14.05.2012

Wer den Glauben verbreiten will, muss ein Tabu brechen.

Reden Sie über Gott!

Religion gilt als Tabuthema. Etikettetrainer warnen davor, religiöse Themen im Small-Talk anzusprechen. Doch wenn wir nicht über Gott reden, können andere nicht von ihm erfahren. Brechen wir das Tabu – reden wir über Gott!

Elisabeth Bonneau mahnt zur Vorsicht: „Ich habe noch nie erlebt, dass jemand von sich aus über Religion gesprochen hat. Ich würde davon abraten“, sagt die Kommunikations- und Etikettetrainerin aus Freiburg. Wie soll etwa ein gläubiger Christ reagieren, wenn man bei einem Geschäftsessen stolz erzählt, dass man aus der Kirche ausgetreten ist? Also besser gar nicht über solche Themen reden. Für Elisabeth Bonneau liegt das aber nicht daran, dass es um Religion geht. „Besser vermeiden“ gilt auch für Politik. Themen, die zum Wertesystem eines Menschen gehören, können andere provozieren und einem Gespräch einen unangenehmen Verlauf geben.

Auf der Straße über Gott sprechen

Doch es gibt Menschen, die setzen sich über dieses Tabu hinweg. Sie reden über Religion. Auf der Straße. An Haustüren. Wie Johannes Schäfers. Seit einem Jahr tourt der Religionspädagoge für das Bonifatiuswerk durch Deutschland: „Zeig draußen, was du drinnen glaubst“ steht auf seinem gelben Bulli. Er ist mit den Menschen über Gott ins Gespräch gekommen. Manche haben abgeblockt: „Ich brauche Gott nicht.“ Andere waren froh, dass sie endlich einmal Fragen loswerden konnten. Mit Hausbesuchen will die Gemeinschaft Emmanuel für den Glauben werben. Auch hier gibt es Ablehnung, verschlossene Türen, aber auch Menschen, die sich freuen, sich zum Gebet einladen lassen.
Diese modernen Missionare geben Zeugnis, sprechen aus, dass sie an Gott glauben, erzählen, was das Gebet für sie bedeutet. Ungewohnt für uns. Sind wir doch gewohnt, dass sich um Glaubensfragen die Fachleute – Priester und pastorale Mitarbeiter – kümmern. Über den Glauben zu sprechen, haben viele Gläubige nicht gelernt.

Doch das Tabu gilt nicht ohne Grund: Wer es bricht, geht ein Wagnis ein.  „Wer viel weiß, wirkt leicht belehrend“, sagt Elisabeth Bonneau. „Man muss sehr sensibel sein, weil man auch schnell Fehler machen kann. Der erhobene moralische Zeigefinger geht dabei gar nicht“, sagt ein Mitglied der Gemeinschaft Emmanuel. Ganz demütig müsse man etwa ertragen, wenn jemand kein Gespräch will – und sich nicht aufdrängen.

Mission ist keine Mitgliederwerbung

Zwei Dinge sind wichtig, wenn wir von Gott sprechen wollen: Wir müssen Dinge selbst erlebt haben, nicht nur theoretisch sprechen, sondern Zeugnis geben können. Und: Es kommt auf die Grundhaltung an. Und die darf nicht lauten, Menschen als Nachwuchs für die Kirchengemeinde oder den Verband zu gewinnen. Das Sprechen von Gott muss getrieben sein von der Liebe. Zu Gott. Zu den Menschen. Ich spreche von Gott, weil ich glaube, dass der andere Mensch Gott erfahren sollte, die Kraft des Glaubens an IHN.

Ulrich Waschki

Im Interview spricht Johannes Schäfers über die Erfahrungen seiner Missionsreise. Lesen Sie hier.