21.09.2016

Eine Flüchtlingsgemeinde mit erstaunlicher Geschichte – die Josefs-Gemeinde in Trappenkamp feiert 50. Kirchweihjubiläum

Wo Bunker standen, leuchtet jetzt Licht in vielen Farben

Die Sankt-Josef-Kirche in Trappenkamp hat eine besondere Geschichte. Am vergangenen Sonntag feierte die Gemeinde das 50. Kirchweihfest. Vor 50 Jahren wurde ihre Kirche geweiht –
an einem Ort, der wenige Jahre zuvor gar kein Ort war. 

Am Altar (v.l.) Dompropst em. Nestor Kuckhoff, Pfarrer Peter Wohs, Diakon Bogislav von Langenn-Steinkeller, die „ehemaligen“ Pfarrer Heinrich Schröder und (verdeckt) Paul Boon. Foto: Ulrich Schöneberg

Die ersten Katholiken am Ort lebten in Bunkern. Es waren Vertriebene und Flüchtlinge, die nach dem Krieg in ehemaligen Munitionslagern der Kriegsmarine untergebracht wurden. Aus diesen 142 Bunker-Unterkünften ist der Ort Trappenkamp erst entstanden, vorher existierte er gar nicht. Und mit den Flüchtlingen kamen die Katholiken, 1100 waren es in den ersten Nachkriegsjahren. Weil es das Flüchtlingslager gab, wurde Trappenkamp zu einem kleinen katholischen Zentrum, mit einer eigenen Kirche, die auch einmal als Munitionslager gebaut worden war. Die St. Josefskirche, deren 50. Kirchweihetag am vergangenen Sonntag gefeiert wurde, ist schon die zweite katholische Kirche am Ort. Der Vorgängerbau, aus dem sie durch einen Umbau entstanden ist, war nach wenigen Jahren zu klein geworden. 

Die neue St. Josefskirche wurde 1966 schon im Geist der bevorstehenden Liturgiereform und im Stil der Moderne gebaut. Glasfenster brechen das Sonnenlicht zu farbigen Strahlen, Altarraum und Kirchenschiff bilden eine Einheit. Hier kommt heute eine nicht sehr große, aber lebendige Gemeinde zusammen. Und wie in der Anfangszeit spielt die Wanderung von Katholiken eine Rolle. „Ein großer Teil unserer Gemeinde kommt aus Polen“, sagt Gemeindereferentin Gabriele Kief. „Wir legen Wert darauf, dass sie sich bei uns heimisch fühlen, und das gelingt uns auch.“ So werden bei der Erstkommunionfeier auch Lieder auf polnisch gesungen, und nach den Messen gibt es Raum für Begegnungen. Ein Seniorenclub, die Ministrantengruppe und eine kfd-Gruppe bereichern das Gemeindeleben. Und zu den Spezialitäten von St. Josef gehört seit zehn Jahren der „Spontanchor“. Dieser Chor probt immer nur, wenn ein besonderes Ereignis oder eine Chormesse auf dem Programm steht. Eine Probe reicht, und mitsingen darf jeder, der zu dieser Probe kommt. „Im Laufe der Zeit haben wir schon ein gutes Repertoire entwickelt“, sagt Gabriele Kief. 

In der Festpredigt berichtete der emeritierte Dompropst Nes-tor Kuckhoff von eigenen Erfahrungen mit der Kirche in Trappenkamp, wo er von 1974 bis 1979 Pfarrer war. Bürgermeister Harald Krille lobte in seinem Grußwort die gute ökumenische Zusammenarbeit und gab der Gemeinde eine gute Zukunftsprognose: Trappenkamp werde in den kommenden Jahren durch Neubaugebiete wachsen, somit werde auch die Gemeinde größer. Auch die Kreistagsabgeordnete Cordula Schultz lobte die gute Kinder- und Jugendarbeit der Katholiken – ein Einsatz, der sich auf den ganzen Ort positiv auswirke.

Text: Andreas Hüser