25.09.2013

Ein Ehemann begleitete seine krebskranke Frau mit der Kamera

Ihre gemeinsame Schlacht

Jen ist tot. Das Bett ist leer. Sie ist an Brustkrebs gestorben. Ihren Weg mit der Krankheit hat ihr Mann Angelo in Fotos festgehalten. Auf seinem Blog postet er heute noch Bilder. Eine Liebeserklärung über den Tod hinaus.

Screenshot des Blogs

Angelo wusste sofort, dass Jennifer die Richtige ist. „Ich wusste es - so wie mein Vater als er im Winter 1951 vor seinen Schwestern „I found her“ sang, nachdem er meine Mutter kennengelernt hat“, schreibt er. Keine zwei Jahre später heiraten die beiden. Fünf Monate nach der Hochzeit die Diagnose: Jen hat Krebs. Es beginnt eine Zeit voller Krankenhausaufenthalte, Behandlungen mit Medikamenten, Angst und Zweifeln.

Angelo ist leidenschaftlicher Fotograf. Schon immer hat er in Urlauben oder Zuhause fotografiert. Eines seiner Lieblingsmotive: seine Frau Jen. Auch während ihrer Krankheit ändert sich das nicht. Für ihre Freunde stellen Jen und Angelo die Fotos ins Internet. Sie erfahren viel Unterstützung und Anteilnahme. Das ändert sich, als Jens Krebs streut. Viele Freunde wissen nicht, wie sie damit umgehen sollen. Sie scheinen sich abzuwenden. Durch die Fotos im Internet finden die Merendinos und ihre Freunde wieder zueinander. Die Beiden entscheiden sich, den Blog öffentlich zu machen. Sie wollem dem Krebs ein Gesicht geben. Im Dezember 2011, nach 2 Jahren Kampf gegen die Krankheit, stirbt Jen in den Armen ihres Mannes. „Ich habe alles geliebt“, sind ihre letzten Worte.

Er rasiert ihre Haare ab

Die ausgefallenen Haare in ihren Händen. Es sind
diese Bilder, die den Besucher so berühren.

Doch die Geschichte ihrer Liebe endet hier noch nicht.„The Battle We Didn’t Choose – My Wife’s Fight With Breast Cancer“ heißt Angelos Blog, auf dem er seit ihrem Tod regelmäßig Fotos veröffentlicht. (Übersetzt: „Die Schlacht, die wir uns nicht ausgesucht haben – Der Kampf meiner Frau gegen den Brustkrebs“) Der Blog und die gleichnamige Facebook-Seite zeigen das Leben mit Krebs und die Liebe in ganz persönlichen Bildern. Man sieht, wie Angelo seiner Frau die Haare abrasiert. Oder Hände in Großaufnahme, in denen Haare liegen. Alltagsmomente einer Krankheitsgeschichte. Man sieht Jennifer mit einer Gehhilfe über die Straße gehen. Oder, wie sie mit einer Freundin im Bett liegt. Die Bilder sind schwarz-weiß, dadurch entfalten sie noch mehr Kraft. Auch Videos mit gemeinsamen Bildern oder Interviews findet man auf Angelos Blog.

„Sie hat mir beigebracht zu lieben“

Er würde für immer in Jen verliebt sein, sagte Angelo in einem Interview mit dem „Zeit Magazin“. „Du musst mir in die Augen schauen. Nur so kann ich den Schmerz ertragen“, hatte Jen zu ihm gesagt. Die Zeit mit Jen war die Schönste seines Lebens: „Sie hat mir beigebracht zu lieben, zuzuhören, an mich und andere zu glauben.“

Bis zum Schluss haben die beiden gemeinsam gekämpft.

Der Blog ist eine bewegende Liebeserklärung. Traurig schön und trotzdem voller Kraft. Und er hat noch eine andere Botschaft. Da ist ein Alltag mit Krebs. Es gilt, nicht aufzugeben und das Leben zu genießen. Auf vielen Bildern lacht Jen. Vor allem sind es Fotos, auf denen die beiden gemeinsam zu sehen sind. „Ich habe die Kamera eine Armlänge entfernt gehalten und ein Foto gemacht“, sagt Angelo. „Das sind die Fotos, die Jen am Liebsten mochte.

 

Ihre Webreporterin Stefanie Thölken