19.09.2013

Heilig Kreuz in Neumünster wurde am Patronatsfest nach 50 Jahren profaniert

Ein Stück Heimat verloren

Nachdem am 24. August bereits die Kirche St. Bartholomäus in Neumünster profaniert wurde, mussten sich die Katholiken am vergangenen Samstag auch von der Heilig Kreuz-Kirche trennen.

Generalvikar Ansgar Thim war am Mittwoch eigens noch einmal nach Neumünster gefahren, um das Gespräch zu suchen. Nicht nur, dass es für ihn das erste Mal war, dass er die Profanierung einer Kirche vorzunehmen hatte und deswegen hören und fühlen wollte, was das für eine Gemeinde bedeutet: „Es war gut, miteinander zu sprechen und auch von Enttäuschungen reden zu können. Es kam zur Sprache, dass die Vorbereitung auf den heutigen Tag für viele zu kurz und zu wenig einfühlsam gewesen sei“, sagte Thim dann auch am Samstag in seiner Predigt.
Mehr Begleitung, mehr Informationen und mehr Transparenz hätten sich die Menschen gewünscht. „Ich habe gelernt, dass der Abschied von einem Kirchenraum auch Trauerarbeit bedeutet. Trauerarbeit, die begleitet werden muss mit Gebet und geistlichen Gesprächen“, so der Generalvikar. Aber er sprach auch die Ursachen an, die nach reiflicher Überlegung zu der Entscheidung geführt hatten, nämlich den Rückgang der Besucher der Gottesdienste, den Personalmangel und die fehlenden finanziellen Mittel. Denn die Heilig Kreuz-Kirche, die vor 50 Jahren erbaut worden war, hätte einer Sanierung bedurft: „Auch wenn die Fakten im Kopf klar sind, so muss doch das Herz mitgenommen werden.“

Die Profanierung am Fest Kreuzerhöhung, dem Patronatsfest, das sei auch ein Zeichen, sagte der Generalvikar. Er mahnte, die Gesellschaft brauche das christliche Wertekonzept. Der Tag sei daher ein Tag der Hoffnung, dass sich die Gemeinde in St. Maria – St. Vicelin zusammenfinde. „Wir feiern nicht Abschied, sondern wir feiern voller Dankbarkeit die vielen Anfänge, die hier in diesem Kirchenraum durch Gottes Hilfe möglich wurden“, so Thim.
Pfarrer Peter Wohs, der als Konzelebranten Msgr. Karl-Joseph Rudolph und Kaplan Markus Diederich begrüßen konnte, drückte ebenfalls seinen Dank aus. „Für viele Gläubige war dieses Gotteshaus spirituelle Heimat.“ Und an die Gläubigen gewandt sagte er vor Verlesung der Profanierungsurkunde von Erzbischof Werner Thissen: „Ihr kehrt zurück in die Mutterkirche, wo alles hier in Neumünster aufgebrochen ist, nach St. Maria – St. Vicelin. Da seid ihr auch zu Hause, es ist euer Zuhause.“
Danach wurde das Allerheiligste aus dem Tabernakel genommen, um es in die Pfarrkirche zu bringen, und das ewige Licht wurde gelöscht.
Vor und nach dem Gottesdienst sprachen einige Gläubige von der großen Traurigkeit, die mit der Schließung verbunden sei. „Es wird so viel Geld woanders für ausgegeben“, meinte eine Seniorin. Es gebe viele ältere Menschen in der Gemeinde, die jetzt einen deutlich weiteren Weg zur Kirche hätten. Eine andere ältere Dame hielt dem entgegen, dass der Priestermangel nicht zu leugnen – und die Kosten eben hoch seien. Sie hoffe, dass die Gemeinde zusammenwachsen werde, was so noch nicht sichtbar sei. Eine Frau mittleren Alters wiederum bedauerte die Entwicklung und nannte den fehlenden Nachwuchs junger Gläubiger als drängendes Problem. Doch bei aller Trauer gab es auch Stimmen der Zuversicht. „Ich freue mich darauf, alle dort wiederzusehen, dass wir eine große Gemeinde bilden und dass das gelingen wird“, sagte ein 39-Jähriger aus der Pfarrkirchengemeinde.
Was die Zukunft der Kirche und des Gemeindehauses angeht, sind noch nicht alle Entscheidungen getroffen. Man stehe da noch mit der Stadt in Verhandlungen, hatte Pfarrer Wohs gesagt. Die sakrale Ausstattung bleibe Eigentum der Gemeinde und werde zum Teil  auf andere Standorte verteilt. Anfragen für einzelne Dinge gebe es aus dem Erzbistum, aus anderen Diözesen, aber auch aus Polen und Litauen.

Andreas Hüser

Fotos: Marco Heinen