15.12.2021

Weihnachtsstern aus Mexiko

"Blume der Heiligen Nacht"

Ein sattes rot. In dieser Farbe kennt man den klassischen Weihnachtsstern am ehesten. Doch mittlerweile gibt es die Pflanze in zahlreichen Formen und Farben.

Hierzulande als Zimmerpflanze besonders beliebt: Der Weihnachtsstern. Foto: kna/Elisabeth Schomaker

Seit den 1950er Jahren hat die Pflanze mit den roten, weißen oder auch rosafarbenen Hochblüten ihren Siegeszug in heimische Stuben angetreten. Ob als Stimmungsaufheller fürs Büro, Mitbringsel zum Adventskaffee oder Schmuck für die Krippe - wohl kaum jemand kann sich dem farbenfrohen Gesellen entziehen.

Wie beliebt diese Pflanze ist, belegt auch eine Zahl, die das Statistische Bundesamt am Dienstag bekanntgab: Demnach ist fast jede fünfte in Deutschland produzierte Zimmerpflanze 2021 ein Weihnachtsstern. Insgesamt zogen bundesdeutsche Gartenbaubetriebe 20,4 Millionen als verkaufsfertige Topfpflanzen auf. Produktionsschwerpunkt liegt mit 37 Prozent und 7,5 Millionen Exemplaren pro Saison in Nordrhein-Westfalen.

Was zur Beliebtheit der Pflanze beiträgt: Längst trägt sie nicht mehr nur die kräftige rote Standardfarbe, wie sie in der Natur vorkommt. Neben vielfältigen Rot-Tönen gibt es inzwischen auch Weihnachtssterne von kräftigem Pink bis ins zarte Lachsrosa, vom warmen Beige bis zur trendigen Limone, mal zweifarbig oder weiß gesprenkelt, mit herkömmlichen oder ausgefallenen Blättern. Und jedes Jahr kommen dank intensiver Zuchtbemühungen neue Farben und Formen dazu.

Joel Poinsett brachte die Pflanze in die USA

Mit viel Fingerspitzengefühl und Geduld werden neue Kreationen ausgetüftelt, die Kunden gefallen könnten. Ist etwa eine Pflanze wegen ihres ungewöhnlichen Wuchses wirklich unschön - oder ist sie vielleicht gerade deshalb außergewöhnlich? Ist das Exemplar mit den zerfledderten Blättern nun eine hässliche Mutation - oder könnte aus diesem Exoten ein Trendsetter werden?

Mit Exotik kann die Natur nicht dienen. "Flores de Noche Buena" - "Blume der Heiligen Nacht" heißt der klassisch-rote Weihnachtsstern in seiner mexikanischen Heimat. Denn in den Wintermonaten verfärben sich seine Hochblätter, und sie erscheinen wie eine üppige Blüte.

Seine weltweite Beliebtheit verdankt er dem ersten Botschafter der USA in Mexiko, Joel Poinsett. Er schickte vor rund 200 Jahren einige Pflanzen zur Sichtung in seine Heimat. Ihm zu Ehren wurde die Pflanze zunächst "Poinsettie" getauft. Etwa 100 Jahre später gelangten die ersten Weihnachtssterne nach Europa und wurden dort allmählich immer beliebter.

Bis in die heimische Adventsstube schaffen es heute nur die Besten. Denn zuvor durchlaufen sie eine knallharte Auslese. Dabei stehen nicht nur Farbe, Blütenform, Verzweigungsfaktor und Haltbarkeit, sondern auch Pilzresistenz und Blattfall auf dem Prüfstand.

Mit dem Kauf eines Weihnachtssterns zur Entwicklungshilfe beitragen

Die eigentliche Vermehrung findet in südlicheren Gefilden mit höherer Lichtintensität und wärmeren Temperaturen statt. Muss das in Zeiten von Klimakrise und zunehmendem Wunsch nach Nachhaltigkeit sein? Unbedingt, findet Susanne Lux, Sprecherin von Stars for Europe, der Vereinigung der Europäischen Weihnachtssternzüchter. Denn so finde ein energieintensiver Teil des Produktionsprozesses dort statt, wo die Sonne die benötigte Energie in Fülle liefert.

Aus wenigen Ursprungspflanzen, die in Europa gezüchtet werden, werden in speziellen Weihnachtssternaufzuchtfarmen in Uganda, Äthiopien oder Kenia über mehrere Jahre hinweg unter der starken afrikanischen Sonne hunderttausende Mutterpflanzen herangezogen. Von diesen würden in den Folgejahren Stecklinge geschnitten. Als Baby-Pflanzen kehrten sie im Frachtraum regulärer Linienmaschinen auf dem Luftweg zurück nach Europa. In "verbrauchsnahen" Produktionsbetrieben würden sie in Europa dann bis zur Verkaufsgröße herangezogen. Dadurch sei der Transportweg zu den Verbrauchern meist kurz und damit ressourcenschonend.

Eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten, findet Lux. Denn deutsche und niederländische Züchter hätten dadurch in Afrika nicht nur tausende von Arbeitsplätzen für Einheimische geschaffen und die Betriebe fairtrade-zertifiziert, sondern vor Ort auch begleitend Schulen, Berufsschulen oder Krankenstationen eingerichtet. Lux sieht in der Weihnachtssternaufzucht deshalb eine "hochmoderne Form der Entwicklungszusammenarbeit - eine Synergie, die einfach klasse ist". Mit dem Kauf eines Weihnachtssterns könne somit jeder etwas zur Entwicklungshilfe beitragen.

kna/Angelika Prauß