08.07.2020

Die Bibel, mal ganz anders

Es gibt viele gute Bücher. Keines kann sich mit der Bibel messen. Man kann das „Buch der Bücher“ lesen. Es gibt aber noch viele andere Zugänge, das Wort Gottes allein oder mit anderen zu erleben. Gisela Rutz hilft, sie zu entdecken

Biblische Erzählfiguren im Einsatz
Bibelstellen mit Figuren nachstellen: eine von vielen Möglichkeiten, sich einer alten Geschichte neu anzunähern. Foto: congerdesign/pixabay

Seit Februar ist Gisela Rutz Referentin für Bibelpastoral im Erzbistum Hamburg. Eine ganze Reihe von Angeboten gibt es in diesem Bereich. Etwa die Veranstaltungsreihe „Rendevous mit der Bibel“ an verschiedenen Orten. Während der Corona-Krise mussten die Termine vor Ort abgesagt werden. Online-Angebote haben die Zeit überbrückt und neue Möglichkeiten gezeigt. „Wir bekommen die Rückmeldung, dass gerade in dieser von Unsicherheit geprägten Zeit, für viele Menschen das Entdecken biblischer Texte und das Gespräch darüber, Mut und Kraft für den Alltag schenkt“, sagt Gisela Rutz. Aber nach und nach sind auch Gesprächskreise mit persönlicher Begegnung wieder möglich. 

Gisela Rutz
Gisela Rutz 

Gisela Rutz bereitet sich darauf vor: Sie begleitet Glaubenskurse, Familien- und Bibelkreise in den Gemeinden und Gruppen im ganzen Bistum. „Ich will auch Christen vor Ort ermutigen, selbst neue Bibelkreise zu initiieren“, sagt sie. Dazu bedarf es nicht unbedingt eines theologischen Referenten. „Die Kreise leben davon, dass die Menschen miteinander vertraut sind, es muss nicht immer jemand von außen kommen.“ Sich gemeinsam eine Bibelstelle vornehmen und darüber reden, das geht immer. Es gibt aber auch andere Formen des Einstiegs. Nicht alle sind neu. Die Form der „lectio divina“ (Göttliche Lesung) haben bereits Mönche des frühen Mittelalters erfunden. Lesung, Meditation über ein ausgewähltes Wort, Gebet und inneres Verweilen beim Text sind die Schritte, die diese vertiefende Bibellektüre ausmacht. Aus Afrika kommt das „Bibelteilen“ in sieben Schritten. Es ist eng verbunden mit dem Aufbau „kleiner christlicher Gemeinschaften“ in Asien und Afrika, die sich an biblischen Aussagen orientieren und sich fragen: „Was bedeuten die Aussagen in der Bibel für uns und unser Handeln heute?“ Vor 20 Jahren entstanden auch in Deutschland viele Kreise, die sich zum Bibelteilen trafen. Dann wurde es etwas stiller um diese Entdeckung. „Ich habe aber den Eindruck, dass das Bibelteilen seit einigen Jahren wieder neu entdeckt wird“, sagt Gisela Rutz. 

Etwas anspruchsvoller als das Bibelteilen, das fast ohne Einstiegsvoraussetzungen geht, ist „Bibliodrama“: Die Teilnehmer der Gruppe versetzen sich in Personen der Bibel und spielen die erzählte Situation nach. Das erfordert allerdings eine ausgebildete Begleitperson. Ein „Bibliolog“ verfährt ähnlich, allerdings nur mit Worten. 

„Wichtig ist, dass die Hürde nicht zu hoch ist“

Es gibt die Ignatianische Schriftbetrachtung, die unter dem Titel „Herzensbildung“ im Hamburger Kleinen Michel angeboten wird. Und es gibt die „klassische“ Form des Bibelgesprächs. „Wichtig ist, dass die Hürde nicht so hoch ist“, sagt Gisela Rutz“, denn die Erfahrung zeigt: Gerade den engagierten Menschen fehlt es an Zeit und Muße. Eine einführende Begleitung kann dabei nur nutzen. Allerdings lohnt es sich, sich Zeit für das Erkunden der Bibel und das Hören auf die Stimme Gottes zu nehmen. Diese Erfahrung hat Gisela Rutz, Mutter von sechs Kindern, selbst gemacht. „Ich habe mich schon mit der Bibel beschäftigt, als ich Anfang 20 war.“ Ursprünglich kommt sie aus einer Baptistengemeinde, sie hat inzwischen in der Manresa-Messe am Kleinen Michel Heimat gefunden – und in verschiedenen Aus- und Fortbildungen, unter anderem in Logotherapie, immer wieder den Bezug zur Schrift gefunden. 

Die nächste gute Einstiegsmöglichkeit in die Vielfalt der Bibellektüre ist der Impulstag zur Bibel in der Pastoral mit dem Titel  „Kraftvoll glauben – kreativ leben“ am 24. Oktober im Haus der kirchlichen Dienste Hamburg. In acht Workshops geht es um den kreativen Umgang mit der Heiligen Schrift. „Was soll mein Kind mit der Bibel?“ heißt die Frage in einem Workshop, den Alexandra Avermiddig leitet. Ursula Soumagne und Jan Geldern stellen „Das Evangelium auf dem Marktplatz und an anderen Orten“ vor. „Die Bibel geschlechtergerecht gelesen“ heißt es im Angebot von Sabine Gautier. Der Impulstag beginnt um 9.30 Uhr und endet um 17 Uhr, Kosten: 40 Euro. Das gesamte Programm ist im Internet www.pastoral-erzbistum-hamburg.de zu finden. Anmeldungen sind bis zum 10. Oktober beim „Grundlagenreferat Kirche in Beziehung“, Am Mariendom 4 in 20099 Hamburg möglich, Mail: werbs@erzbistum-hamburg.de

Text u. Foto (Rutz): Andreas Hüser