09.03.2016

In jedem Jahr sticht die Männerrunde von St. Michael Schwarzenbek ein Fass „Fastenbier“ an

Ein Prosit zur Fastenzeit

In vielen Gemeinden gibt es vor Ostern Fastenessen, mit Fisch oder Suppe. In Schwarzenbek gibt es Bier. Das „Fastenbier“ einmal nach der Sonntagsmesse zur Fastenzeit, hat dort Tradition und sorgt für einen vollen Gemeindesaal. 

Zum Wohlsein! Die Männerrunde von St. Michael schenkt aus: v.l. Matthias Mielke, Pfarrer Jan Stefanowski, Jürgen Zeh, Hans-Werner Schicke und Adam Trowski.   Foto: Andreas Hüser

Warum Bier? Einmal, weil die Männerrunde der Gemeinde diese Aktion in jedem Jahr organisiert. In jedem Jahr wird ein anderes Bier angezapft, meistens aus einer wenig bekannten Brauerei. Am vergangenen Sonntag kam das Fass aus der Privatbrauerei „Vielanker Brauhaus“. Vielank liegt bei Dömitz in Mecklenburg;  wenn man so will: in der Nachbarpfarrei. „Ein dunkles Bier, ein gehaltvolles Bier, lehnt sich an die mittelalterliche Brautradition an, in der Bier während der Fastenzeit ein Ersatz für gehaltvolle Speisen war“, erklärt Hauptorganisator Hans-Werner Schicke. Fast 100 durstige und hungrige Gemeindemitglieder hatten sich im Gemeindehaus St. Michael versammelt – bei Bier und dampfendem Leberkäse, direkt aus der Metzgerei. 

Natürlich ging es dabei nicht nur um’s Biertrinken – die außergewöhnliche Fastenaktion gehört zu den geselligen Höhepunkten im Gemeindeleben von St. Michael. Zum ersten Mal dabei war Pfarrer Jan Stefanowski, seit Sommer ist er Pfarrer der Großpfarrei St. Benedikt. „Schmeckt hervorragend“, sagt der Geistliche zum Bier. Und er sieht keine Konflikte mit der Fastenzeit. „Außer zu Aschermittwoch und Karfreitag, wo es Fas-tengebote gibt, hat jeder ja in der Fastenzeit seine persönlichen Vorsätze. Wer auf Alkohol verzichtet, kann das auch hier tun. Und der Sonntag gehört als kleines Osterfest nicht in die Fastenzeit hinein.“

Manchmal schmücken fromme Namen das Schwarzenbeker Fas-
tenbier. „Wir hatten schon Bier vom Kloster Kreuzberg in der Rhön, das brauen Franziskaner. Wir hatten auch schon Bier aus dem Kloster Andechs, von den Benediktinern“, erzählt Hans-Werner Schicke. „So bemühen wir uns in jedem Jahr, mit einer Spezialität den Leuten ein besonderes Vergnügen zu bereiten.“ 

Aber das Schlemmen hat – wie auch die Fastenessen in anderen Gemeinden – einen guten Zweck. „Wir wählen in jedem Jahr unter verschiedenen Empfängern einen aus“, sagt Hans-Werner Schicke. Meist sind es soziale Dienste im Raum Schwarzenbek, etwa die Schwarzenbeker Tafel. In diesem Jahr blieben die Einnahmen in der Gemeinde. Sie gingen an den Förderverein der Gemeinde St. Michael. Der Verein stützt Aktivitäten, die sonst nicht finanziert werden könnten: Taxi-Fahrdienste zum Gottesdienst für Katholiken aus den umliegenden Dörfern, Messdiener-Ausflüge oder Reparaturen an der Heizungsanlage.

Text und Foto: Andreas Hüser