04.09.2019

Barrieren überwinden

Zwei Wochen lang sind Menschen mit und ohne Behinderung von Hamburg nach Westfalen unterwegs. Sie werben für Inklusion und sammeln Geld für den Umbau einer „Arche“, eines Gemeinschaftshauses in Tecklenburg.

Wanderer mit und ohne Behinderung, von Hunden begleitet, auf ihrem Weg durch Hamburg

Die Wanderer mit und ohne Behinderung, von Hunden begleitet, auf ihrem Weg durch Hamburg. Die Gruppe führt der ehrenamtliche Kartenleser Andreas Lubahn. Am 14. September wollen die Aktiven in Tecklenburg/Münsterland sein. Foto: Karin Istel

Sie waren schon von Weitem an ihren neongrünen T-Shirts zu erkennen: 15 Frauen und Männer hatten am 31. August ihre Wanderung von der „Arche“ in Hamburg-Volksdorf zur Schwes­terneinrichtung in Tecklenburg im nördlichen Westfalen begonnen. Auf ihrem 300 Kilometer langen Weg quer durch Norddeutschland werben die Aktiven unter dem Motto „Gemeinsam Barrieren überwinden“ nicht nur für Inklusion. Die Wanderung ist ein Spendenlauf: Für die Umbaumaßnahme der „Arche“ in Tecklenburg wird Geld gesammelt. Die Schirmherrschaft haben Bundesministerin Anja Karliczek und der Bischof von Münster, Felix Genn, übernommen.

Wolken und ein Regenschauer konnten die Wanderer nicht abschrecken. Von Volksdorf ging es am 1. September abseits der befahrenen Straßen zum Kleinen Michel in der Hamburger Neustadt. „Wir haben uns vierzehn Tage für die gesamte Strecke Zeit genommen“, sagte Jan-Thilo Klimisch, Spendensammler bei der „Arche“. „Fünfzehn Kilometer haben wir schon“ freute sich Andreas Lubahn, ehrenamtlicher Kartenleser und „Pfad-Finder“ der Gruppe.

Auch Rollstuhlfahrer machen sich auf den Weg

Nach Hamburg lagen 13 weitere Etappen vor den Wanderern – durch die Vierlande, die Lüneburger Heide und entlang von Aller und Weser. „Nicht jeder der 150 Teilnehmer wird die gesamte Strecke mitlaufen“, sagte Klimisch. „So werden beispielsweise drei Frauen aus Tirol zu uns stoßen, die die zweite Woche mitlaufen. Ab dem zweiten Wochenende haben wir auch Rollstuhlfahrer dabei.“ Sind die Kräfte erschöpft, kann das Begleitfahrzeug genutzt werden.

Die gesamte Tour mit dabei ist „Arche“-Bewohnerin Lisa Keil. „Ich habe ja auch schon lange dafür bei Tecklenburg trainiert“, sagte die junge Frau mit Trisomie 21, die in der Wohngemeinschaft lebt. Die Gruppe setzt sich dafür ein, Begegnungen von Menschen mit und ohne Behinderungen zu fördern und so Barrieren zu überwinden. „Barrieren auf unserem Weg, in den Köpfen und zwischen Menschen, die einem selbstverständlichen Miteinander in unserer Gesellschaft entgegenstehen“, betonte Claus Michel von der Leitung der „Arche“ Deutschland und Österreich.

Die „Arche“ ist ein weltweites Netzwerk von Gemeinschaften, in denen Menschen mit einer geis­tigen Behinderung und nichtbehinderte Menschen ihr Leben teilen. Heute umfasst das Netzwerk rund 150 Gemeinschaften in 38 Ländern, zu denen etwa 10 000 Menschen gehören. Im katholischen Milieu entstanden, ist die „Arche“ heute überkonfessionell und zum Teil interreligiös.

Unabhängig, wie lange man die Tour mitgeht: Jeder Teilnehmende wird von Förderern mit einer zuvor festgelegten Summe gesponsert. Das Geld fließt in den barrierefreien Ausbau des „Arche“-Hauses in Tecklenburg. „70 000 Euro wollen wir im Rahmen unserer Aktion erwandern“, so Klimisch. Die Umbauarbeiten, zu denen auch der Einbau eines Aufzuges gehört, kosten 220 000 Euro, die aus Eigenmitteln aufgebracht werden müssen.

Entlang des Weges gibt es mehrere Begleitveranstaltungen. So sind unter anderem Begegnungen in Kirchengemeinden, mit Jugendgruppen und Naturfreunden geplant. Im Kleinen Michel konnte die Gruppe über die „Arche“ und ihre Wandererfahrungen während der Manresa-Messe berichten. 

Text u. Foto: Karin Istel