20.05.2014

Was bedeutet Christi Himmelfahrt und wo ist überhaupt dieser Himmel?

Da kommt noch was …

Flauschige Wolkenberge, ein goldenes Tor, ein Ort zum Wohlfühlen – so könnte der Himmel aussehen. Aber führen diese Himmelsvorstellungen nicht in die Irre?

Da steckt mehr hinter den Wolken: Bilder vom Himmel deuten immer auch ein wenig das Unsichtbare und Jenseitige an. Foto: barbarbeau/photocase.de

Er weiß, wie es da oben aussieht, im Himmel. Der 14-jährige Colton Burpo hat ihn wirklich gesehen – sagt er zumindest. Als Vierjähriger schwebte der Junge aus den USA in Lebensgefahr, sein Blinddarm war durchgebrochen. In diesen Minuten war er im Himmel, sah Maria, berichtete später von Jesu blauen Augen und Gott und vom Heiligen Geist, der „irgendwie bläulich“ wirkte. Colton Burpo hat überlebt und seine Erlebnisse in Büchern und aktuell in einem Kinofilm erzählt. Es ist nur eine von weltweit vielen Nahtoderfahrungen, die geprägt sind von Lebenserfahrungen und verschiedenen Kulturkreisen. Einen Beweis für den Himmel bieten sie aber nicht.

Am kommenden Donnerstag, genau 40 Tage nach Ostern, feiern Christen die Aufnahme Jesu in den Himmel, Christi Himmelfahrt. Viele besuchen einen Gottesdienst, vor allem im Süden Deutschlands ist der Tag noch mit Brauchtum und Prozessionen verbunden. Aber es ist eines der Feste, die die Sinne übersteigen. Für viele ist die Glaubensaufgabe zu groß: Dass Jesus, von einer Wolke verhüllt, in den Himmel gehoben wird, so wie es der Evangelist Lukas beschreibt, ist kaum begreifbar.
Zu Recht stellt man sich die Frage: Was heißt Himmelfahrt eigentlich? Das Fest markiert die letzte Erscheinung Jesu vor den Jüngern. Das sollte eigentlich ein Grund zur Trauer sein. Jesus ist für uns Menschen nicht mehr direkt erfahrbar – so die erste Vermutung.

 

„Himmelfahrt ist bleibende Nähe“

Aber: „Himmelfahrt ist bleibende Nähe“, schreibt Benedikt XVI. in seinem Buch „Jesus von Nazareth“. Demnach ist die Himmelfahrt nicht ein Weggehen, ein bloßes Verschwinden. Jesus ist in die Macht- und Lebensgemeinschaft bei Gott eingegangen, „er sitzt zur Rechten des Vaters“. Nun ist er nicht mehr nur an einem Ort auf der Welt zu finden, er ist Ansprechpartner für alle gleichzeitig geworden und so immer in unserer Nähe.

Die Vorstellung von „Himmel“ aber bleibt wage: Es ist der Gegenentwurf zur Hölle, vielleicht ein gutes Reich der Toten, ein glückseliger Ort im Jenseits, ein Land, in dem Milch und Honig fließen, wie es der Islam sagt. Für Verliebte hängt der „Himmel voller Geigen“, und wenn man es sich richtig gut gehen lässt, dann ist es „der Himmel auf Erden“. Es ist der  Blick von der Erde aus, durch die Atmosphäre hindurch, in Richtung Weltraum, sagen die Naturwissenschaften.

Die Astronomie, eine der ältesten Wissenschaften, untersucht die Himmelsgestirne und der Mensch dringt mit der Raumfahrt immer tiefer ins Universum ein. Das Hubble-Weltraumteleskop hat zuletzt 2012 Bilder so tief aus dem All geschickt, wie noch nie zuvor: Das Licht der neu entdeckten Galaxien braucht 13,2 Milliarden Jahre zur Erde. Doch der „göttliche“ Himmel  ist nicht gefunden worden.
„Es ist die endgültige Erfüllung der menschlichen Existenz“, schreibt Benedikt XVI. Für Christen ist es der Lohn für das persönliche Leben und zugleich Gnade Gottes. „Wenn der Mensch ganz bei Gott ist, dann ist er im Himmel“ – nur räumlich ist das nicht zu erfahren.

 

Christen werden zum Himmel

Mit der Himmelfahrt, mit dem Einswerden von Gott und Jesus, gründe sich der Himmel, sagt Benedikt XVI. „Er ist das Zusammensein all derer, die den Leib Christi bilden.“ Das heißt: Christen werden nicht in den Himmel kommen, sie werden zum Himmel werden – im Miteinander mit Jesus.
Ob sich das in einem bläulichen Heiligen Geist und in einem Jesus mit blauen Augen widerspiegelt? Letztlich bleiben es Bilder und Annäherungen an eine göttliche Wirklichkeit, die man nicht beschreiben kann.

Von Kerstin Ostendorf