20.08.2014

Raphaelswerk: Der „Auswanderer-Rummel“ der vergangenen Jahre hat nachgelassen

Mehr Anfragen von Rückkehrern

Urlaubszeit ist Reisezeit. Und nicht selten wünscht sich so mancher, dass aus dem Trip in den Süden mehr werden sollte: Warum nicht auswandern? Doch inzwischen haben beim Raphaelswerk Beratungen zur Auswanderung abgenommen, Anfragen zur Rückkehr nach Deutschland sind dagegen gestiegen.

So liest sich jedenfalls die Statistik der katholischen Beratungsstelle, die deutsche Auswanderer, aber auch Rückkehrer und binationale Paare berät. „Zur Zeit kommen offensichtlich weniger Menschen auf die Idee auszuwandern, weil die Arbeitsmarktlage in Deutschland sehr viel besser ist als in vielen anderen Ländern der Europäischen Union“, mutmaßt Uta Koch (52), Referentin für Öffentlichkeitsarbeit im Generalsekretariat des Raphaelswerkes in Hamburg. 

Wer in Deutschland einen festen Arbeitsplatz habe, sei jetzt vielleicht weniger risikobereit, sich auf die Jobsuche in einem anderen Land einzulassen. Denn ein Einwanderungsverfahren zu durchlaufen, sei nicht immer einfach, Qualifikationen werden nicht überall einfach anerkannt, und manche Berufe haben andere Ausbildungswege. „Ungelernte haben wenig Chancen“, so Koch. Anders sehe es allerdings aus, wenn Deutsche ein konkretes Job-angebot aus dem Ausland haben. Oder wenn das „Uraltmotiv Liebe“ ins Spiel komme, wie es Uta Koch formuliert.

Damit hat sich der Trend der vergangenen Jahre nicht fortgesetzt. Denn vor vier, fünf Jahren herrschte noch ein regelrechter Auswanderer-Rummel, nicht zuletzt unterstützt durch zahlreiche Fernseh-Sendungen zu dem Thema: „Auswandern rückte so ins heimatliche Wohnzimmer und hat viele Menschen erst auf den Gedanken gebracht: Warum nicht auch ich?“, hat Uta Koch damals registriert. 

Dass in den vergangenen Jahren zugleich die Zahlen der Deutschen, die aus dem Ausland zurückwandern, gestiegen sind, geht als andere Seite der Auswanderung damit einher. „Die Rückkehr ist immer eine mögliche Facette der Auswanderung, das ist uns in der Beratung sehr wichtig“, so Koch. Von allen Anfragen in den Beratungsstellen des Raphaelswerkes betrafen 2012 rund 13 Prozent eine mögliche Rückkehr deutscher Auswanderer, in diesem Jahr liegt die Tendenz schon weit darüber. 

„Spanien ist zum Beispiel beliebt, weil viele Menschen meinen, das Land schon aus dem Urlaub zu kennen“, weiß Uta Koch. „Wir raten jedoch dazu, ein Land mehrmals zu bereisen, auch abseits der Touristensaisons und -pfade. Man sollte alle Jahreszeiten kennenlernen, denn im Regen sieht alles oft ganz anders aus.“ Wichtig sei zudem, die Landessprache zu sprechen: „Bei Vorstellungsgesprächen, bei Behördengängen oder Wohnungsbesichtigungen kommt man mit Deutsch nicht durch.“ Ganz generell warnt sie vor falschen Illusionen: „Man nimmt sich immer selber mit, mit allen Stärken und Schwächen. Wer in Deutschland Schwierigkeiten hat, neue Kontakte zu knüpfen, dem werden im Ausland nicht ohne Zutun alle Herzen zufliegen.“

Ganz generell führen die USA und Kanada auch weiterhin die Wunschliste der Lieblingsländer in den Beratungsgesprächen des Raphaelswerkes, gefolgt eben von Spanien. Österreich liegt auf dem vierten Platz: „Das Reizvolle an Österreich ist, dass man Deutsch spricht und es einen hohen Bedarf an Mitarbeiter in der Gastronomie gibt“, so Koch. Auch von Australien träumen nach wie vor viele Deutsche. 

Uta Koch selbst sieht das Thema Auswandern ganz unromantisch: „Ich bin ziemlich bodenständig und hier mit meinem Umfeld sehr verhaftet“, sagt sie. Sie sei ein großer Frankreich-Fan, aber sie verschwende keinen Gedanken daran, ganz in den Süden zu ziehen. „Regelmäßige lange Frankreich-Urlaube reichen mir, denn mir geht es hier gut.“ Vorbereitet wäre die Referentin jedenfalls, denn als Studentin hat sie ein knappes Jahr an einer französischen Schule gearbeitet. „Diese Zeit hat mich sehr bereichert. Einen Auslandsaufenthalt kann ich jedem empfehlen, er erweitert das Blickfeld.“

Weitere Informationen zur Arbeit des Raphaelswerkes im Internet: www.raphaelswerk.de

Text u. Foto: Monika Sendker