht weiter. Sehen nicht, wie alles besser werden soll. Aber auch da kann der Glaube helfen. Dienberg sagt: „Wenn wir daran glauben, dass für Gott nichts unmöglich ist, dann sollten wir daran glauben, dass es auch in solchen Situationen einen Weg gibt.“ Wenn es auch vielleicht ein ganz anderer Weg ist als der, den ich mir wünsche.

Von Andreas Lesch