13.01.2016

Zum Tod der Katharinenschwester Veronika Herrmann

„Wir vermissen sie schon heute“

In einem feierlichen Requiem hat die St. Bonifatius-Gemeinde in Wilhelmsburg Abschied von Schwester Veronika Herrmann genommen. Die Ordensfrau wirkte als Seelsorgerin am Wilhelmsburger Krankenhaus Groß Sand. Sie erlag am 21. Dezember im Alter von 54 Jahren einem Krebsleiden. 

„Sie hat sich ganz in die Hände Gottes gegeben“: Am 21. Dezember erlag Schwester Veronika Herrmann einem Krebsleiden. Seit 2007 war sie als Klinikseelsorgerin im Krankenhaus Groß Sand eine geschätzte Ansprechpartnerin
für die Menschen. Foto: privat

Kranke besuchen, Angehörige begleiten, bis in die letzten Stunden des Lebens Trost und Hoffnung geben: das war die Aufgabe, der sich Schwester Veronika mit aller Kraft gewidmet hat. Bekannt und beliebt war sie weit über die Türen des Krankenhauses Groß Sand in Wilhelmsburg hinaus. Im August 2015 klagte die Schwester zum ersten Mal über Lungenbeschwerden. Die Untersuchung ergab, dass sie an einem schnell wachsenden, unheilbaren Magentumor litt. Das Gespräch mit den Ärzten ihres Vertrauens ergab: Eine Therapie hätte keine Heilung, sondern nur Verlängerung des Leidens gebracht. Deshalb entschied sich Schwester Veronika gegen eine solche Maßnahme und arbeitete zunächst weiter. Ende November verschlechterte sich ihre Gesundheit so sehr, dass sie in die Palliativstation ihres Krankenhauses wechseln musste. Ihr Entschluss, auf lebensverlängernde Maßnahmen zu verzichten, stand weiterhin fest. In einem Nachruf ihres Ordens wird ihre Haltung so beschrieben: „Sie ist bei klarem Bewusstsein und hat sich ganz in die Hände Gottes gegeben. Sie ist bereit für den Willen Gottes und dankt für das Gebet der ganzen Kongregation um das Wunder der Heilung. Niemand hört von ihr die Frage: Warum ich?“

Schwester Veronika gehörte dem Orden der Katharinenschwestern an. Die Ursprünge dieses Ordens liegen im Ermland/Ostpreußen. Und auch die Eltern von Veronika Herrmann waren Flüchtlinge aus dem Erm-land. Elisabeth Herrmann, wie Schwester Veronika mit Taufnamen hieß, wurde 1961 in Mönchengladbach geboren. Nach einer Pilgerreise nach Assisi brach sie ihr Jurastudium ab und entschied sich für das Leben im Orden: „Als Auftrag erkannte ich, dass ich den Menschen Gottes Liebe weiter schenken soll, ihnen von Gott und dem Umgang mit ihm erzählen soll und zeigen soll, dass er hinter Ereignissen, Erfahrungen und Begegnungen steht, da er gerade dadurch uns etwas sagen, uns führen will, uns seine Liebe schenkt …“. 

Im Krankenhaus Groß Sand lernte die junge Ordensfrau den Beruf der Krankenpflegerin. Sie arbeitete einige Jahre als Praxis-anleiterin einer Krankenpflegeschule im Katharinenkrankenhaus in Frankfurt, 2007 kehrte sie als Klinikseelsorgerin nach Hamburg zurück. Sie war in der Provinzleitung ihres Ordens als Ratsschwester und als Vertreterin der Provinz beim Generalkapitel tätig, leitete außerdem ordensinterne Vertiefungstage. 

Und natürlich war Schwester Veronika auch in der Wilhelmsburger Bonifatius-Gemeinde präsent, zu der sie gehörte. Viele Menschen kamen dort zusammen, um zehn Tage nach der Beerdigung in Münster in einem Requiem Abschied zu nehmen. „So wie sie auf die Menschen zugegangen ist und wie sie Menschen erreicht hat, vermissen wir sie schon heute – die Gemeinde und die vielen Menschen, die ihr nahe standen“, sagt Dechant Thomas Hoffmann, Pfarrer der Bonifatius-Gemeinde.

Text: Andreas Hüser