09.03.2015

Weltfrauentag

Ein Lob auf die Frauen

Am 8. März ist Weltfrauentag. Grund genug für ein Resümee und ein augenzwinkerndes Lob: Wir Frauen können alles erreichen. 

 

Dass sie in Warschau, ihrer Heimatstadt, nicht studieren durfte, wollte Marie Curie 1891 nicht länger hinnehmen. Sie packte ihren Koffer, ging nach Paris und studierte an der Sorbonne. Später lehrte sie dort als erste Professorin Physik und wurde 1903 als erste Frau mit dem Nobelpreis geehrt. Für ihre Entdeckung von Radium und Polonium wurde sie 1911 erneut ausgezeichnet. 

Nur wenige Jahre später setzte eine andere Frau ihren Fuß auf unbekanntes Terrain. Am 1. Februar 1915 hatte Anna Pezzoli ihren ersten Arbeitstag im Vatikan, im päpstlichen Ausstattungsamt für Möbel und Geräte. Viel ist über sie nicht bekannt, in der Personalakte wird sie lediglich als Hilfsarbeiterin geführt. Fest steht aber: Sie war die erste reguläre weibliche Angestellte im Kirchenstaat. Zwei unterschiedliche Frauen, die eines eint: Sie haben sich in „Männerdomänen“ durchgesetzt. 

 

Uns Frauen hält nichts mehr auf

In den letzten 100 Jahren haben wir Frauen viel erreicht: Wir bringen Familie und Beruf unter einen Hut, kümmern uns um Haushalt, Kinder – und verdienen eigenes Geld. Wir haben Bedeutendes erreicht in Wissenschaft und Wirtschaft. Komplizierte Technik hält uns nicht auf und auch an den letzten Männerbastionen kratzen wir: Wir erobern die Fußballstadien und mit Kohle und Anzünder am Grill zu stehen, ist für uns keine Herausforderung mehr.

Der Tag, die Fortschritte zu feiern, aber auch an die aktuellen Missstände zu denken, ist der 8. März, der Weltfrauentag. Die Idee dahinter stammt aus der sozialistischen Bewegung in Amerika Anfang des 20. Jahrhunderts. Frauen kämpften für ihr Wahlrecht – und setzten sich durch. Heute werden 20 Länder von Frauen regiert oder haben eine weibliche Staatsspitze.

Ja, für die Männer war es nicht immer leicht. Nach anfänglichem Widerstand und großer Skepsis haben sie das neue Selbstbewusstsein von uns Frauen aber akzeptiert. Wir dürfen arbeiten, frei Entscheidungen treffen, dürfen reisen, laut unsere Meinung kundtun, in allen Bereichen mitmischen. 

Und wie steht’s mit der Kirche und den Frauen? Sicherlich kein einfaches Thema. Aber die Kirche zeigte sich nicht nur lehr- sondern auch lernfähig. 1963 erkannte Papst Johannes XXIII. in seiner Enzyklika „Pacem in terris“ die „Zeichen der Zeit“, also Bewegungen, die allein auf das Wirken des Geistes zurückzuführen sind und die von der Kirche befördert werden müssen. Dazu zählte er auch das gesellschaftliche Aufstreben der Frauen. Ein Wendepunkt. Das Zweite Vatikanum griff den Ansatz auf. In der Pastoralkonstitution „Gaudium et spes“ heißt es: „Sache aller ist es, die je eigene und notwendige Teilnahme der Frau am kulturellen Leben anzuerkennen und zu fördern.“ Und Hand aufs Herz: Wo wäre die Kirche ohne die Frauen? Vor allem sie kümmern sich um die Katechese, sind in den Gremien aktiv oder singen in den Kirchenchören. Was für die kirchliche Basis längst bekannt ist, gilt mittlerweile auch für das Hauptamt. Ein Blick an die Universitäten zeigt: Immer mehr Frauen studieren Katholische Theologie. Sie arbeiten in den Ordinariaten oder als Pastoral- oder Gemeindereferentinnen. 

 

Der 8. März – auch ein Grund zum Feiern

Natürlich gibt es weiterhin Reizwörter wie etwa die Frage nach dem Diakonat der Frau oder gar einer Zulassung zur Priesterweihe. Aber man kann der Kirche nicht länger vorwerfen, sie würde uns Frauen „links liegen lassen“. Vor wenigen Wochen gab es etwa ein mehrtägiges Treffen zum Thema „Frauen“ im Vatikan. Und Papst Franziskus fasste auf seiner Philippinenreise zusammen: „Wir sind oft zu ‚macho‘ und lassen den Frauen keinen Raum. Aber sie sehen die Dinge mit anderem Blick und können Fragen stellen, die wir Männer noch nicht einmal verstehen.“ 

Liebe Frauen, lassen wir uns von Rückschlägen nicht entmutigen, setzen uns ein für Gleichberechtigung und für ein Ende von Gewalt an Frauen – und an diesem 8. März, lassen Sie uns ein wenig feiern.

Von Kerstin Ostendorf