30.11.2016

Mit einem Bischofsgottesdienst beginnt das „ökumenische“ Jahr der Reformation im Norden

Mehr Licht als Schatten

Sich bewegende Muster in den Gewölben, geheimnisvoll schillernde Farben und ein großes Kreuz auf dem Steinboden im Hauptchor, von dutzenden Kerzen illuminiert: Der Schleswiger Dom St. Petri erstrahlte am Vorabend zum ersten Advent in ganz besonderem Licht.

Eine Lichtinstallation und ein Kreuz mit dutzenden Kerzen sorgten für eine besondere Atmosphäre im Schleswiger Dom. Foto: Marco Heinen

„ … und es werde Licht“, unter diesem Motto stand denn auch der ökumenische Auftakt zum Reformationsgedenken; und was sich die Organisatoren zur Gestaltung des Abends hatten einfallen lassen, berührte die Sinne. Eingeladen hatten die evangelische Nordkirche, das Erzbistum Hamburg und die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen und fast 500 Menschen kamen, entzündeten eine Kerze, kamen im Halbdunkel zur Ruhe, lauschten den vielfältigen klassischen und modernen Musikstücken und geistlichen Impulsen und ließen sich für eine gute Stunde verzaubern.

Um Licht ging es auch in der Ansprache des evangelischen Schleswiger Bischofs Gothart Magaard. Immer wieder sei den Menschen – so auch Martin Luther – ein Glaubenslicht aufgegangen, sagte er. Luther habe, unter dem Vorzeichen Christi, die Welt neu gesehen. Der Reformator habe sich aufgemacht, „nicht um eine neue Kirche zu schaffen und um Spaltung zu erzeugen, sondern um mitzuwirken an einer sich erneuernden Kirche“, so Magaard. 

Und doch wisse man um Licht und Schatten und das Trennende zwischen den Kirchen. Doch seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil seien Katholiken und Protes-tanten gemeinsam auf dem Weg vom Konflikt zur Gemeinschaft. Der Auftakt zum Reformationsgedenken sei nicht zufällig an den Anfang des Advent gelegt worden. Vielmehr sei dies „ein Ansporn, den Blick gemeinsam auf das Evangelium von Jesus Christus zu richten und dort eine Quelle des Lichts zu suchen, was uns verbindet und zusammenhält. Und von dort aus auch an den offenen theologischen Fragen zu arbeiten“, so Bischof Magaard.

Erzbischof Stefan Heße nahm den Hinweis auf das Zweite Vatikanische Konzil auf und erinnerte an das Dokument mit dem Titel „Lumen gentium“ (Christus ist das Licht der Völker), für ihn ein Schlüsseldokument des Konzils. Und, als er kürzlich mit Bischof Magaard zusammengesessen habe, so Heße, habe man zuallererst das Verbindende zwischen den Kirchen und Konfessionen betont – etwa die Taufe. „Gott sei Dank steht zwischen unseren Kirchen außer Frage: einmal getauft, immer getauft und ganz zu Christus gehörig“, sagte Heße. Und weiter: „Das verbindet uns alle miteinander, in der Taufe gibt es keinerlei Unterschiede.“ Und in beiden Taufliturgien spiele das Licht der Taufkerze eine besondere Rolle. „Das heißt doch: Wir stellen unser ganzes Leben in das Licht Jesu, das wir aus der Taufe empfangen haben. Deswegen lade ich sie alle ein, in diesem Christusjahr, das wir jetzt miteinander begehen, ihr Leben immer mehr im Licht Jesu anzuschauen und zu sehen“, so der Erzbischof.

Die Botschaft der Bischöfe stieß auf offene Ohren. Peter Mühleck vom katholischen DPSG-Pfadfinderstamm „Stern des Nordens“ aus Rendsburg zum Beispiel zeigte sich „von der Einmütigkeit der Bischöfe“ berührt. „Das war doch ein Zeichen, das die Zwei dort gesetzt haben“, meinte er anschließend. 

Insgesamt hörte man viel Lob für die Gestaltung des Gottesdienstes. Daran beteiligt waren von katholischer Seite das Hamburger Vokalensemble Consonanz unter der Leitung von Norbert Hoppermann sowie das Kieler Vokalensemble Cantemus und der Kinderchor St. Nikolaus unter Leitung von Werner Parecker. Außerdem trugen über 50 Pfadfinder (darunter auch ein Dutzend vom „Stern des Nordens“) zum Gelingen des Abends bei. „Sehr beeindruckend, sehr festlich, sehr feierlich“, fasste es das Ehepaar Hornung aus Schleswig zusammen.

Text u. Foto: Marco Heinen