23.03.2015

Besuch in Neapel

Papst verurteilt Macht der Mafia

Am Samstag besuchte Papst Franziskus die Mafia-Hochburg Neapel. Mitten im heruntergekommenen Stadt- und Problemviertel Scampia prangerte er die Machenschaften der kriminellen Banden an. Beim Besuch im Dom sorgte das "Blutwunder" für einen Höhepunkt.

Der Papst zu Besuch im Problemviertel Scampia in Neapel. Foto: kna-bild

Zum Abschluss seines eintägigen Besuchs in Neapel ist Papst Franziskus auf der Küstenpromenade der Stadt mit Zehntausenden Jugendlichen sowie mit Familien und alten Menschen zusammengetroffen. Die Jugendlichen der von Arbeitslosigkeit und Mafia-Kriminalität geprägten Region rief er auf, niemals die Hoffnung auf eine bessere Zukunft zu verlieren und dabei auf Gott zu vertrauen. Er lasse die Menschen niemals im Stich. Zugleich müsse die Gesellschaft aber auch die Alten schätzen. Sie brächten wertvolle Lebensweisheit mit, auf die eine Gesellschaft angewiesen sei.  

Abermals verurteilte Franziskus eine soziale "Wegwerfkultur", die Greise und Kinder entsorge und den Menschen zu wenig Perspektiven biete. Entlang der Küstenstraße jubelten dem Papst im offenen Papamobil rund 100.000 Menschen zu. Schließlich begab er sich zum Hubschrauber, der ihn zurück in den Vatikan brachte. 
 

"Die Zeit der Befreiung Neapels ist angebrochen"

Franziskus rief die Politik zur Verantwortung,
eine Perspektive für die Menschen zu schaffen.
Foto: kna-bild

Franziskus war am Morgen zunächst zum Marienheiligtum "Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz" geflogen und hatte dort vor dem Gnadenbild gebetet. Danach flog er in das Brennpunktviertel Scampia im Norden Neapels. In dem von Armut, Verfall und Drogengewalt geprägten Neubau-Quartier mahnte der Papst die städtische Politik zur Verantwortung für die perspektivlosen Menschen. Korruption dürfe es nicht geben. Bei einer Messe in der Innenstadt mit 60.000 Teilnehmern wandte er sich in scharfer Form gegen das organisierte Verbrechen. Die Menschen müssten sich entschlossen gegen die Machenschaften der Mafia zur Wehr setzen, rief er aus. "Die Zeit der Befreiung Neapels ist angebrochen", so Franziskus. 

In einer örtlichen Haftanstalt nahm er danach gemeinsam mit Häftlingen das Mittagessen ein. In seiner Rede kritisierte er unwürdige Zustände bei der Unterbringung in italienischen Gefängnissen. Auf dem Programm standen auch Begegnungen mit Kranken und Behinderten in der Kirche Gesu Nuovo sowie mit Klerikern und Ordensleuten im Dom von Neapel. Den Geistlichen trug er auf, einem "Geist der Armut" zu folgen. Die Kirche leide zu oft unter Geldskandalen. 

Im Dom sorgte das "Blutwunder des heiligen Januarius" für einen Höhepunkt: Nachdem der Papst die Ampulle mit dem geronnenen Blut des um 305 getöteten Märtyrers und Stadtpatron Neapels ergriffen und geküsst hatte, verflüssigte sich die Substanz etwas. Die Anwesenden reagierten darauf mit lautem Applaus. Üblicherweise kommt es nur an drei festen, anderen Terminen im Jahr zu dem Phänomen.

kna