02.10.2019

Den Aha-Effekt gibt es erst jetzt

Den Forderungen nochmal Nachdruck verleihen: Maria 2.0 Hamburg hat sich für die zweite Andacht mit der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands Hamburg zusammengeschlossen. Der Weg ist lang, das Ziel jedoch klar.

Frauen gestalten Andacht Maria 2.0 vor dem Hamburger Mariendom
Etwa 80 Frauen und Männer standen für ihre Überzeugung ein. Foto: Joanna Figgen

Über Lautsprecher schallten am 27. September die Forderungen von Maria 2.0 über den Kirchenvorplatz des St. Marien-­Doms in Hamburg: Öffnung der Weiheämter für Frauen, Aufhebung des Pflichtzölibats und Aufklärung der Missbrauchsvorfälle.

Eine junge Saxophonistin, die schon eine halbe Stunde vor dem Beginn der Andacht spielte, stimmte die Menge ein. Sie war die einzige Frau unter 30 Jahren zu diesem Zeitpunkt. Eine ältere Frau sagte nach der Andacht zu ihren Begleiterinnen: „Mehr junge Leute müssen kommen. Die sind die Zukunft.“ Eine Freundin antwortete: „Die fehlen aber ja auch in den Gottesdiensten.“ 

Viele junge Leute verabschieden sich von der Kirche – oder sind längst davongelaufen. Entgegen mancher Unkenrufe stelle sich Maria 2.0 auf, um für die Zukunft der katholischen Kirche zu kämpfen, so Eva-Maria Schmitz, Theologin und Initiatorin der Bewegung in Hamburg.

Maria 2.0 wurde dieses Mal durch die Frauen der Katholischen Frauengemeinschaft (kfd) Hamburg unterstützt. Monika Weber, Regionalsprecherin der kfd Hamburg, sagte, dass die Frauengruppen sehr gut zu­einander passten. Die Forderungen seien nahezu identisch. Selbstkritisch fügte sie hinzu: „Manchmal waren wir als kfd wohl zu leise. Wir tragen das ja schon lange mit, aber es gab keinen Aha-Effekt bei den anderen Christen. Den gab es erst jetzt.“

Klar ist, dass Maria 2.0 im Norden weitermachen will, vielleicht mit anderen Aktionen. „Unser Problem ist die Größe des Bistums und die weiten Wege. Zur Andacht sind einige Frauen 200 Kilometer weit gefahren“, so Eva-Maria Schmitz, Sprecherin von Maria 2.0 Hamburg.

Frauen setzen auf einen „hörenden Bischof“

In den vergangenen Monaten ist viel in Bewegung gekommen. Schmitz berichtet von einem Gespräch mit dem Erzbischof, an dem 40 Frauen, Vertreterinnen verschiedener Organisationen, Verbände und Berufsgruppen in der Kirche, teilgenommen haben. „Wir haben unsere Positionen formuliert und einen hörenden Bischof erlebt. Wichtig ist, dass wir Frauen miteinander im Austausch sind.“ 

Beim „synodalen Weg“ wird Maria 2.0 nicht mitmachen. „Maria 2.0 lässt sich nicht einbinden. Wir wollen unüberschaubar bleiben, jenseits der Institutionen.“

Text u. Foto: Joanna Figgen