09.10.2019

Auf dem Weg zum Brocken

Am Tag der Einheit wurden in Lübeck-Schlutup die Pilger gesegnet, die zu einer Gebetswanderung entlang der innerdeutschen Grenze aufbrachen.

Pilger auf dem Weg zum Brocken
Gemeinsam unterwegs: die Pilger auf den ersten Metern ihres langen Weges. Foto: Leon Sippel

In einem ökumenischen Gottesdienst in der Fischerkirche St. Andreas im Lübecker Stadtteil Schlutup sind am Tag der Deutschen Einheit fast 40 Pilger gesegnet worden. Sie brachen tags drauf, am 4. Oktober, zu einer Gebetswanderung entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze auf. „Wir haben uns nicht wenig vorgenommen“, sagte Michael Prinz zu Salm-Salm vom Beirat der Projektgruppe, selbst einer der Pilger. 

Unter dem Motto „3. Oktober. Gott sei Dank – Wunder der Freiheit und Einheit“ wandern die Pilger zum Brocken im Harz, wo sie am 8. November auf eine Gruppe treffen, die sich zeitgleich von Hof aus auf den Weg gemacht hat (wir berichteten in Nr. 39, Seite 1). 15 bis 25 Kilometer lang sind die Tagesetappen, übernachtet wird in Kirchengemeinden. Am 9. November – dem 30. Jahrestag der Grenzöffnung – wollen die Pilger in Wernigerode einen gemeinsamen Abschlussgottesdienst feiern. An der Projektgruppe sind fast ein Dutzend christliche Gemeinschaften beteiligt, darunter auch die Fokolar Bewegung und die Schönstatt-Bewegung. 

„Ziel der Pilgerwanderung ist es, für die auseinanderbrechende Gesellschaft in beiden Teilen Deutschlands zu beten und entlang des alten Todesstreifens, der Narbe in der deutschen Geschichte, für Heilung in den Beziehungen und für eine gelingende gemeinsame Zukunft zu beten“, heißt es im Pilgerheft.

Der katholische Diakon Wolfgang Lenz sprach im Gottesdienst in Schlutup von „einem tollen Zeichen der Ökumene und der Verbundenheit“. Pastor Kai Schäfer sagte, es sei Aufgabe der Kirchen, kommenden Generationen das Gefühl zu vermitteln, „was es bedeutet, frei zu sein und Freiheit auch zu erhalten“. Weiter sagte er: „Als Kirchen, als ökumenische Geschwister, da erfreuen wir uns offen dieser Freiheit. Wir können zusammen Gottesdienste feiern, so wie wir wollen. Es kann sie uns niemand vorschreiben, denn wir sind frei in unserem Glauben und in unserem Tun“, so Schäfer.

An Weihnachten Kerzen in die Fenster gestellt

Emotional sichtlich berührt zeigte sich Michael Prinz zu Salm-Salm, als er von den Jahren vor der Wende erzählte: „Im Haus der Schwiegereltern wurden an Weihnachten Kerzen aufgestellt, in die Fenster, für die im Osten, hinter der Mauer.“ 1989 dann hätten die Menschen die Kerzen aus den Kirchen heraus auf die Straßen getragen und dazu beigetragen, die Mauer und das DDR-Regime zu überwinden. 

Bereits am Vorabend des Tags der Einheit war eine Abordnung der Pilger in Kiel mit Kanzlerin Angela Merkel und Ministerpräsident Daniel Günther zusammengetroffen. 

Am 9. November wird übrigens an der Grenz-Dokumentationsstätte in Schlutup um 10.30 Uhr ein Gottesdienst unter freiem Himmel gefeiert, zu dem neben den beiden evangelischen Bischöfen Gothart Magaard (Sprengel Schleswig und Holstein) und Tilman Jeremias (Sprengel Meck­lenburg und Pommern) auch Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther und Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig erwartet werden. Erzbischof Stefan Heße und die evangelische Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt werden dann am späten Nachmittag einen ökumenischen Gottesdienst im Dom zu Ratzeburg zelebrieren.

Text: Marco Heinen