14.12.2016

Künftiger Pastoraler Raum Flensburg – Kappeln legt sein Pastoralkonzept vor

Perspektivwechsel im Norden

„Mit Christus unterwegs“, so lautet die Überschrift über dem Pastoralkonzept des Pastoralen Raums Flensburg – Kappeln, das Erzbischof Stefan Heße kürzlich bestätigt hat. Es soll an diesem Wochenende den Gläubigen in den Gottesdiensten zwischen Glücksburg und Damp vorgestellt werden. 

Unternahmen eine kleine Klettertour für ein
Foto vor St. Marien (v. li.): Pfarrer Stefan Krinke,
Claudia Linker und Georg Hillenkamp.
Foto: Heinen

 

Eigentlich, so sagen Pfarrer Stefan Krinke sowie Claudia Linker und Georg Hillenkamp von der Arbeitsgruppe Öffentlichkeitsarbeit des Gemeinsamen Ausschusses, seien sie ja schon seit 2013 auf einem gemeinsamen Weg zum Pastoralen Raum. Als klar wurde, dass die Pfarreien von Flensburg und Kappeln künftig eine gemeinsame Großpfarrei bilden werden, habe schon ein Perspektivwechsel stattgefunden, sagt Georg Hillenkamp, Kur- und Urlauberseelsorger in Damp. „Und wenn man einen anderen Blick hat, arbeitet man auch anders“, sagt er. Mit der Arbeit am Pastoralkonzept wurde jedoch vor eineinhalb Jahren begonnen. Dafür wurde unter anderem eine Sozialraumanalyse erstellt und eine große Fragebogenaktion gestartet. 560 Fragebogen wurden letztlich ausgefüllt zurückgesandt.

Dabei ging es um Fragen „zur gesamten Bandbreite kirchlicher Dienstleistungen“, wie es Claudia Linker ausdrückt: Welche Wünsche gibt es? Welche Bedürfnisse haben die Gläubigen? Was ist besonders wichtig? Was fehlt? „Jede und jeder hatte Gelegenheit, das Herz zu öffnen“, sagt sie. 

In der Stadt, auf dem Land und dazwischen, da sind die Bedürfnisse unterschiedlich. Und der Pas-
torale Raum Flensburg – Kappeln mit rund 12 000 Katholiken (davon 9 000 in Flensburg) auf 1500 Quadratkilometern hat von allem etwas. „Das Mittel des Fragebogens ist eine Form, die Leute mitzunehmen“, sagt Pfarrer Krinke.

„Was verbindet uns mit unserem Glauben und was bedeutet das für unseren Weg als neue Gemeinde?“, war eine der zentralen Fragen bei der Entwicklung des Pastoralkonzepts. „Herausgekommen sind zwölf Leitbilder“, erläutert Claudia Linker. Leitbilder mit Jesus Christus als Kompass: „Jesus, der Baumeister“, „Jesus, der Förderer“ oder „Jesus, der Geduldige“ lauten drei der zwölf Überschriften. „Jesus, der Baumeister“ meint zum Beispiel Jesus den Zimmermann, der wusste, wie man stabile Häuser baut. Übersetzt für die Pfarrei heißt das, die Kirch-Standorte und das eigene Engagement auf die Zukunftsfähigkeit hin zu überprüfen, zugleich aber Zukunftsträume nicht aufzugeben.

„Jesus, der Förderer“ wiederum beschreibt den Blick des Herrn für den Nachwuchs. Neben der Sakramente-Katechese ist damit konkret gemeint, die Zusammenarbeit mit Schulen, Sportvereinen oder auch evangelischen Nachbargemeinden in der Jugendarbeit zu verstärken. 

Zwischen Flensburger Förde und Schlei soll es nicht so sehr um die Konfession gehen, sondern vielmehr um die Frage, wie eine „Christusverbundenheit“ erreicht werden kann, wie
Georg Hillenkamp erläutert. Nicht zuletzt deshalb soll das Pastoralkonzept auch den Partnern in der Ökumene zugeschickt werden. 

Ein Schwerpunkt wird sein, die verschiedenen Kirchstandorte, Orte pastoralen Lebens und die kirchlichen Verbände untereinander besser zu vernetzen. „Wir wollen den Blick für den Raum weiten und die Orte kirchlichen Lebens einbinden“, so Pfarrer Krinke. Der Besuch von Firmlingen im Hospiz oder bei der Gefängnisseelsorge ist ein solcher Schritt, die Dinge mit anderen Augen zu sehen und Orte kirchlichen Lebens ins Bewusstsein zu holen.

Verkündigung, Zeugnis geben, Nächstenliebe praktizieren und Verbundenheit pflegen, diese vier Grundaufgaben von Kirche strukturieren das Pastoralkonzept und sollen durch die Gläubigen mit Leben erfüllt werden. Deshalb soll es in dem Pastoralen Raum nicht so sehr um eine starre Standortbestimmung gehen, sondern vielmehr um die Formulierung von drei-Jahres-Zielen – um dann zu schauen, was gut war und was besser werden muss. „Wir müssen immer wieder gucken, was die Herausforderungen der Zeit sind“, meint Kurseelsorger Hillenkamp.

Konkret vorgenommen hat man sich zum Beispiel die Organisation „katechetischer Tage“: Ob und wie kann man als Katholik über seinen Glauben Auskunft geben? Darum soll es gehen und zwar generationsübergreifend, wie Pfarrer Krinke betont, „weil wir merken, dass ein Schwinden des Glaubenswissens festzustellen ist“.

Mit künftig zwei Priestern, zwei Stellen für pastorale Mitarbeiter und einer halben Stelle für die Hochschulseelsorge wird man stärker als bisher auf die Mitarbeit von Ehrenamtlichen angewiesen sein. Gut 200 sind es derzeit. Wobei im Pastoralkonzept ganz bewusst von „Freitätigen“ die Rede ist, ein Begriff aus dem Schweizerischen. „Ehrenamt klingt immer so nach Amt und amtlich“, sagt Hillenkamp. Ob sich dieser Begriff allerdings durchsetzen wird, auch das wird erst die Zukunft zeigen.

Text u. Foto: Marco Heinen