06.08.2014

Neues Caritas-Projekt bietet Hilfe für Familien mit Migrationshintergrund in Rothenburgsort

„Elbmütter“ öffnen Türen

In Altona gibt es sie schon, auch in Wilhelmsburg und auf der Veddel – und jetzt auch in Rothenburgsort. Frauen, die sich im Stadtteil auskennen und ehrenamtlich Familien zur Seite stehen, vor allem Familien mit Migrationshintergrund.

Inselmütter heißen sie in Wilhelmsburg, in Rothenburg nennen sie sich „elbmütter“. „Die Elbmütter sollen ganz niedrigschwellig Familien beraten und begleiten“, sagt Sozialpädagogin Inke Hansen, die das neue Projekt des Caritasverbandes mit ihrer Kollegin Ann-Christin Röver leitet.

In einer Feierstunde nahmen die „elbmütter“ ihre Zertifikate entgegen. Mit dabei Bürgerschaftspräsidentin
Carola Veit (SPD, vorne rechts) und Caritasdirektorin Gräfin von Spee (vorne links). Foto: Caritas

Nach einer dreimonatigen Schulung konnten inzwischen die ersten zwölf Elbmütter während einer Feierstunde, zu der auch Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit (SPD) und Caritasdirektorin Maria-Theresia Gräfin von Spee gekommen waren, ihre Zertifikate in Empfang nehmen. Die Frauen sind zwischen Mitte 20 und Anfang 50, sie haben selbst einen Migrationshintergrund, kommen aus Afghanistan, dem Irak, Ägypten, Portugal, Serbien, dem Kosovo und der Türkei.

Die Palette der Themen, bei denen sie helfen sollen, reicht von Erziehungs- und Beziehungsfragen bis zu finanziellen Hilfen. Wo beantrage ich einen Kita-Gutschein? Wie fülle ich einen Antrag für Arbeitslosengeld II aus? Wo finde ich als Schwangere Hilfe? Die Rolle der Elbmütter ist dabei die von Türöffnern oder Brückenbauern, dank ihrer Sprachkenntnisse und ihres kulturellen Hintergrundes erreichen sie Landsleute besser als deutsche Helfer es könnten. Ist der Kontakt hergestellt, können sie die Familien an die richtigen Einrichtungen und Behörden weitervermitteln.

„Rothenburgsort hat einen hohen Migrationsanteil, für viele ist die Hemmschwelle hoch, Angebote wahrzunehmen. Es gibt viele Sprachbarrieren. Und gerade die Frauen sitzen oft nur zu Hause“, erklärt Ann-Christin Röver. 

Vor diesem Hintergrund entwickelte der Caritasverband zusammen mit dem Allgemeinen Sozialen Dienst des Bezirks Mitte das Projekt als Teil der sozialräumlichen Hilfen und Angebote. Finanziert wird es zur Hälfte mit Spendenmitteln, zur anderen Hälfte vom Bezirk.

Zweimal in der Woche traf sich die Gruppe in den vergangenen drei Monaten für jeweils drei Stunden, um auf ihre Aufgabe vorbereitet zu werden. Die Frauen hörten Vorträge von verschiedenen Referenten, darunter einer Kinderärztin oder einer Hebamme, informierten sich über Ernährung, Medienkonsum oder Erste Hilfe. Bei einer Stadtteilrallye wurde das Viertel erkundet, einzelne Einrichtungen wurden in Augenschein genommen. „Die Teilnehmerinnen empfanden die Schulung als hilfreich und spannend“, sagt Ann-Christin Röver.

In den kommenden Wochen sollen die Elbmütter sich im Stadtteil bekannt machen, Kitas oder Schulen besuchen. Um für Wiedererkennung zu sorgen, wurden die Frauen mit Taschen ausgerüstet, die das Projektlogo zeigen, einen blauen Anker auf weißem Grund. Ein Flyer in neun Sprachen wurde gedruckt, um über das Projekt zu informieren.

Alle zwei Wochen treffen sich die zwölf Frauen, um sich über ihre Arbeit auszutauschen oder um einen neuen Referenten zu hören. Im kommenden Jahr würden Hansen und Röver gern eine weitere Schulung anbieten, um neue Elbmütter auszubilden. 

Weitere Infos: www.elbmütter.de.