19.08.2015

Umfrage im Vorfeld der Familiensynode

Gläubige wollen Bewegung

Viele Katholiken sind offenbar gegen den Pflichtzölibat, für das Diakonat der Frau und für die Zulassung von wiederverheiratet Geschiedenen zur Kommunion. Das ist das Ergebnis einer Umfrage unter 12 400 Katholiken aus 42 Ländern.

Wie wollen die Katholiken ihren Glauben und vor allem die Kirche gestalten? Die Umfrage zeigt die verschiedenen Wünsche. Foto: fotolia

Vor allem in den Städten hätten wir es uns denken können; beim Gespräch nach dem Gottesdienst mit unseren Banknachbarn zum Beispiel. Viele Katholiken weltweit wünschen sich mehr Bewegung im Denken und Handeln der Kirche. 

So sprechen sich in der nicht repräsentativen Studie „Partnerschaftsethik und Familienbilder von Katholikinnen und Katholiken“ fast 90 Prozent der weltweit 12 400 Befragten für einen anderen Umgang der Kirche mit wiederverheiratet Geschiedenen aus. Sie sollten nicht mehr vom Empfang der Kommunion ausgeschlossen werden. 

 

Vatikan ist keine „relevante Bezugsgröße“

Zudem würden 85 Prozent der befragten Katholiken, den Priestern zukünftig gerne selbst die Entscheidung überlassen, ob sie zölibatär leben wollen oder nicht. Knapp 90 Prozent der deutschen Katholiken wünschen sich die Einführung des Diakonats der Frau. Obwohl fast alle katholischen Christen die Ehe nach wie vor für das beste Lebensmodell halten, wollen sich die wenigsten Gläubigen ihren Umgang mit Verhütungsmitteln vorschreiben lassen. Sie sehen den Vatikan in dieser Frage nicht als „relevante Bezugsgröße“. 

Initiiert wurde die Studie von drei Theologiestudenten der Universitäten Münster und Berlin, sozusagen als Ergänzung zu der von ihnen als unverständlich empfundenen Befragung der Gläubigen durch den Vatikan. Diese hatte Papst Franziskus im Vorfeld der Familiensynode im Herbst in Auftrag gegeben. In machen Bistümern hatten sich daran allerdings kaum mehr als 50 Menschen beteiligt. 

Obwohl etliche Experten Sarah Delere und dem Ehepaar Anna und Tobias Roth eine gute Methodik und seriöse Auswertung attestiert haben, darf an dieser Stelle nicht verschwiegen werden, dass die meisten Antworten, nämlich knapp 8000, aus Deutschland kamen. Dass unterschiedliche Länder aber stets unterschiedliche Stimmungsbilder aufweisen, wird auch in der vorliegenden Studie offensichtlich. Während hierzulande 70 Prozent nichts gegen eine Segnung gleichgeschlechtlicher Paare haben, lehnen dies Polen, Südeuropäer und Brasilianer mehrheitlich ab. 

 

Aktive Katholiken an der Umfrage beteiligt

Wer nun denkt, die Umfrageergebnisse seien nur zustande gekommen, weil vor allem sogenannte Taufscheinkatholiken mitgemacht haben, liegt falsch. Beteiligt haben sich zu 80 Prozent Menschen, die regelmäßig zur Kirche gehen. Fast alle Befragten gaben an, dass ihnen eine kirchliche Hochzeit sowie eine christliche Erziehung ihrer Kinder sehr wichtig sind. Die meisten Befragten haben auch kein Problem mit dem Familienbild unserer Kirche. Fast alle Unverheirateten wollen später heiraten. Viele aber wollen sich offenbar nicht gänzlich unvorbereitet in ihr Glück stürzen: Mehr als 80 Prozent der deutschen Katholiken sprachen sich für „probeweises“ Zusammenleben vor der Ehe aus.

Von Andreas Kaiser