29.06.2022

In der Kirche geht wieder mehr

Katholikenzahlen im Vergleich der Jahre 1995 bis 2021

2021 war das zweite Corona-Jahr, zeitweise war das kirchliche Leben auf Eis gelegt. Und schlechte Nachrichten haben die Zahl der Kirchenaustritte bundesweit in die Höhe schnellen lassen. Das hat auch für den Norden Auswirkungen. Vor allem jüngere Erwachsene haben die Kirche verlassen. Am höchsten ist die Quote bei den 26- bis 30-Jährigen. Es waren in allen Altersgruppen mehr Männer als Frauen.

Was taten diejenigen, die geblieben sind? Wegen Corona ist die Zahl der Gottesdienste gestiegen. Das ist das einzige Plus im Jahresvergleich. Der Grund: „Viele Pfarreien haben mehr Gottesdienste angeboten, weil wegen der Abstandsregeln weniger Menschen in die Kirche passten“, sagt Andreas Wöhrl, Leiter der Stabsstelle Mitgliederkommunikation, Fundraising und Meldewesen. Die Zahl der Gottesdienstbesucher – sie beruht auf einer Zählung an zwei Sonntagen im Jahr – ist aber gesunken. Im Jahr 2021 besuchten nur noch 3,5 Prozent der Katholiken im Erzbistum den Sonntagsgottesdienst.

Die aktuellen Zahlen der Taufen, der Trauungen und Erstkommunionen haben eines gemeinsam: Es waren mehr als im Jahr des Corona-Lockdowns 2020, aber weit unter dem Niveau des normalen Jahres 2019. Der Grund ist leicht zu sehen: Wegen der bestehenden oder voraussehbaren Corona-Beschränkungen wurden Familienfeiern verschoben. „Hochzeiten werden auf ein späteres Jahr verschoben, Taufen aber vielleicht nicht“, sagt Andreas Wöhrl. Es könnte sein, dass Eltern auf die Taufe ihres Kindes verzichten – oder sie gar nicht im Blick haben. Wöhrl, der auch das Fundraising im Bistum leitet, hat darauf reagiert. „Wir bieten allen Pfarreien an, die Daten von Geburten in Familien mit katholischen Eltern zur Verfügung zu stellen. Dann können die Pfarreien diese Familien anschreiben und vorschlagen: Ihr könnt euer Kind taufen lassen.“

Interessant ist immer auch ein Blick auf die Zahlen der evangelischen Kirche. Die Nordkirche hat die Zahlen für 2021 schon im März veröffentlicht. Auch in der evangelischen Kirche gab es mehr Taufen als im ersten Coronajahr 2020. Und auch in der evangelischen Kirche ist die Zahl der Austritte gestiegen. 32 551 evangelische Christen verließen 2021 die Kirche: Das ist prozentual weniger als im Erzbistum Hamburg. Im katholischen Bistum traten 9788 Menschen aus – aber die Nordkirche hat insgesamt 1,8 Millionen Mitglieder, das Erzbistum Hamburg jetzt noch 377 543.

Der gesamte statistische Jahresbericht steht auf www.erzbistum-hamburg.de

Autor: Andreas Hüser