24.06.2016

Gemeindeaktion zur Europameisterschaft

Kicken mit dem Zeigefinger

Fußballgucken im Pfarrheim – das machen zur Europameisterschaft einige Gemeinden. Begleitend zum Großereignis kann man aber auch selbst aktiv werden: mit einem Tipp-Kick-Turnier für jedermann.

Kommt auch nicht oft vor: Deutschland steht im Achtelfinale gegen Island. Foto: Miriam Haverkamp

„Am Tisch oben links steht jetzt Kroatien im Achtelfinale gegen Nordirland, oben rechts spielt Italien gegen Albanien. Und wir brauchen an beiden Tischen noch einen Schiri.“ Turnierleiter Christof Hahn sagt an und die Spieler sortieren sich. Mit ihrem Landesfähnchen gehen sie zum Tipp-Kick-Tisch, um ihre Achtelfinals zu spielen. Zweimal fünf Minuten. Und als Gegner stehen sich Kinder und Erwachsene, Männer und Frauen, Jugendliche und Senioren gleichberechtigt gegenüber. Wer gerade selbst nicht spielt, wird zum Schiedsrichter.

„Zum ersten Mal haben wir zur WM 2006 ein Tipp-Kick-Turnier veranstaltet“, erzählt Ludwig Berg von der Gruppe „Männer und mehr“ der Gemeinde St. Elisabeth in Osnabrück. „Auf die Idee gebracht hat uns Christof Hahn, der früher auf Vereinsniveau Tipp-Kick gespielt hat.“

 

Das Spiel macht Spaß - auch wenn man es nicht beherrscht

 Das Spiel macht aber auch dann Spaß, wenn man es nicht wirklich beherrscht. Zwei Fußballfiguren sind auf dem 120 cm x 80  cm großen Feld zu bedienen: der Feldspieler, der mit Hilfe seines beweglichen rechten Beins gegen den Ball tritt, und der Torwart, der sich vor allem nach rechts und links werfen kann. Um zu schießen, reicht ein Fingertipp auf den Kopf des Spielers.

„Ibrahimovic im Angriff ...“ tönt es vom Tisch unten links, wo Schweden sein Viertelfinale bestreitet. „Ah, knapp übers Tor!“ Die Spieler aller Generationen haben offensichtlich Spaß an der Sache. Und Jeremy (11) jubelt grenzenlos, als er für Deutschland den viermal so alten Volker, der für Island antritt, besiegt hat. 4:3 in allerletzter Sekunde.

„Wir tragen das Turnier immer an zwei Sonntagen nach der Messe beim Kirchenkaffee aus“, erzählt Ludwig Berg. „Wir haben jeden Sonntag Kirchenkaffee und ab und zu besondere Aktionen – da ist das für die Leute kein Zusatztermin.“ Und da im Prinzip nicht Personen, sondern Länder gegeneinander spielen, macht es auch nichts, wenn man nicht an beiden Sonntagen kann. „Es kommt oft vor, dass für ein Land die Vorrunde am ersten Sonntag von einem anderen gespielt wird als die Finalrunde am zweiten Sonntag“, sagt Berg. Was obendrein den Vorteil hat, dass alles nicht „tierisch ernst“ genommen wird. Schließlich verliert nicht der Spieler, sondern das Land – und vielleicht „tipp-kickt“ jemand, der in der Vorrunde schon ausgeschieden war, in der Finalrunde für ein anderes Land weiter. „Im Vordergrund steht eindeutig der Spaß“, so Berg. „Obwohl es für die Sieger auch kleine Preise zu gewinnen gibt.“ Fußballfanartikel für die EM natürlich.

Im Gemeindehaus geht es aufs Endspiel zu. Deutschland ist gerade ausgeschieden, und auch der Pfarrer, der für Italien antritt, kommt nicht weiter. „Halte die Sache der Frauen hoch“, bestärkt eine Zuschauerin die letzte im Halbfinale verbliebene Spielerin. Vergeblich: mit 2:4 nach Verlängerung ausgeschieden. Die fußballerische Feierlaune stört das kaum. Und dass schließlich Irland die „EM 2016“ gewonnen hat, wäre im wahren Fußballleben eine echte Sensation.

 

Wie man ein Tipp-Kick-Turnier veranstaltet:

Turnierorganisation: Ein Turnierleiter sollte den Überblick über die Spiele und ihre Ergebnisse behalten und die Partien laut ansagen. Ausgehängte Ergebnislisten erhöhen die Spannung. Zudem braucht man ein kleines Team für Auf- und Abbau. Auch für Getränke sollte gesorgt sein. 

Gespielt wird in vier oder sechs Gruppen à vier Länder. In den Gruppenspielen der Vorrunde tritt jeder gegen jeden an, also sechs Partien pro Gruppe; die beiden Gruppenersten (bei sechs Gruppen plus die zwei besten Dritten) kommen weiter. Ein kleines Startgeld hilft, Preise zu finanzieren.

Zeit: Jedes Spiel dauert 2x5 (2x4) Minuten. Je nach dem, an wie vielen Platten gespielt wird (vier sind ideal), muss man dafür ein bis zwei Stunden einplanen. Die Hauptrunde ist etwas kürzer; beginnend mit den Achtelfinalen umfasst sie 16 Spiele (plus eventuelle Platzierungsspiele). Es empfiehlt sich, das Turnier in vorhandene Aktionen einzubetten (Kirchenkaffee, Pfarrfest, Firmlingstag). Vor- und Hauptrunde auf zwei Tage zu verteilen, ist kein Problem, wenn die Spieler wechseln können.

Material: In vielen Kellern lagern noch alte Tipp-Kick-Spiele; auch bei E-Bay sind sie billig zu bekommen. Hilfreich ist es, ausrollbare Spielfelder auf Spanplatten zu fixieren, damit sie nicht verrutschen. Kleine Länderfahnen machen das Turnier bunt. Man kann Platten aber auch selber bauen (hier die Anleitung).

Weitere Infos, Spielregeln (fast wie im Fußball) und Tipps unter www.tipp-kick.de

Von Susanne Haverkamp