16.12.2020

Der Stern von Betlehem gibt wieder Hoffnung

Das Himmelslicht, das nach Matthäus die Geburt Jesu anzeigte, entstand wohl durch ein scheinbares Zusammentreffen von Jupiter und Saturn. Zur Weihnachtszeit ist diese symbolhafte Begegnung erneut am Firmament zu sehen. 

Außenansicht des Planetariums in Hamburg
Das Planetarium im Hamburger Stadtpark. Foto: Björn Buddenbohm

„Ein Symbol des Lichts und der Hoffnung auf eine bessere Welt, das ist der Stern von Betlehem für den Astrophysiker und Direktor des Planetariums im Hamburger Stadtpark, Professor Thomas W. Kraupe. Am Ende eines Corona-Jahres, das ausgerechnet zu Weihnachten von massiven Kontaktbeschränkungen aufgrund der Pandemie geprägt ist, mag ein solcher „Lichtblick“ der Seele besonders gut tun. Und tatsächlich gibt es ihn. Fast genauso wie zu Jesu Geburt, die His­toriker auf das Jahr 7 vor unserer Zeitrechnung datieren. 

Planeten begegnen sich wieder am 21. Dezember

Denn alle Indizien deuten laut Kraupe darauf hin, dass es sich bei dem „Stern von Betlehem“ um die äußerst seltene „Große Konjunktion“ von Jupiter und Saturn gehandelt hat. Sie findet diesmal allerdings nicht dreimal, sondern nur einmal, und auch nicht im Sternbild Fische, sondern im Sternbild Steinbock statt. 

Das Licht beider „Wandersterne“, wie Planeten auch genannt werden, überlagert sich kurz nach Sonnenuntergang am 21. Dezember vollständig. Über die Weihnachtstage werden Jupiter und Saturn aber immer noch sehr dicht bei­einander sein. „Dies ist eine selten enge Begegnung, wie sie seit mehr als 2 000 Jahren nicht stattfand, aber 2080 wieder ähnlich zu sehen sein wird“, erläutert Kraupe. 

Die Geschichte des „Sterns von Betlehem“ hat für den Katholiken Kraupe „hohen Symbolwert“. Für ihn als Natur­wissenschaftler ist sie freilich „kein Beweis“, sondern allenfalls eine „interessante Anregung“. Die Naturwissenschaft aber mache den Glauben nicht kaputt, es gebe Dinge, die man nicht wisse. Eigentlich wollte Professor Kraupe zur Weihnachtszeit solche und andere Gedanken sowie Erklärungen über die kosmischen Vorgänge rund um den „Stern von Betlehem“ in einem Vortrag im Planetarium dargelegen. „Aber ohne Publikum macht das keinen Spaß“, sagt der gebürtige Bamberger.

Die Geschichte vom „Stern von Betlehem“ fußt auf dem zweiten Kapitel des Evangeliums von Matthäus. Darin wird von „Magiern” aus dem Morgenlande berichtet, die zur Zeit der Geburt Chris­ti zu König Herodes nach Jerusalem kamen. Sie sahen einen „Stern im Aufgang“ und folgten ihm nach Bethlehem zur Krippe, wo er plötzlich stehen blieb. 

Schon lange wird insbesondere zur Weihnachtszeit darüber diskutiert, ob es jenen Stern wirklich gab, den die Heiligen Drei Könige seinerzeit am Himmel sahen. Und ob es ein Komet, ein neuer Stern oder eine andere seltene Himmelserscheinung war. Populäre Darstellungen zeigen ihn zumeist in der Gestalt eines „Schweifsterns“ eines Kometen.

Doch diese galten damals gar nicht als Himmelskörper, sondern als Unheilsbringer, die Tod und Epidemien ankündig­ten. Daher wollen sie nicht so recht zur Verkündung der Geburt eines göttlichen Kindes passen. Ebenso lässt sich heute belegen, dass es zu dieser Zeit keinen auffälligen Kometen am Firmament gab.

Auch ein scheinbar neuer „Stern“ am Himmel, eine Nova oder Supernova, die inzwischen als helle Explosion eines massereichen Sterns am Ende seiner Lebenszeit erkannt ist, kann als Erklärung des „Weihnachtssterns“
nahezu ausgeschlossen werden. Kraupe: „Die Reste eines solchen Ereignisses lassen sich mit den ausgefeilten Techniken moderner Teleskope noch heute aufspüren.“ Es lasse sich allerdings keine Sternexplosion finden, die zur fraglichen Zeit belegbar wäre. 

„Sofern man den ‚Stern von Betlehem‘ nicht allein als Licht des Glaubens in uns, sondern tatsächlich als ein astronomisches Ereignis erklären möchte, so deuten die Indizien eher auf einen hellen Wanderstern hin. Also auf einen Planeten, nämlich auf Jupiter“ und seine dreifache Begegnung mit Saturn im Jahr 7 vor unserer Zeitrechnung. Die Koinzidenz dieser höchst seltenen Großen Konjunktionen, die nur alle 850 Jahre vorkämen, mit der Geburt Jesu „ist schon erstaunlich“, so Kraupe.

Bedeutung der Geburt Jesu wird dargestellt 

Es deute zudem einiges darauf hin, dass dieses Ereignis babylonische Sternkundige auf ihren Weg nach Jerusalem führte. „So wurden entsprechende Vorausberechnungen der seltenen Begegnung auf babylonischen Keilschrifttafeln aus dieser Zeit entziffert“, sagt Kraupe. Jupiter, den die Babylonier damals „Marduk“ genannt hätten, habe ihnen als höchste Gottheit gegolten. Saturn, oder in ihrer Sprache „Kewan“, sei für sie „Herrscher über Israel“ gewesen. Zudem: Das Sternbild Fische, in dem sich die beiden Planeten begegneten, habe für die Sternkundigen das Land Palästina symbolisiert. Auch die ersten Christen verwendeten den Fisch als geheimes Symbol für ihren Glauben.

Saturn und Jupiter trafen damals wie heute allerdings nur scheinbar aufeinander. Kraupe: „Der Eindruck eines solchen Ereignisses entsteht, da die Erde die beiden äußeren Planeten gleichzeitig überholt. Dadurch scheinen Jupiter und Saturn, von der schnelleren Erde aus gesehen, stehenzubleiben und mehrfach ihre Laufrichtung zu ändern.“

Gleichwohl: Wichtig für Kraupe ist die Frage, was wirklich gemeint ist mit dem Text aus dem Evangelium. Diese „wunderbare Geschichte“ sei natürlich ein Gleichnis. „Matthäus wollte die Bedeutung der Geburt Jesu zum Ausdruck bringen.“ Als Symbol des Lichts zeigt der „Stern von Betlehem“ zudem eine Verbindung zu Feiern anlässlich der Wintersonnenwende, etwa zum römischen Fest der „Unbesiegbaren Sonne“. Zudem: Der genaue Geburtstag von Jesus ist nicht bekannt. Der 25. Dezember, der heutige Weihnachtstermin, markiert ein Datum, das erst 400 Jahre später hergeleitet wurde.

Text: Matthias Schatz