11.05.2016

Die drei letzten Thuiner Franziskanerinnen verabschieden sich aus dem Hilfsprojekt „Alimaus“

„Gott schickt mich hierher“

Sie geben der „Alimaus“ ein Gesicht der Nächstenliebe: Die Thuiner Franziskanerinnen sind mit dem Hilfsprojekt am Nobistor seit vielen Jahren verbunden. Mit den Schwestern Borromäa, Egberta und Henrike gehen nun die letzten Franziskanerinnen.

Die Thuiner Franziskanerinnen Borromäa, Egberta und Henrike (v.l.) verlassen Ende Juni die Alimaus. Foto: Sendker

Bereits im vergangenen Jahr hatte sich Schwester Clemensa Möller, die sechs Jahre lang die Alimaus leitete, aus Hamburg verabschiedet. Nun folgen die letzten drei Thuiner Franziskanerinnen, die in ihr Mutterhaus zurückkehren. 

14 Jahre stand Schwester Henrike Feltel (70) in der Küche der Alimaus. Die gelernte Wirtschafterin stammt aus Emsbüren und war im Laufe ihrer Lebens in vielen Küchen aktiv: im Knabenkonvikt in Osnabrück, in Neuenhaus, in Haren an der Ems, auf Juist. „Willst du dir die Welt ansehen, musst du in ein Kloster gehen, hieß es früher bei uns“, erzählt sie und lacht. Zur Alimaus kam sie im September 2002. „Das waren sehr gute und lehrreiche Jahre, in denen wir Menschen helfen konnten“, sagt sie im Rückblick. „Vor allem die Gemeinschaft der freiwilligen Helfer ist so wunderbar.“ 

Viel rumgekommen ist auch Schwester Egberta Focke (79). Die gelernte Krankenschwester war in der ambulanten Gemeinde-krankenpflege tätig in Lingen und Melle, sie kennt die Arbeit im Hospiz, im Krankenhaus, im Altenheim und in der Psychiatrie. Die Alimaus ist ihre 14. Einsatzstelle, vor neun Jahren kam sie dazu nach Hamburg. Und sie wurde die gute Seele von „Nobis Bene“. Zu ihr kamen die Menschen, die ambulante medizinische Hilfe benötigten. „Auf der Straße verwahrlosen die Menschen. Sie leiden an Hautproblemen, viele haben Läuse, Krätze, Ungeziefer. Das Leid ist manchmal unglaublich groß. Und es gibt viele, für die keiner einsteht.“

Schwester Borromäa Willemborg (80) wurde in Grönheim bei Cloppenburg geboren. Gleich nach ihrem Studium trat die Lehrerin dem Orden bei und unterrichtete 40 Jahre am Jungeninter-nat in Thuine Physik, Chemie, Biologie und Religion. Mit 65 Jahren wurde sie pensioniert und kam zur Alimaus, wo sie fortan in der Kleiderkammer arbeitete. Und im Winter leistete sie oft den Gästen, die noch abends zum Aufwärmen kamen, Gesellschaft. Als große Umstellung habe sie den Neubeginn damals nicht erlebt, sagt sie: „Ich wusste: Gott schickt mich hierher, dann bin ich hier richtig.“ Jeder Tag habe ihr in den vergangenen Jahren intensive Erlebnisse geschenkt: „Der einzelne, arme Mensch, der so viel Leid erlebt hat und dann doch solche Harmonie und Gelassenheit ausstrahlen kann, das ist für mich ein wirklicher Held des Lebens. Und davon trifft man hier viele.“

400 bis 500 Bedürftige werden täglich in dem roten finnischen Blockhaus am Nobistor mit Essen versorgt. Über 200 Ehrenamtliche sind dafür im Projekt des Hilfsvereins St. Ansgar im Einsatz. Die Orden waren von Anfang an vertreten, zuerst die Schwestern von der hl. Elisabeth, dann kamen Dominikaner, Marienschwestern von Belm, seit 2000 sind die Thuiner Franziskanerinnen dabei. „Die Schwestern werden hier schmerzlich fehlen“, sagt Pas-toralreferent Herbert Wolf vom diakonische Büro Metanoite der Alimaus. Doch darum sorgt sich Schwester Borromäa nicht: „Es gibt so viele gute Menschen, die hier weiterhelfen.“

Das Sommerfest der Alimaus am 30. Mai feiern die Schwestern noch mit.
Der Gottesdienst ist um 12 Uhr in St. Joseph, Große Freiheit 43.
Verabschiedet werden die Schwestern am Mittwoch, 8. Juni mit dem Gottesdienst um 12 Uhr in 
St. Joseph und einem anschließenden Empfang. 

Text u. Foto: Monika Sendker