30.01.2019

Begegnung auf Augenhöhe

Wie soll ein geschwisterliches Miteinander der fremdsprachigen Missionen und der deutschsprachigen Ortsgemeinden in den Pastoralen Räumen zukünftig funktionieren? Um diese Frage ging es bei einem diözesanen Sondierungstag.

Diskussionstreffen der fremdsprachigen Missionen des Erzbistums in Hamburg
Auftakt zu Gespräch und Diskussion zum zukünftigen Miteinander von fremdsprachigen Missionen und heimischen Ortsgemeinden beim ersten diözesanen Sondierungstag.  Foto: Matthias Greve

In den fremdsprachigen Missionen versammeln sich seit vielen Jahren Katholiken aus anderen Ländern, um in ihrer Sprache Gottesdienst zu feiern. Meistens leben sie hier auch die Traditionen und Kulturen ihrer Heimat. Dazu sind häufig Geistliche für die Seelsorge und liturgische Begleitung aus den Heimatländern oder Sprachgebieten entsandt.

Ausgeprägte Vielfalt

Die Vielfalt ist sehr ausgeprägt. So zählt die Polnische Katholische Mission in Hamburg mehrere zehntausend Mitglieder, die Mission der tamilischen Katholiken rund 30 Gläubige. Einige Missionen sind für Katholiken aus einzelnen Ländern zuständig, Kroaten, Koreaner oder Polen sind dafür Beispiele. Andere, etwa die Mission der spanisch-sprechenden Katholiken, bieten einen Anlaufpunkt für Katholiken aus rund 20 Ländern. Die meisten Missionen, sie sind kirchenrechtlich sogenannte Personalgemeinden im Gegensatz zu den Ortsgemeinden des Erzbistums, sind bei Kirchen der Ortsgemeinden angesiedelt. Einige nutzen aber auch eigene angemietete Räumlichkeiten, etwa in Bürogebäuden.

„Kirche in Beziehung, das gilt für unsere Gemeinden, die Orte kirchlichen Lebens. Und das gilt auch dafür, dass wir hier in Hamburg eine besondere Situation haben. Nämlich dass zu unserem Erzbistum ganz viele fremdsprachige Katholiken dazugehören. Die sind nicht unsere Gäste und erst recht keine Fremden, sondern sie sind unsere Schwestern und Brüder und sie gehören zu dem einen großen Leib der Kirche von Hamburg dazu“, betont Erzbischof Stefan Heße beim diösesanen Sondierungstag mit etwa 130 Teilnehmern. Neben allen Diskussionen über Strukturen gelte es zuerst, gemeinsam „Kirche zu leben“. So sieht es auch Giorgio de Pol, Vertreter der italienischen Mission: „Wir sollen zuallererst Kirche leben, dabei Jesus Christus in die Mitte stellen und uns nicht zuvor in Diskussionen über Strukturen verlieren.“

Eine bessere Vernetzung und Begegnung auf Augenhöhe erhofft sich auch Pfarrer Nikolaus Meran Koban. Der Indonesier ist Ordensgeistlicher der Steyler Missionare, leitet die Ortsgemeinde in Hamburg-Neugraben und betreut eine fremdsprachige Studentengemeinde. Koban vermisst bisher eine klare Kommunikationsstruktur bei den komplexen Fragestellungen der Zusammenarbeit und sieht die Notwendigkeit, die Geistlichen der fremdsprachigen Missionen noch stärker in die deutsche Kultur und Seelsorge einzubeziehen. Unklarheiten bei Raumnutzungen, Personal und Finanzen würden immer wieder Anlass zu Konflikten geben. Auch ein Zusammenwirken der fremdsprachigen Missionen – die zukünftig offenbar mit dem Oberbegriff „Katholische Gemeinden anderer Muttersprache“ bezeichnet werden sollen – sei nicht immer einfach. „Viele bleiben sehr unter sich und leben ihre eigenen Traditionen“, so eine Teilnehmerin der spanisch-sprechenden Mission. Zudem habe das Thema Missbrauch auch viele fremdsprachige Gläubige erschüttert und verängstigt.

Der Sondierungstag in Hamburg war ein guter Anfang, so die einhellige Meinung der Teilnehmer, das Gespräch müsse weitergehen. Dennoch gibt es eine große Skepsis, wie ein geschwis­terliches Miteinander ganz praktisch zukünftig gelingen kann. Die erstmals vorgestellte Idee, die fremdsprachigen Missionen als eigene Gemeinden mit eigenen Gemeindeteams an den Gemeindestandorten der Pastoralen Räume zuzuordnen, fand keine ungeteilte Zustimmung.

Pfarrer Krause sieht „viele gute erste Schritte“

Pfarrer Ulrich Krause aus Hamburg-Niendorf erlebte eine sehr lebendige Veranstaltung und „viele gute erste Schritte“. Ob die Idee des neuen Gemeindemodells für die Missionen funktionieren kann, sieht er skeptisch. „Das bringt uns eher auseinander“, befürchtet er, besonders wenn an einem Kirchenstandort mehrere fremdsprachige Gemeinden angesiedelt sind.

„Trotz aller Konflikte muss unser großes Ziel sein, gemeinsam Kirche zu werden und zu sein“, betont Dr. Michael Becker, Referent für die fremdsprachigen Missionen. Er hat gemeinsam mit Julia Most, Projektleiterin des diö­zesanen Entwicklungsprozesses Pastorale Räume, den Tag in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft (AG) Missionen vorbereitet. 

Text u. Foto: Matthias Greve