16.02.2022

Anreiz für den geistlichen Weg

Am 19. Februar findet in den Hauptkirchen St. Jacobi und St. Petri die 14. Pilger-Messe unter Corona-Einschränkungen statt. Die Veranstaltung ist in den vergangenen Jahren immer beliebter geworden – wie auch das Pilgern selbst.

Pilgerin mit Rucksack auf einem Waldweg im Sommer
Pilger müssen gut für den Weg gerüstet sein. Wanderschuhe und entsprechende Strümpfe, der richtige Rucksack und viele andere Dinge wie etwa ein Taschenmesser sollten mitgenommen werden. Auf der Pilger-Messe können auch dazu wichtige Informationen gefunden werden. Foto: Marco Heinen

Sie findet statt, und zwar unter 2G-plus-Bedingungen. Das ist vielleicht die beste Nachricht, die es derzeit über die mittlerweile schon traditionelle Pilger-Messe in Hamburg gibt. Denn im vergangenen Jahr musste ihre 13. Ausgabe aufgrund der Coronapandemie abgesagt werden. Am Samstag, 19. Februar nun öffnen dafür gleich zwei evangelische Hauptkirchen ihre Pforten für die Stände. Von 12 bis 16 Uhr präsentieren sich 35 Anbieter in St. Jacobi, wo auch das Pilgerzentrum ist, sowie unweit in St. Petri. Die schlechte Nachricht: Das ist mehr als ein Drittel weniger als im Jahr 2020, in dem noch 56 Stände gezählt wurden.

Geschuldet ist die Ausweitung auf St. Petri trotz geringerer Frequentierung ebenfalls der Pandemie. Denn so könnten die Abstandsregeln besser eingehalten werden, wie der Pilgerpastor der Nordkirche, Bernd Lohse, der Neuen KirchenZeitung sagte. Er erwartet diesmal auch nur rund 400 Besucher – 2020 waren es noch zehnmal so viele, nämlich 4 000. 

Die pandemiebedingten Einschränkungen dürften aber nichts daran ändern, dass die Messe und damit auch Hamburg „ein zentraler Ort für Pilger“ geworden seien, „wo man dabei sein muss“, wie Lohse weiter ausführt. Anfangs sei die Messe nur norddeutsch geprägt gewesen, mittlerweile sei sie nicht nur von bundesweiter Bedeutung, sondern ziehe auch Aussteller aus Dänemark, Norwegen, Schweden, Österreich und der Schweiz an. Insbesondere betont der Pilgerpastor den ökumenischen Charakter der Veranstaltung. „Uns ist die Offenheit sehr wichtig. Pilger müssen nicht Mitglied einer Kirche sein.“

„Pilger begeben sich auf einen geistlichen Weg“

Mit dabei ist unter anderem das Pilger-Kloster Tempzin. Es liegt auf dem Pilgerweg der heiligen Birgitta von Schweden, der von Güstrow nach Schwerin führt. Wie schon zuvor ihre Eltern, Großeltern und Urgroßeltern pilgerte Birgitta 1341 gemeinsam mit ihrem Ehemann Ulf von Schweden aus nach Santiago de Compostela. Aus Skandinavien kommend, hatte sie nach Stralsund übergesetzt.

„Wir sind von Anfang an ökumenisch geprägt, die Konfession spielt keine Rolle“, sagt Helmut Röhrbein-Viehoff, der dem Träger­verein des Klosters vorsitzt. Gleichwohl hebt er hervor: „Pilgern ist nicht gleich Wandern. Pilger begeben sich auf einen geistlichen Weg.“ In seinem Verständnis gehöre die geistliche Dimension dazu: „Pilgern ist Beten mit den Füßen.“ Viele Menschen sehnten sich danach, was auch die steigende Beliebtheit des Pilgerns in den vergangenen Jahren erkläre. Gleichwohl ist er mit Pas­tor Lohse einer Meinung, dass man das Pilgern „nicht dogmatisch betrachten“ sollte. 

„Das, was Menschen beim Pilgern erleben, kann Anknüpfungspunkt für Religiösität sein und damit auch für das Christentum. Pilgern öffnet für Religion“, sagt Lohse. Es gehöre zudem zum Wesen des Christentums. „Jesus und seine Jünger waren unterwegs rund ums Mittelmeer.“ Überdies gehöre Pilgern elementar zum Menschen, der unterwegs die Spiritualität entdecke. „Menschen sind derzeit wieder stärker auf der Suche nach Spiritualität.“ Pilgern führe zu „vertieftem Nachdenken und verschärfter Wahrnehmung“.

Text: Matthias Schatz