09.06.2021

Coronahilfe für Indien

Pater Zephyrin Devasagayam, Kaplan in der Pfarrei Seliger Johannes Prassek, stammt aus einem Dorf im Südosten des Subkontinents. Die Pandemie raubt dort vielen Menschen ihre Existenzgrundlage. Nun wirbt er um Spenden.

Bewohner des indischen Dorfes Thondanandhal im Bundesstaat Tamil Nadu bei der kärglichen Essenszubereitung
Bewohner des indischen Dorfes Thondanandhal im Bundesstaat Tamil Nadu bei der kärglichen Essenszubereitung. Foto: Alwin Devasagaya

Pater Zephyrin Devasagayam ist besorgt. Kein Wunder. Denn sein Vater hat sich mit dem Coronavirus angesteckt. „Es geht ihm schlecht, er kann nicht einmal mehr sitzen“, sagt der Kaplan der Pfarrei Seliger Johannes Prassek im Nordosten Hamburgs. Er macht sich aber nicht nur Sorgen um seinen Vater, sondern, und das schon vor dessen Infektion, um das ganze Dorf Thondanan­dhal im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu, in dem sein Vater lebt und in dem er aufgewachsen ist. Neun Einwohner seien allein im Mai dort an Covid-19 gestorben, berichtet Pater Zephyrin. Aber auch sonst trifft die Pandemie, die sich jüngst aufgrund einer neuen Mutation auf dem Subkontinent rasend schnell ausbreitete, das Dorf hart.

Die Umstände erinnern an die Zustände in der Partnerdiözese des Erzbistums Hamburg, in der argentinischen Provinz Iguaçu. Rund 80 Prozent der Einwohner sind nämlich Tagelöhner. Sie haben weder eine Arbeitslosen- noch eine Krankenversicherung. Meist arbeiten sie auf Zuckerrohrplantagen, die sich rund um das Dorf erstrecken und an ein Naturschutzgebiet grenzen. Doch infolge der Pandemie sind nun viele von ihnen arbeitslos. Auch Pater Zephyrins Bruder Alwin Devasagayam, der sonst als Fremdenführer sein Geld verdient und ihn nun mit Informationen und Fotos aus dem Dorf auf dem Laufenden hält. Viele Bewohner kämpfen schlicht ums Überleben, auch wenn sie selbst nicht infiziert sind. 

Von dem Geld werden Lebensmittel gekauft

Deshalb hat Pater Zephyrin nun eine Spendenaktion in der Pfarrei Seliger Johannes Prassek gestartet. An zwei Abenden stellte er via Zoom die Problematik in seinem Heimatdorf dar. Bis zum 24. Mai waren mehr als 2 600 Euro zusammengekommen. „Zunächst gingen die Spenden an mich und ich habe sie direkt in mein Dorf weitergeleitet, wo mein Bruder die Verteilung an die Bedürftigsten übernommen hat. Nun laufen die Spenden über ein Spendenkonto der Pfarrei“, sagt Pater Zephyrin. Die Gelder würden von dem Pfarreikonto an die Kolpingsfamilie in Thondanan­dhal überwiesen. Sie kauft davon Lebensmittel, die sie zunächst an die Bedürftigsten verteilt. „Dazu wurde unter anderem ein Verkäufer geordert, der mit seinem Wagen voller Reis und anderer Gemüse in das Dorf fuhr.“ Zudem seien von dem Geld Masken erworben worden. Überdies wurde über das Coronavirus und dessen Bekämpfung informiert. „Viele Einwohner haben Angst, sich impfen zu lassen“, berichtet Pater Zephyrin. Außerdem seien viele Bewohner Analphabeten.Doch auch in Indien ist Impfstoff Mangelware. Von den 340 Familien oder rund 2 000 Einwohnern hätten bislang nur 50 eine Erstimpfung erhalten, lediglich 20 auch eine Zweitimpfung, berichtet Pater Zephyrin weiter. Die Vakzine würden in einer Ambulanz gespritzt, die sich in einem etwa acht Kilometer entfernten Dorf befinde. „Und dann wird auch noch oft vergessen, einen Termin für die Zweitimpfung zu vergeben – so geschehen in einem Nachbardorf.“ Hinzu komme, dass die Bewohner die Impfung selbst bezahlen müssten. „Die ist nur in staatlichen Krankenhäusern kostenfrei, in privaten Ambulanzen, Hospitälern oder Apotheken kostet sie umgerechnet etwa acht bis 17 Euro.“ Zur Einordnung: Eine Frau verdient als Tagelöhnerin bis zu drei Euro pro Tag, ein Mann bis zu sieben Euro. Und eine Lehrerin hat an privaten Schulen ein monatliches Salär von bis zu 150 Euro.

„Fühle Verantwortung, den Menschen zu helfen“

Mehr als 80 Prozent der Dorfbewohner sind Katholiken – die übrigen Hindus. „Als ich dort zum Priester geweiht wurde, kamen aus Thondanandhal und Umgebung rund 3 500 Menschen“, erinnert sich Pater Zephyrin. Der Gottesdienst habe daraufhin auf den Platz vor der Kirche verlegt werden müssen. „So fühle ich mich in dieser Situation in der Verantwortung, diesen Menschen zu helfen.“ 

Die meisten Christen Indiens leben in den beiden südlichsten Bundesstaaten Kerala und Tamil Nadu. Der Überlieferung nach gründete der Apostel Thomas dort die ersten christlichen Gemeinden. An der Stelle, wo er um das Jahr 70 den Märtyrertod erlitt, erhebt sich heute in der Landeshauptstadt von Tamil Nadu, Chennai, dem ehemaligen Madras, die St. Thomas Basilika.

Text: Matthias Schatz

Spendenkonto: Katholische Pfarrei Seliger Johannes Prassek, IBAN: DE27 2007 0024 0447 2700 01
BIC: DEUTDEDBHAM, Verwendungszweck: Coronahilfe Z-Dorf, Indien