29.04.2014

Anwohner und Denkmalschützer machen sich für den Erhalt der Maximilian-Kolbe-Kirche stark

Ist diese Kirche noch zu retten?

Die Profanierung ist beschlossen, Kaufverträge sind unterzeichnet, die Abrissgenehmigung ist momentan noch ausgesetzt – das Schicksal der Maximilian-Kolbe-Kirche scheint endgültig besiegelt. Doch es werden immer mehr Stimmen gegen den geplanten Abriss laut.

Auf dem Podium (v.l.) Professor Jörn Walter, Stephan Dreyer, Anna Katharina Zülch
von der Architektenkammer, Moderator Helmuth Barth, Vorsitzender des Denkmalvereins,
Andreas Kellner und der SPD-Bezirksabgeordnete Klaus Lübke.     Foto: Greve

In einer vom Verein „Freunde der Denkmalpflege“ initiierten Diskussionsveranstaltung im Bürgerhaus Wilhelmsburg mit rund 150 Besuchern wurde bekannt, dass die Malteser als katholische Organisation das an die Maximilian-Kolbe-Kirche angrenzende Alten- und Pflegeheim übernehmen wollen. Voraussetzung ist eine Erweiterungsmöglichkeit der Einrichtung – und dafür ist das von Denkmalschutz- und Architekturfachleuten als herausragend bewertete Kirchengebäude im Weg. Der Abriss ist laut Aussage von Stephan Dreyer, Beauftragter des Erzbistums Hamburg bei Senat und Bürgerschaft, Bestandteil der Verträge. Der zuständige Kirchenvorstand hätte den Weg mit einem gültigen Beschluss dafür frei gemacht.

Bernadina Schulte vom Pfarrgemeinderat St. Bonifatius hat dazu eine andere Auffassung. Seit rund fünf Jahren würde der mögliche Abriss bereits intern diskutiert, auch habe es immer wieder Druck „von oben“ gegeben – meist mit der Argumentation, dass die Arbeitsplätze des Alten- und Pflegeheimes ansonsten gefährdet seien. Einen solchen „Druck“ wollte Stephan Dreyer nicht bestätigen, es habe aber ein Drängen nach einer tragfähigen Entscheidung gegeben, um die wirtschaftliche Basis des Alten- und Pflegeheims zukunftsfähig zu machen und damit letztlich den Erhalt zu sichern.

Auch wenn die Maximilian-Kolbe-Kirche nicht mehr zu kirchlichen Zwecken benötigt werden sollte, sei die Kirche in der Pflicht, solche herausragenden Bauten der Nachwelt zu erhalten, so der Tenor der leidenschaftlichen Plädoyers am Diskussionsabend. Entsetzt zeigte sich Oberbaudirektor Professor Jörn Walter über den geplanten Abriss: „Als Bauwerk gehört diese Kirche ganz ohne Frage zu den wirklich bedeutenden Nachkriegskirchen, die wir in Hamburg haben. Das ist ein Teil unserer Kulturgeschichte, und deswegen kann man nicht einfach im stillen Kämmerlein entscheiden, wir reißen die Kirche jetzt ab!“ Er selbst habe erst vor einigen Tagen von den Planungen erfahren. Walter versprach alle in seiner Verantwortung stehenden Möglichkeiten des Bau- und Planungsrechtes auszuschöpfen. 

Nach der Diskussion soll es jetzt ein Gespräch zwischen Denkmalschützern, den Maltesern als neuen Grundstückeigentümern und Betreibern sowie dem Erzbistum Hamburg geben. Ein Hoffnungsschimmer für den Oberbaudirektor wie auch für Hamburgs obersten Denkmalschützer Andreas Kellner. „Wir gehen davon aus, dass dies nicht das Ende, sondern ein Anfang für neue Planungen ist.“ Erst im Dezember sei der Denkmalschutzchef von den bereits fertigen Abriss-Planungen informiert worden. Dabei hätte gerade die Internationale Bauausstellung IBA im vergangenen Jahr einen Rahmen zur Erörterung zusätzlicher Hilfsmaßnahmen bieten können.

Der Leiter des Denkmalschutzamtes sagte jedoch auch jetzt noch „eine substanzielle“ Unterstützung seiner Behörde für den Erhalt des Kirchengebäudes zu. Das Erzbistum Hamburg forderte Kellner auf, die von seinem Amt aus rechtlichen Gründen nicht anzufechtende Abrissgenehmigung dauerhaft auszusetzen und ein Moratorium bis zu einer den Erhalt des Gebäudes sichernden Lösung zu erlassen. Die Katholische Kirche hat, anders als andere Eigentümer, die letztgültige Entscheidung über den Umgang mit unter Schutz stehenden Gebäuden. Jedoch schreiben die Richtlinien der Deutsche Bischofskonferenz den Abriss als „ultima ratio“ – als letzte Möglichkeit nach Prüfung aller denkbarer Lösungsansätze fest. Diese sind nach Stand der Diskussion für die 1974 fertig gestellte Kirche möglicherweise noch nicht ausgereizt. 

Ideen über die weitere Nutzung des Kirchengebäude sammelt das Denkmalschutzamt. Vorschläge können bis zum 16. Mai mit dem Betreff „Maximilian Kolbe-Kirche“ an die E-Mail-Adresse: denkmalschutzamt@kb.hamburg.de geschickt werden.

Weitere Infos:
www.hamburg.de/
kulturbehoerde/aktell/4302522/kolbe-kirche-nachnutzung

Text und Fotos: Matthias Greve