25.11.2016

Hamburger Teilnehmer der „Fratello“-Reise äußern sich berührt vom Treffen mit dem Papst

„Keiner geht mehr gebückt“

Mit rund 4000 Bedürftigen aus ganz Europa sind 70 Obdachlose aus Hamburg vom Papst in Rom empfangen worden. Für viele von ihnen ist die Begegnung ein unvergessliches Erlebnis. 

Teilnehmer aus Hamburg auf dem Petersplatz in Rom. Foto: kna

Mit 30 Betreuern waren die Teilnehmer aus Norddeutschland zur komplett über Spenden finanzierte ökumenischen Pilgerfahrt „Fratello“ gestartet, nachdem ihnen Erzbischof Stefan Heße im Kleinen Michel den Reisesegen erteilt hatte. In Rom waren die Obdachlosen zu einer Audienz im Vatikan empfangen worden. Papst Franziskus feierte zudem mit ihnen einen Gottesdienst im Petersdom. 

Joachim Weber war dabei. Seit 30 Jahren lebt er auf der Straße. In diesem Winter hat der Verkäufer der Obdachlosenzeitung „Hinz & Kunzt“ über das Winternotprogramm eine Unterkunft in einem Container gefunden. Die Begegnung mit dem Papst sei für ihn eine unglaubliche Ehre gewesen, sagte er den am Flughafen wartenden Journalisten bei seiner Rückkehr. Besonders der Segen des Papstes habe ihn berührt: „Ich hoffe, dass er so geholfen hat, dass ich im neuen Jahr eine eigene Wohnung finde.“

Auf die Frage, wie die Reise war, platzt auch Herbert Wolf gleich heraus: „Der Papst hat mir die Hand gegeben!“ Der Pastoralreferent aus der Hilfseinrichtung Alimaus war einer der Betreuer und erzählt begeistert von seinen Erlebnissen. Zum Beispiel, wie still es gewesen sei, als Papst Franziskus zu den mehr als 4 000 Zuhörern gesprochen habe, mucksmäuschenstill. Viele habe er anschließend gesegnet und die Hand gegeben. 

Ganz nah dran war in diesem Moment auch Johannes Franziskus Wiedeking: „Ich hatte das Gefühl, der Papst guckt mich direkt an.“ Johannes Wiedeking war mit großen Erwartungen von Hamburg nach Rom gereist. „Und alle meine Erwartungen sind weit übertroffen worden“. Die Begegnung mit dem Papst habe ihn verändert. Er strahle mehr, habe ihm eine Bekannte gesagt.

„Der bewegendste Moment war bei der Kommunion“, erzählt Jan Sjoerds, der ebenfalls aus Hamburg kommt. „Die ganze Kirche war still. Es war, als hätten wir einen erlösenden Frieden empfangen.“ „Es ist wirklich ein großes Erlebnis, diesen Papst mit Obdachlosen zu sehen“, ergänzt Rita Bernzen, die als Betreuerin für das Haus Betlehem in Rom war. „Er begegnet jedem Menschen auf Augenhöhe.“

Der Jesuit Jan Roser hatte die Reise von Norddeutschland aus organisiert. „Es war für alle eine intensive, aufbauende Erfahrung“, sagt er nach der Rückkehr. Aus einer Gruppe von Vereinzelten, die sich vorher nicht gekannt hätten, habe sich schnell ein Kollektiv gebildet. „Und diese Reise hatte etwas zutiefst Aufrichtendes, für die Bedürftigen und die Begleiter. Keiner von ihnen geht mehr gebückt, das beschreibt die Außerordentlichkeit dieser Pilgerfahrt am besten. Für viele ist der Papst eine Lichtgestalt. Die Menschen glauben, dass er es ernst mit ihnen meint.“ 

Dass die Reise für alle einen Eigenwert bekomme, hatte sich Roser vor der Abreise gewünscht. „Wenn ich jetzt die Rückmeldungen erhalte, dann fühlt sich keiner von ihnen missbraucht oder etwa durch die Medien vorgeführt, im Gegenteil. Alle haben sich einfach nur gefreut, weil der Papst ihnen einen besonderen Platz im Zentrum der Kirche zuspricht.“ 

Auch die Organisatoren haben einen geistigen Impuls von Fratello erhalten: „Wir denken darüber nach, wie wir den Menschen über das Materielle hinaus noch helfen können.“ Denn das habe diese Reise gezeigt: Auch die Menschen auf der Straße seien auf der Suche nach Spiritualität, viele von ihnen seien sehr religiös. „Wir möchten ihnen einen Ort schaffen, an dem sie willkommen sind, etwa mit einem monatlichen Gottesdienst für Obdachlose.“

Und dann hat Pater Roser noch eine gute Nachricht: Der wohnungslose Joachim Weber muss nicht bis zum Frühling warten. Als Reaktion auf die vielen Interviews, die er gegeben habe, habe er jetzt eine Wohnung gefunden. „Der Segen des Papstes wirkt konkret.“