10.12.2014

Die St. Maximilian-Kolbe-Kirche wird Stadtteil-Begegnungszentrum in Wilhelmsburg

Sanierung statt Abriss

Die St. Maximilian-Kolbe-Kirche in Wilhelmsburg ist nicht nur ein markantes Baudenkmal, sondern zugleich ein Wahrzeichen des Viertels. Das ist in den vergangenen Monaten, als heftig über den geplanten Abriss der Kirche diskutiert wurde, deutlich geworden. Jetzt ist klar: Die Kirche bleibt erhalten.

 

 

Die Maximilian-Kolbe-Kirche und das benachbarte Alten- und Pflegeheim.        Foto: Sendker

Mit ihrer ungewöhnlichen Spiralform erinnert sie an ein Ohr, andere sprechen – etwas respektlos – von einer Klorolle. Gerade wegen dieser Form zählt der Kirchbau als Beispiel der Spätmoderne zu den eindrücklichsten Denkmälern der Stadt, wie Hamburgs Kultursenatorin Barbara Kisseler (parteilos) betont. Um so erleichterter war die Senatorin nun, dass sie gemeinsam mit Vertretern des Erzbistums und der Malteser Norddeutschland gemeinnützige GmbH (gGmbH) den Erhalt der Kirche verkünden konnte. Ein Abriss der Kirche, wie ihn das Erzbis-tum Hamburg wegen der hohen Sanierungskosten angekündigt hatte, ist vom Tisch.

Stattdessen wird das 1973 vom Architekten Jo Filke erbaute Gotteshaus saniert und für eine neue Nutzung umgebaut. Aus der Kirche soll ein Zentrum der Begegnung für den Stadtteil werden, mit Angeboten für Alt und Jung, zum Beispiel für demente Senioren. Ein genaues Konzept soll im Frühjahr vorgestellt werden.

Von einem „vorgezogenen Weihnachtsgeschenk“ sprach die Kultursenatorin. Die St. Maximilian-Kolbe-Kirche sei „eines der bedeutendsten Bau- und Kulturdenkmäler der Stadt und auch ein sozialer Anker für das Quartier“. Es sei ein „bundesweites, ja europaweites Problem“, dass Geld für die Sanierung von Kirchen aus den 50ern, 60ern und 70ern fehle. Zu Unrecht werde die Architektur dieser Kirchen oft schlecht geredet. Die Rettung der Wilhelmsburger Kirche sei ein gutes Beispiel, was ein konstruktiver Dialog im Denkmalschutz bewirken könne, so Kisseler.

Rund 900 000 Euro soll die Außensanierung der Kirche kosten, deren Dach undicht und deren Betonfassade marode ist. An den Kosten beteiligt sich der Bund mit 400 000 Euro, das Denkmalschutzamt Hamburg mit 350 000 Euro, die Hamburger Stiftung Denkmalpflege mit 50 000 Euro, das Erzbistum mit 100 000 Euro. Aus einer zweckgebundenen Erbschaft kommen 100 000 Euro.

Neuer Eigentümer der Kirche ist die Malteser Norddeutschland gGmbH, die auch Träger des Heims ist. Deren Geschäftsführer Klaus Deitmaring zeigte sich erfreut über die Unterstützung bei der Sanierung der Kirche und kündigte an, für den Innenausbau rund 1,5 Millionen Euro bereitzustellen. Das geplante Begegnungszentrum solle junge wie alte Wilhelmsburger ansprechen. Bürgern mit Migrationshintergrund solle eine sozialpflegerische Ausbildung angeboten werden, die ihnen bei der Pflege ihrer Angehörigen helfen könne.

Im Innenraum der Kirche werde eine kleine Kapelle für die Bewohner des Heimes Platz finden, erläuterte Deitmaring weiter. Für die Sanierung des Alten- und Pflegeheims wollen die Malteser rund 6,5 Millionen Euro ausgeben. Zuerst werde man neben Heim und Kirche eine Anlage für Betreutes Wohnen errichten, in die man die Heimbewohner während der Bauarbeiten ausquartieren könne. Erst danach könne man mit der Sanierung auch des Heimes beginnen. Die Zahl der Heimplätze wird dabei von 136 auf 120 reduziert, dafür sollen alle Bewohnerzimmer mit eigenen Sanitärräumen ausgestattet werden. 

Nach intensiven Verhandlungen sei es zu einer Lösung gekommen, „bei der die Interessen aller Beteiligten berücksichtigt werden“, sagte der Geistliche Rat Georg Bergner, ständiger Stellvertreter von Hamburgs Diözesanadministrator Ansgar Thim. Besonders froh sei er, dass es gelungen sei, die Zukunft des benachbarten Alten- und Pflegeheims St. Maximilian Kolbe zu sichern. Zunächst habe es so ausgesehen, als ob die Sanierung des Heims mit dem Erhalt der Kirche nicht zu vereinbaren sei. Nun könne St. Maximilian-Kolbe künftig deutlich karitativer und vielfältiger in den Stadtteil hineinwirken. 

Das Erzbistum habe nicht erwartet, dass sich aus der Mitte des Stadtteils ein solcher Widerstand gegen die Abrisspläne entwickeln würde, gestand der Priester. „Mit der Pfarrei St. Bonifatius, der katholischen Schule, der Kita und dem Krankenhaus Groß Sand bleibt die katholische Kirche stark auf der Elbinsel vertreten.“

Text: Monika Sendker/kna