28.04.2021

Am Ende hat sich alles gefügt

Die Via Romea folgt der historisch belegten Strecke, die Abt Albert von Stade im 13. Jahrhundert nach Rom genommen hat. Im vergangenen Herbst hat sie der Europarat als Europäische Kulturroute anerkannt.  Am Ziel seiner Recherche und langjähriger Überzeugungsarbeit ist damit auch Wegbereiter Uwe Schott.

Christliche Pilger auf dem Weg nach Rom
Mit dem Pilgerstab auf dem Weg nach Rom. Die Via Romea, jetzt auch Europäische Kulturrute, folgte dem Weg von Abt Albert von Stade. Foto: Förderverein Romweg

Viele Zufälle, eine rätselhafte Entdeckung und eine Bekanntschaft mit Folgen – das alles hat letztlich dazu geführt, dass Pilger heute den Spuren des Abtes quer durch Deutschland, Österreich und Italien folgen können. „Hätte meine Tochter nicht vor 20 Jahren einen Italiener geheiratet, wäre sie nicht in die Abruzzen gezogen, hätte ich mir dort nie ein kleines Ferienhaus gekauft, wäre dann auch nicht in den Weinbergen der Umgebung zur Erkundung unterwegs gewesen …“, erzählt Uwe Schott, inzwischen pensionierter Pastor, der in der Nähe von Heidelberg lebt. 

Weil sich aber alles irgendwie fügt, entdeckt er damals einen merkwürdigen Stein im Gestrüpp. Was es damit auf sich hat, kann ihm ein Spaziergänger erläutern: Es handele sich um ein altes Wegzeichen, sagt der Herr mit dem grauen Bart, der sich im Laufe des Gesprächs überaus fachkundig gibt. Kein Wunder, Giovanni Caselli ist Experte für historische Straßen und forscht auch über alte Pilgerwege. Genau hier, berichtet er, habe eine dieser Routen entlanggeführt, aus dem Norden Deutschlands bis hinunter nach Rom. Die Via Romea, so der alte Name, sei im Laufe der Jahrhunderte in Vergessenheit geraten, jetzt wolle er ihn wieder ins Bewusstsein holen und suche Mitstreiter für seine Idee. 

„Ich war gleich Feuer und Flamme für den Plan“, erinnert sich Schott. Und bald ging ihm auch der Gedanke durch den Kopf: „Das wäre doch was für meinen anstehenden Ruhestand.“ Eine echte Herausforderung, wie er bald merkte: Etappe für Etappe rekonstruierte er den genauen Verlauf des Weges, den Abt Albert vor über 700 Jahren genommen hatte, forschte in Archiven, gründete einen Förderverein, schrieb die Bürgermeister entlang der Route an und warb um Unterstützung. Das Ziel, das er gemeinsam mit Giovanni Caselli verfolgte, war klar – die Anerkennung der Via Romea als Kulturroute durch den Europarat. Der würdigt damit seit Mitte der 80er-Jahre  Wege, die auf besondere Weise Menschen und Kulturen in Europa verbinden. Der Jakobsweg machte 1987 den Anfang, es folgten – unter anderem – die Route des jüdischen Erbes, die Via Habsburg oder die Straße des Eisernen Vorhangs. Rund 40 Projekte sind mittlerweile anerkannt und zertifiziert. 

Seit 2011 lief das Anerkennungsverfahren

Bis es für die Via Romea soweit war, mussten Schott und seine Mitstreiter dicke Bretter bohren: „2011 haben wir in Luxemburg das Projekt vorgestellt und ungezählte Formulare ausgefüllt. Immer wieder stand unser Projekt auf der Kippe – und ausgerechnet unsere Partner in Italien fragten, warum es bei uns Deutschen so zäh läuft…“

Ganz unbekannt war der Weg nach Rom unter Pilgern in den vergangenen Jahren nicht, immer wieder konnte Uwe Schott einige bei seinen Aufenthalten in Italien begrüßen: „Unser Ferienhäuschen liegt unmittelbar an der Via Romea und viele machen eine Pause an unserer Quelle. Erst kürzlich kam eine über 80-jährige Kanadierin vorbei und wir haben uns lange unterhalten.“

Gespräche von Mensch zu Mensch, Gemeinschaft erleben, unterwegs Gottes Natur erleben, den Spuren vieler Pilger vergangener Jahrhunderte ins Zentrum der katholischen Christenheit folgen – all das macht für Uwe Schott den Reiz der Via Romea aus. Viele Abschnitte ist er bereits selbst zu Fuß gegangen: von Stade bis in den östlichen Harz, weite Teile im Fränkischen, in Süddeutschland und natürlich in Italien. „Der große Vorteil dieses Pilgerweges ist, dass er inzwischen eine recht gute Infrastruktur hat. Aber noch sind die kleinen Abenteuer und großen Entdeckungen möglich. Das wollen wir bewahren. Und ich hoffe, dass uns diese Balance gelingt.“

Text: Stefan Branahl