25.06.2014

Aber Weihbischof Norbert Werbs wurde nicht Geograf. Vor 50 Jahren empfing er die Priesterweihe

Lieblingsfach Erdkunde

Als Norbert Werbs zum Priester geweiht wurde, sah die Welt anders aus. Das war vor 50 Jahren, am 1. Juli 1964, in einem Land, das es nicht mehr gibt. 

Er ist seit 50 Jahren Priester: Weihbischof Norbert Werbs, hier beim Fronleichnamsfest am vergangenen Sonntag in Lankow. Foto: Rainer Cordes

 

War es damals leichter oder schwerer, sich für einen geistlichen Beruf zu entscheiden? „So grundlegend anders ist es seitdem gar nicht geworden“, sagt Weihbischof Werbs. „Die Grundfrage ist immer noch, ob man sich Gott für den Dienst zur Verfügung stellt. Nur die Art und Weise, wie man als Priester lebt, hat sich verändert.“ 

Eigentlich hatte der Schüler Norbert Werbs ganz andere Pläne. Sein Lieblingsfach in der Erweiterten Oberschule war Geografie. Und sein Interesse galt der Technik. Meteorologe werden? Oder Ingenieur wie der Vater? Das lag nahe, und schon hatte sich Werbs für einen Studienplatz an der Technischen Universität beworben. 

Zwar hatte Pfarrer Thien seinen Warnemünder Abiturienten vor der Berufswahl geraten: „Überlegt nicht nur, betet!“ Norbert Werbs: „Ich habe gebetet, aber der heilige Geist war zuerst sehr schweigsam.“ Dabei lag der Gedanke, Priester zu werden, nicht so fern. Für den Bruder Ulrich war der geistliche Weg längst beschlossene Sache. „Wir haben Kirche gespielt. Er war immer der Priester, ich der Messdiener.“ Am Ende wurden beide Priester. 

Nach dem Studium und der Priesterweihe – damals immer am Heimatort der Weihekandidaten – wurde Neubrandenburg die erste Kaplansstelle. Dort war die Situation allerdings ganz anders als heute„Der Kaplan war für die Dörfer zuständig.“ Das hieß: sonntags früh aufstehen. Nach der „Hausfrauenmesse“ um 6.15 Uhr durfte der Kaplan „der Erste auf der Landstraße“ sein. Acht Außenstellen waren im Wechsel zu besuchen. In der viel zu kleinen St. Josef-Kirche drängelten sich währenddessen pro Sonntag 1000 Gottesdienstbesucher. 

Als Norbert Werbs 1975 Pfarrer in Neubrandenburg wurde, war eine Erwartung schon klar: Er sollte eine neue Kirche bauen, die heutige St. Josef/St. Lukas-Kirche. Sechs Jahre lang war Werbs Pfarrer in der Viertorestadt, als er von Bischof Heinrich Theissing zu einem persönlichen Gespräch gebeten wurde. Werbs sollte nach dem Willen des Papstes zum Bischof geweiht werden. „Ich hatte keine durchschlagenden Argumente dagegen“, erinnert sich der Weihbischof, also kam es so. 

Seine Bischofsweihe hatte einen politischen Hintergrund. Bisher hatte der Staat die Eigenständigkeit der Kirche respektiert. Aber die zunehmend unruhige Situation war Grund zur Vorsicht. Für den Fall, dass die DDR-Regierung Druck auf kirchliche Personalentscheidungen ausüben würde, wurde jedem amtierenden Bischof ein zweiter an die Seite gestellt. Das war 1981. An eine politische „Wende“ glaubte kaum jemand.  

Warum gab es in der DDR, trotz des politischen Drucks, mehr Priesternachwuchs als heute? Christen waren Berufe verwehrt, die der Seelsorge verwandt sind, wie Lehrer oder Psychologe. Für viele mag deshalb der Priesterberuf  in die engere Wahl gekommen sein, schätzt Nobert Werbs. „Und wir alle wussten: Kirche ist in Not. Wir alle müssen uns für sie einsetzen, wo wir können. Es gab auch nicht so wie heute den Anspruch, dass der Beruf der Verwirklichung der Person dienen soll. Eher stand die Frage an: Wo werde ich gebraucht?“

Kirche in Not, das gilt unter anderen Bedingungen auch für die heutige Zeit. „Ich gehöre nicht zu denen, die alten Zeiten nachtrauern“, sagt Weihbischof Werbs. „Aber die Entwicklung macht mir schon Sorge. Ich glaube zwar, dass die Kirche auch schwere Zeiten übersteht. Aber wie sie dann aussehen wird, da bin ich nicht so siegessicher.“ Prognosen über die Zukunft der Kirche in Mecklenburg mag Norbert Werbs nicht abgeben. „Man kann die Kirche der Zukunft nicht in Sandkastenspielen planen“, sagt er. „Not ist durch nichts zu ersetzen.“ 

Zur Feier des Goldenen Weihejubiläums von Weihbischof Werbs sind alle Katholiken eingeladen: Pontifikalamt am Dienstag, 1. Juli um 18 Uhr in der Propsteikirche St. Anna, Schwerin. Anschließend ist Grillfest auf dem Kirchhof.

Text: Andreas Hüser