06.02.2019

Besser offen als einsam

„Jeder Topf findet seinen Deckel“ – ein Satz, der für Alleinstehende quälend sein kann. Eheberaterin Susanne von Gönner kennt Menschen, die unter Einsamkeit leiden. Aber auch ohne Partner sind Begegnung und Beziehung möglich. 

Susanne von Gönner von der katholischen Ehe-, Familien- und Lebensberatung
Susanne von Gönner leitet die katholische Ehe- Familien- und Lebensberatung in Hamburg-Harburg  Foto: Katja Schmid

Internetplattformen versprechen sekündliche Verliebtheit und zum Valentinstag boomt das Geschäft der Floristen und Einzelhändler – Blumen und Herzen sind ein Muss. Doch was, wenn man gar niemanden hat, den man beschenken kann und sich an diesen Tagen nur Einsamkeit breitmacht? Susanne von Gönner, Leiterin der Beratungsstelle für Ehe-, Familie- und Lebensberatung in Hamburg-Harburg, findet: das muss nicht sein. Den alltäglichen Begegnungen eine Chance geben – schon kann die Welt anders aussehen. 

Was raten Sie den Menschen, die sich ohne Partner an Festtagen oder Ereignissen wie dem Valentinstag allein fühlen?

Wenn man mit einem offenen Blick durch die Welt gehen kann, dann sind viele gute Begegnungen möglich, die das Leben heller machen. Für einige Menschen wird der Leidensdruck hoch, wenn eine Partnerschaft zu Ende ist – aber das Gegenmittel heißt offen sein. Die Hälfte unserer Beratungen hier in der Stelle sind Prozesse mit Menschen, die allein zu uns kommen, auch weil sie unter Einsamkeit leiden. Wir überlegen dann wie es gelingen kann, den ersten Schritt zu machen und nicht darauf zu warten, dass sich etwas ändert. 

Suchen Menschen nach Partnern mit dem gleichen Glauben?

Ja, ich denke schon, dass das eine Rolle spielen kann. Wenn der Glauben im eigenen Leben wichtig ist, dann möchte ich ihn idealerweise auch mit meinem Partner teilen oder möchte zumindest verstanden werden. Es gibt natürlich auch viele Paare, die interkonfessionell oder sogar interreligiös sind und das in einer guten Weise mit Respekt und Toleranz hinbekommen. Immerhin verbindet dann die Tatsache, dass man einen Glauben hat. 

Fühlen sich ältere Menschen ohne Partner öfter einsam als jüngere?

Ob Einsamkeit mit der Frage „Habe ich einen Partner oder nicht?“ verbunden wird, das verändert sich. Ein älterer Mensch, der nach einer langjährigen Beziehung oder Ehe den Partner verliert, stellt sich eher darauf ein allein, also ohne Partner zu leben. Auch wenn man dann nicht mehr vorrangig eine Partnerschaft sucht, braucht man dennoch andere mit denen man in Gesellschaft ist. Das ist bei jüngeren Menschen meist anders. Hier ist vor allem der Wunsch da, jemanden zu finden, mit dem man sein Leben verbringen kann.

Ihre Beratungsstelle kann natürlich keine Paare vermitteln, aber ein Termin bei Ihnen kann dennoch den richtigen Impuls für einen Neuanfang geben…

Ich erinnere mich an jemand, der mit der Bahn zu unserer Beratungsstelle kam und auf dem Weg zu uns eine Bekanntschaft mit einer Frau gemacht hat. Das hat sich daraus ergeben, dass er während der Fahrt auf sein Handy verzichtet und sich einfach umgesehen hat. Da haben sich die Blicke der beiden getroffen, sie haben sich angelächelt und sind ins Gespräch gekommen. Das Schöne an dieser Geschichte ist: das Thema, ob das nun eine Partnerschaft wird oder nicht, ist nicht das Wichtige. Es war einfach eine große Freude für diesen Mann zu merken: wenn er offen und freundlich ist, erfährt man nette Begegnungen.

Interview: Katja Schmid