21.09.2016

25 Jahre ökumenische Telefonseelsorge in Mecklenburg-Vorpommern

„Nichts muss dir peinlich sein“

Ihre Gesichter sieht niemand. Telefonseelsorger arbeiten anonym, das gehört zum Prinzip. Ihre Stimme aber wird gehört. Und sie leihen ihr Ohr vielen Menschen, die sonst niemanden zum Reden haben. 264 Telefonseelsorger sind in Mecklenburg-Vorpommern im Einsatz. Ein Dienst, der seit 25 Jahren besteht und sich bewährt hat. 

Bei der Feier der Telefonseelsorge in Güstrow: Landesbischof Gerhard Ulrich, Sozialministerin Birgit Hesse und Erzbischof Stefan Heße.  Foto: Astrid Bartels

Mit einem ökumenischen Gottesdienst haben die beiden großen Kirchen in Mecklenburg-Vorpommern am vergangenen Samstag das 25-jährige Bestehen der gemeinsamen Telefonseelsorge im Land gewürdigt. 

Bei der Feier im Güstrower Dom und einem anschließenden Empfang dankten der Hamburger katholische Erzbischof Stefan Heße und der Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Nordkirche, Gerhard Ulrich, den Mitarbeitern der ökumenischen Telefonseelsorge.

„Ihr Dienst ist eine große Leistung und ein wichtiges Angebot unserer Kirchen für Menschen in seelischen Nöten“, sagte Ulrich in seiner Predigt. „Menschen in ihren religiösen und sozialen Ängsten und Ungewissheiten zu trösten, das ist die Aufgabe.“ Telefonseelsorger seien „die vielleicht erste Anlaufstelle für Menschen in schwierigen Lebenslagen, Konflikt- und Krisensituationen“. Für viele sei die Telefonseelsorge mit ihren geschulten Mitarbeitenden „eine zuverlässige und stabile Anlaufstelle, an die sie sich buchstäblich zu jeder Tages- und Nachtzeit wenden“.

Erzbischof Heße hob in seiner Ansprache beim anschließenden Empfang hervor, das Zuhören und die konkrete Hilfeleistung der Telefonseelsorger zeige ihre bedingungslose Zuwendung und mache dem einzelnen Menschen seine Würde deutlich: „Deshalb gebe ich dir meine Zeit und Aufmerksamkeit“, zitierte der Erzbischof. „Nichts muss dir unangenehm oder peinlich sein. Deine Probleme und Sorgen machen dich nicht zu einem schlechten Menschen.“

Darüber hinaus lobte Heße die Telefonseelsorge als ein sehr gelungenes ökumenisches Projekt nach der Wiedervereinigung, „für das wir auch weiterhin einstehen“. Ohne die finanzielle Unterstützung der Landesregierung wäre dieses Engagement für alle Menschen im Land unabhängig von Konfession oder Religion nicht möglich, so der Erzbischof. Im Namen der Landesregierung lobte Sozialministerin Birgit Hesse (SPD) den seit 25 Jahren bestehenden Dienst der Kirchen.

Der Ökumenischen Telefonseelsorge Mecklenburg-Vorpommern gehören 264 Ehrenamtliche an den Standorten Rostock, Schwerin, Neubrandenburg und Greifswald an. Getragen wird sie vom Erzbistum Hamburg, dem Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreis Mecklenburg sowie von der Caritas Mecklenburg und dem Diakonischen Werk Mecklenburg-Vorpommern.

Text: kna/Andreas Hüser