07.12.2016

Vorbereitung für Weihnachten

Eine Krippe Marke Eigenbau

Manchmal reicht auch eine große Wurzel: Um eine Krippe zu bauen, muss man weder gelernter Tischler sein noch viel Geld ausgeben. Tipps hat Krippenbaumeister und Buchautor Hans Knapp aus Österreich auf Lager. 

Hansjörg Penz (links) und Hans Knapp widmen sich der Botanik für ihre Krippe. Foto: Tyrolia Verlag

Krippen gibt es in der religiösen Kunsthandlung zu kaufen – oder man verlässt sich auf die liebgewordene Krippe, die schon die Eltern jedes Jahr im Advent aus dem Keller geholt und liebevoll auf der Wohnzimmerkommode drapiert haben. Eine dritte Möglichkeit ist, selbst handwerklich tätig zu werden und die Grotte für Josef, Maria und das Jesuskind mit den eigenen Händen nach der eigenen Fantasie zu gestalten.

„Man kann dabei ja nichts falsch machen“, sagt Hans Knapp – und wenn doch: „Dann hat man halt Pech und versucht es erneut“, sagt der renommierte Krippenbaumeister aus Weerberg in Tirol und lacht. Knapp hat gemeinsam mit seinem Kollegen Hansjörg Penz und der Kulturjournalistin Susanne Gurschler
eine detaillierte Anleitung erstellt, die jetzt unter dem Titel „Weihnachtskrippen bauen“ erschienen ist.

In dem Buch wird der Bau einer klassischen heimatlichen sowie einer orientalischen Krippe Schritt für Schritt erklärt. Für die Modelle ließ sich Knapp von Gebäuden und Ruinen inspirieren, die er vor einigen Jahren auf einer Reise durch Ägypten und Syrien fotografierte.  580 bunte Abbildungen und Zeichnungen begleiten den Text. Zusätzlich bietet die Anleitung ein großes Kapitel zum Hintergrundmalen. 

„Das schaut erst mal kompliziert aus“, sagt Knapp, die Beispiele im Buch seien aber für jeden machbar. „Gelernte Tischler machen oft viele Fehler, weil sie alles im rechten Winkel machen wollen – die schönsten Krippen sind aber die, wo sich Anfänger naiv bemühen“, sagt der Tiroler. Perfektionismus gehöre beim Krippenbauen nicht dazu.

Was man aber braucht, ist eine Vorstellung davon, was für eine Krippe man haben will und wo sie später stehen soll. Auch eine Prise „Betrachtungsvermögen“ schade nicht, so der Autor. 

 

Für den Anfang reichen einige wenige Werkzeuge

Eine einfache Krippe ist in 20 bis 30 Stunden in der Werkstatt fertig. Wenn man nur einen halben Tag Zeit hat, macht man sich im Wald auf die Suche nach einer schönen Wurzel, die mit ein bisschen Glück schnell in eine Krippe verwandelt werden kann. „Man muss nur offen durch die Landschaft gehen“, sagt Knapp. Steine, kleine Äste, Moose oder Pflanzen können zum Teil der eigenen Krippe werden. 

Für die Bodenplatte, gerade Wände oder orientalische Dachkuppeln empfiehlt Knapp Platten aus Hartstyropor. Die bekomme man günstig bei Baufirmen, die das Material als Isolierstoff verwenden und haufenweise Abfälle übrig haben. Das Styropor könne man leicht mit einem Messer bearbeiten – es aber auch verschrauben. 

Das Buch enthält eine Abbildung nützlicher Werkzeuge und Maschinen. Die schiere Anzahl der Utensilien wirkt im ersten Moment abschreckend. Aber „jetzt einen Haufen Werkzeug zu kaufen, ist nicht notwendig“, sagt Knapp. Für den Anfang reiche eine Handsäge, ein Schraubenzieher, ein Hammer und ein altes Küchenmesser. „Es ist wirklich ein billiges Hobby, weil die Krippe zum großen Teil aus Abfällen besteht.“ Im Vordergrund stehe immer die Kreativität, die sich entwickelt, wenn man einfach anfängt. 

Für absolute Laien hat der Krippenbaumeister einen wichtigen Tipp: „Man sollte die Grotte immer etwas großzügiger gestalten. Nicht, dass Josef und Maria gebückt darin gehen müssen.“ Zur Orientierung bei den Maßen dient der sogenannte „Krippenmeter“. Tabellen im Buch helfen, zu klären, wie hoch oder tief die Krippe sein muss, um zu den unterschiedlich genormten Figuren zu passen, die man entweder kaufen oder ebenfalls selbst gestalten kann. 

 

Die Krippe lässt sich später ändern und erweitern

„Wenn man mehr Routine hat, kann man die Krippe jederzeit ändern“, sagt Knapp. Auf einer größeren Bodenplatte lassen sich Gebäude, Hügel und Land-schaftselemente hinzufügen. Das Buch biete wertvolle Beispiele, an denen man sich orientieren könne. Aber „was man sich selber ausdenkt, kann man auch leichter umsetzen“, sagt Knapp – er freue sich über jeden, der von seiner Anleitung abweicht und sie ergänzt.

Die Anleitung ermöglicht Neulingen einen fundierten Einstieg. Die Skizzen und auch die Tabellen sind eine große Hilfe. Das Buch richtet sich auch an Experten der Krippenarchitektur: Zahlreiche detaillierte Beschreibungen und Zeichnungen von orientalischen Giebeln, heimat-lichen Pflanzen oder Fliesenmus-tern liefern viel Material für eigene Variationen der Krippe. Kapitel zur Tradition und Geschichte der Krippenbaukunst runden die Publikation ab. 

Informationen zum Buch
Hans Knapp, Hansjörg Penz, Susanne Gurschler: Weihnachtskrippen bauen. Mit ausführlicher Anleitung zum Hintergrundmalen. Schritt für Schritt zur orientalischen und heimatlichen Krippe. Tyrolia Verlag; 184 Seiten; 27,95 Euro

 

Von Philipp Adolphs