15.10.2014

Eine Ausstellung erinnert an das Leben der Katholiken in der DDR

„Da waren wir doch auch!“

”Katholiken in der DDR - zwischen Ausgrenzung, Anpassung und Opposition“, heißt eine Ausstellung, die am vergangenen Sonntag zum Patronatsfest der St. Josef/St. Lukas-Gemeinde zum ersten Mal in Mecklenburg gezeigt wurde. 

Ausstellungseröffnung in Neubrandenburg. Helga Grune aus Frankfurt an der Oder (rechts vor der Tafel) hat Beiträge von Katholiken aus der DDR gesammelt. Foto: Marina Dodt

 
„Guck mal Helga, hier ist ja was vom Katholikentreffen in Dresden, da waren wir doch auch!“ –Erinnerungen werden wach vor einer der Ausstellungstafeln, Erinnerungen an das erste und einzige Katholikentreffen 1987 in Dresden mit über 100 000 Teilnehmern, an ein unglaubliches Wir-Gefühl, an Selbstbehauptung und erstarktem Selbstbewusstsein, das Kardinal Meisner in seinem bis heute legendären Satz fasste: „Die Christen in unserem Land möchten ihre Begabungen und Fähigkeiten in unsere Gesellschaft einbringen, ohne dabei einem anderen Stern folgen zu sollen als dem von Bethlehem“. 

Nur zwei Jahre später verlosch der Sowjetstern, und der eiserne Vorhang riss entzwei. 25 Jahre nach dem Mauerfall erinnern zahlreiche Aktionen und Veranstaltungen an das „Jahr der Wunder“, so auch die vom Thomas-Morus-Bildungswerk präsentierte Ausstellung, die seit Sonntag im Norden als Wanderausstellung unterwegs ist. Initiator dieses Projektes ist der Verein „My Life – Erzählte Zeitgeschichte“ e. V. Frankfurt (Oder). Unterstützt wurde das Projekt durch sieben Bistümer, darunter Hamburg. 

30 persönliche Lebenseindrücke

„Die Ausstellung möchte vom Leben katholischer Christen in der DDR erzählen“, sagt die Projektverantwortliche und stellvertretende Vereinsvorsitzende Helga Marie Grune. Dabei gehe es um ganz persönliche Schicksale und Sichtweisen von katholischen Zeitzeugen. Über 30 Interviews haben Helga Grune und ihre Mitstreiter dazu geführt. Zitate damaliger Schüler und Jugendlicher, aktiver Gemeindemitglieder, Pfarrer, Gemeindereferenten, oder eines ehemaligen Caritasdirektors geben einen Einblick in das Leben in einer religionsfeindlichen, atheistischen Diktatur, in den inneren Zwiespalt und Gewissenkonflikt zwischen Ablehnung und Anpassung, in die tägliche Frage, welche Kompromisse in welchem Umfang mit der eigenen Glaubens-überzeugung vereinbar sind. 

Der wiedergefundene Tabernakel 

So berichtet eine Rostocker Seelsorgehelferin von ihrem Schlüsselerlebnis auf einer ökumenischen Rüstzeit in Lichtenhagen, wo Katholiken in der evangelischen Kirche Gottesdienste feiern durften: 

„Da stand die evangelische Pastorin auf und sagte: ‚Ich habe den Eindruck, dass die Katholiken in unserer Kirche sich nicht so richtig wohlfühlen, irgendetwas fehlt, vielleicht die Kniebeuge?‘ ‚Ja, es gibt Katholiken, die eine Kniebeuge machen, wenn sie die Kirche betreten. Die gilt dem Allerheiligsten, das im Tabernakel aufbewahrt wird‘, warf ich ein ‚und den gibt es hier nicht.‘ Da meldete sich der evangelische Pastor: ‚Doch, es gibt noch ein mittelalterliches Sakramentenhaus auf dem Kirchenboden, das ist ein wertvoller Gegenstand, der seit der Reformation dort liegt und zu dieser Kirche gehört. Ihr seid doch die Einzigen, die dieses Kunstwerk der ursprünglichen Bestimmung zurückführen könnten.‘ Mir fehlten die Worte. Allein die Frage war schon bemerkenswert und dann dieses Angebot. Und es ging ruck-zuck: dieses Sakramentenhaus wurde restauriert. Es trug die wunderschönen und warmen Farben der Kirche, Blattgold wurde aus dem Westen besorgt. Ein Schiffbauer aus Warnemünde, der die Außenhaut der Schiffe baute, fertigte passgerecht einen Tresor an, ein anderer ein Schloss. Das war exakte, gute Handarbeit, Aber diese Leute haben da nicht nur Stahl hineingebaut, sondern vor allem ihr Herz.“

Mit Erinnerungen wie dieser hält die Ausstellung nicht nur Rückschau: Sie lenkt den Blick auf das, was katholische Gläubige bis heute trägt. 

Zu sehen sind diese Erinnerungen noch bis zum 20. Oktober im Foyer des Gemeindezentrums (Heidmühlenstraße 9). Weitere Ausstellungstermine: 24. Oktober bis 6. November in Kühlungsborn, Kath. Kirche HL. Dreifaltigkeit, Ostseeallee 1b, 8. bis 17. November Schwerin, Propsteikirche St. Anna, Klosterstraße 13.

Text und Foto: Marina Dodt