24.06.2020

Der heilige Kilian im Norden

1930 haben katholische Siedler zum ersten Mal das Fest des heiligen Kilian in Schwetzin gefeiert. Das 90. Kiliansfest sollte eigentlich ein großes Ereignis werden. Aber es wird ausfallen. Das ist bisher nur 1945 passiert. 

Aufführung beim Kiliansfest in Schwetzin
Abends im Zelt, mit Tanz und Aufführungen.  Archivfoto.

Es wird wegen der Corona-Krise kein großer Tag wie gewohnt. Trotzdem lohnt es sich, an die 90jährige Geschichte der Kilianstage zu erinnern. Das tut Gerhard Peitz in folgendem Rückblick: 

Nachdem 1927 der Baron von der Kettenburg in Matgendorf Konkurs anmelden musste, übernahm die Landgesellschaft Schwerin die Ländereien, um sie zu besiedeln. Das damalige Reichssiedlergesetz besagte, dass an einem Ort immer nur eine Konfession siedeln durfte. Der Baron von der Kettenburg war einer der wenigen katholischen Gutsbesitzer in Mecklenburg. Er äußerte den Wunsch, dass sein Land von Katholiken besiedelt würde. Daran hielt sich die Landgesellschaft und warb in Franken, Rheinland und Westfalen junge Bauernsöhne, um in Mecklenburg Land zu erwerben und selbstständige Bauern zu werden. 

Im Frühjahr 1929 unterschrieben die ersten Siedler Kaufvereinbarungen. Jeder erhielt im Durchschnitt 16 Hektar Land sowie eine neu errichtete Bauernstelle. Die Höfe waren alle in kurzer Zeit von einer Laager Baufirma erstellt worden. 

Bei aller Arbeit stand für die jungen Bauernfamilien immer wieder die Frage nach einer Kirche. Die nächste war in Teterow. In Matgendorf gab es eine Kapelle im Schloß, wo alle 14 Tage ein Gottesdienst stattfinden durfte. Im Juni 1929 fanden erste Verhandlungen zu einem Kirchenbau in Groß Wüstenfelde statt, an der hochrangige Persönlichkeiten aus Schwerin, Rostock, Berlin und Unterfranken teilnahmen. Aber die Planungen zerschlugen sich und aus dem Bau wurde nichts. 

Im Frühjahr 1930 war die Besiedlung des Gutes Matgendorf so gut wie abgeschlossen und in der Kapelle in Matgendorf wurde es zu eng. So wurden an den Ostertagen 1930 je 400 Kirchenbesucher gezählt, die sich in mehreren Nebenräumen aufhielten. 

Ziel des Kiliansvereins: eine Kapelle bauen

In Schwetzin, wo überwiegend Franken gesiedelt hatten, wurde Ostermontag 1930 der Verein „St. Kilian“ gegründet, der sich zur Aufgabe machte, eine eigene Kapelle zu bauen. Zu diesem Zweck stellte Bauer Wohlfahrt einen Teil seines übergroßen Gebäudes zur Verfügung, das zu Gutszeiten Pferdestall war. 

Am 4. Mai 1930 schloß der Kiliansverein mit Baumeister Meinke aus Laage einen Vertrag über den Bau der Kapelle, die bis zum 8. Juli fertig gestellt sein sollte. Das Geschäft wurde, so der Chronist, nach löblicher Sitte mit dem Konsum etlicher Kästen Bier besiegelt. Pünktlich zum Kiliansfest, war die Kapelle fertig. Aber kein Geistlicher durfte dort die Messe feiern, weil dies von Osnabrück aus untersagt wurde. Am Abend kam dann aus Teterow eine Nachricht, dass am nächsten Morgen ein Gottesdienst stattfinden dürfe. Das erste Hochamt in der Kapelle fand am Mittwoch, 9. Juli 1930 um 9 Uhr statt. Die Schwetziner erklärten den Tag zum Feiertag. So wurde mit einem Tag Verspätung das erste Kiliani in Schwetzin gefeiert. 

Am 25. August 1930 besucht der Bischof von Osnabrück, Dr. Wilhelm Berning die Gemeinde und feierte ein Hochamt. Während der Predigt bekamen die Bauern dann einen Staucher. Der Bischof schwang drohend den Hirtenstab ob ihres eigenmächtigen Handels. Aber er zeigte sich dann auch wieder gewogen und brachte Geld vom Bonifatiuswerk mit, sodass den Siedlern nur noch ein Zehntel des aufgenommenen Kredits verblieb. 

In den folgenden Jahren wurde immer der 8. Juli als Feiertag begangen. Er begann morgens mit einem feierlichen Hochamt. Danach machten die Männer einen Frühschoppen. Nachmittags trafen sich die Frauen mit den Kindern zu Kinderspielen und Kaffeeklatsch. Abends wurde zum Tanz aufgespielt. 

1977 kam mit Kaplan Johannes Peter Paul neuer Schwung auch in das Kiliansfest. Es sollte ein Fest für die ganze Pfarrgemeinde werden. Die Frauen sollten nach dem Gottesdienst nicht zuhause kochen, sondern alle sollten zusammen feiern. So bauten wir Zelte auf dem ehemaligen Reitplatz auf. Ein Gastwirt übernahm die Bewirtung für den ganzen Tag, Schlachter Pinnow aus Teterow versorgte uns mit Schinken und Bratwurst. Mittags um 12 Uhr wurde vor der Kirche das Angelus geläutet, geblasen und gesungen. Das ist bis heute Tradition. Am Nachmittag gab es verschiedene Kinderspiele mit Preisen. Abends wurde dann im Saal zum Tanz aufgespielt.

Ein Höhepunkt der Kiliansfeier war 1980 das 50-jährige Kiliani in Schwetzin. Hinzu gab es eine ganze Woche Programm. Das Festhochamt feierte Bischof Heinrich Theissing in der neurenovierten Kilianskapelle. 

Mit der Wende 1989 änderte sich auch für Kiliani einiges. Worauf wir immer stolz waren, dass wir zu sozialistischen Zeiten Kiliani als Feiertag begehen konnten, ließ sich nicht mehr vereinbaren. Zu viele Leute arbeiteten nicht mehr im Dorf, sondern außerhalb. Deshalb entschieden wir uns 1991, das Fest auf das Wochenende nach dem 8. Juli zu verlegen. 

Besonders erfreut hat uns, dass in all den Jahren immer wieder ein Bischof unserer Einladung gefolgt ist und mit uns das Festhochamt gefeiert hat: Bischof Theissing (1980), Weihbischof Werbs (1985), Bischof Hubrich (1989), Weihbischof Jaschke (1999), Erzbischof Thissen (2003 und 2015) sowie Erzbischof Stefan Heße (2018). Das 90. Kiliansfest wird ohne Festgottesdienst sein. Wir sind jedoch guter Dinge und erwarten auch weiterhin in alter Tradition schöne Kiliansfeste. 

Text: Gerhard Peitz